Randonneurs (1997)

«Einfach mal raus» heisst die Devise in den Sommermonaten. Weg vom stressigen Alltag und auf in die Sonne. Philippe Harels «Outdoors»-Komödie Les Radonneurs erzählt von vier eingefleischten Stadtmenschen, die anstelle von Club Med, Drinks und Animateuren das echte Leben geniessen wollen und geläutert in die Urbanität zurückkehren.


von Serge Zehnder



Tramperromantik
Das Ziel von Cora (Karin Viard), Nadine (Géraldine Pailhas), Mathieu (Vincent Elbaz), Louis (Harel) und ihrem Führer Eric (Benoît Poelvoorde) lautet GR20. Diesen korsischen Berg will das Quintett während ihren Ferien erklimmen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Gründe, warum er das sichere Leben Paris' für einige Zeit verlässt. Louis will von seiner hysterischen Freundin weg, Cora dachte sich, das Clubferien doch nicht das wahre sind, und Nadine hofft, dass Eric endlich seine Frau verlässt und mit ihr zusammenzieht. Die befreienden Lösungen finden die gebeutelten Wanderer in den Wäldern und Schluchten allerdings nicht. Dafür erhält jeder von ihnen ein Erlebnis, dass den Weg zum Psychiater oder weitere Rückschläge erspart.

Ringen um Entspannung

Vergnüglich und mit viel Charme erzählt Regisseur und Darsteller Harel die Abenteuer dieser Gruppe problembeladener Stadtgrufties, die dank frischer Luft und etwas Kameradschaft wieder zueinander finden. Gespickt mit witzigen Dialogen und wunderschönen Landschaftsaufnahmen vermittelt der Film auch jenen, die diesen Sommer zu Hause geblieben sind, etwas Urlaubstimmung. Getragen von den ausgezeichneten Schauspielern ist Les Randonneurs ein gefühlvolles Porträt einer Gruppe junger Menschen, die von den Luxusbadeferien genug haben und sich zur Abwechslung am Alternativsport Wandern versuchen. Dass die daraus resultierenden Kraftakte ans Nervenkostüm gehen können, wird besonders an Karin Viard exzellenter Darstellung spürbar, wenn sie verzweifelt und entmutigt versucht, hinter den Qualen des Kletterns ein Quäntchen Entspannung zu finden. Mit hochrotem Kopf und Wut in den Augen zwingt sie sich durch die stürmischen Höhen und Tiefen der korsischen Alpen. Was nach Schadenfreude aussieht, ist hier pure Identifikation. Wie oft hat man auf solchen Ausflügen feststellen müssen, dass Körper und Geist den Anforderungen der Natur nicht gewachsen sind, da man normalerweise das Auto oder andere bequeme Verkehrsmittel zur Verfügung hat. Dennoch ermuntert Les Randonneurs dazu, es selbst mit einer Fahrt ins Blaue zu versuchen. Und wer diese Erfahrung bereits durchgemacht hat, wird infolge des hohen Wiedererkennungsfaktors in Erinnerungen schwelgen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Randonneurs (1997)
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Harel, Philippe
Drehbuch:Assous, Eric
Harel, Philippe
Herry, Dodine
Ryher, Nelly
Produktion:Lecallier, Adeline
Kamera:Henry, Gilles (I)
Musik:Eidel, Philippe
Besetzung:Elbaz, Vincent
Harel, Philippe
Pailhas, Géraldine
Poelvoorde, Benoît
Viard, Karin
Delterme, Marine
Soualem, Zinedine
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
CH Verleih: SADFI


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