Return to Paradise (1998)

Sex, Drogen und Sandstrand sind für drei Gelegenheitsfreunde die Hauptvorzüge des Inselparadieses Malaysia.


von Thomas Hunziker


Die drei Amerikaner Lewis (Joaquin Phoenix), «Sheriff» (Vince Vaughn) und Tony (David Conrad) haben sich in Malaysia zufällig getroffen und beschlossen ihre gemeinsamen Tage so ausschweifend wie möglich zu verbringen. Führende Kraft hinter der Ausgelassenheit sind «Sheriff» und Tony. Am Tag ihrer Abreise entschliessen sie sich dazu dem zurückbleibenden Lewis ein wenig Haschisch zu hinterlassen. Die freundliche Geste erweist sich als mörderische Falle als die Polizei den Bungalow von Lewis aufgrund eines anderen Vergehens durchsucht und dabei das Haschisch findet. Da es sich um eine beträchtliche Menge Drogen handelt, wird Lewis vom Richter des Handels verurteilt, ein Vergehen, auf das in Malaysia die Todesstrafe steht. Sollten die zwei Freunde jedoch nach Malaysia zurückkehren und ihre Mitschuld eingestehen, würde der Richter das Urteil in eine Haftstrafe zu je drei Jahren umwandeln. Falls nur einer der beiden Freunde die Verantwortung übernehmen sollte, würde die Haftdauer sechs Jahre sein. Dies sind die Bedingungen, welche die Anwältin Beth Eastern (Anne Heche) nach zwei Jahren aushandlen konnte.


Überredungskünste (Vince Vaughn, Anne Heche)

Folgenschwere Verantwortung

Diesen Bedingungen nicht bewusst kurvt «Sheriff» sorgenfrei als Limousinenchauffeur durch New York. Tony, der sich mittlerweile verlobt hat, ist gechäftlich äusserst erfolgreich. Als «Sheriff» von Eastern über die Gegebenheiten aufgeklärt wird, verspricht er ihr auf das Angebot des Richters einzugehen, falls Tony sich bereit erklärt seinen Teil der Schuld mitzutragen. Dessen Einwilligung führt bei «Sheriff» allerdings wieder zu zahlreichen Überlegungen. Die Frage nach der Annahme der eigenen Verantwortung war die Grundidee für diesen Film. Wie lange man über die gerechte Entscheidung grübeln kann und wie dabei gute und böse Geister die erschweren, wird in Return to Paradise eingiebig vor Augen geführt. Mit der Zeit langweilt das immer mehr, wobei unnötige Nebenhandlungen den Film nicht interessanter machen. Insbesondere die Figur der Reporterin M. J. Major (Jada Pinkett) gibt Anlass zu einigem Ärgerniss. Wahrlich lobenswert sind hingegen die Leiden des jungen Joaquin Phoenix, doch dies ist leider der einzige durchwegs positive Aspekt dieses Films.


Ausgelassenes Trio im vermeintlichen Paradies

Fegefeuer

Die Frage nach der eigenen Verantwortung sollte diesen Film eigentlich vorantreiben, wenn man sich jedoch einmal überlegt, dass man mit einer wie im Film geschilderten Entscheidung kaum jemals konfrontiert wird, wird dieses Mittel ziemlich inhaltslos. Die moralische Wahrheit liegt auf der Hand, doch wer würde sich dazu bereit erklären, drei Jahre seines Lebens in einem dreckigen Loch in einem tropischen Land zu verbringen. Drei Jahre, die man möglicherweise nicht überleben wird. Bei einer solchen Entscheidung spielt die Gerechtigkeit nur noch eine kleine Rolle. Sobald die Tatsachen bekannt sind, geht es nur noch darum, ob man dazu bereit ist sein Leben (und je nach Glauben eine Ewigkeit danach) mit Schuldgefühlen zu verbringen oder ob man tapfer genug ist für seine Fehler zu büssen. Bei jedem Fehlverhalten sind die Fragen grundsätzlich dieselben, sei dies, wenn man sich von einer Verkäuferin zuviel Wechselgeld geben lassen hat oder wenn ein Freund deinetwegen Sterben wird. Manche Menschen beurteilen beide Dilemmas nach dem gleichen Masstab, viele ziehen irgendwo zwischen den beiden eine Grenze. Um dies zu erfahren, muss man nicht ins Kino gehen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Return to Paradise (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Joseph Ruben
Drehbuch:Wesley Strick
Bruce Robinson (I)
Produktion:Alain Bernheim
Steve Golin
Ausf. Prod.:David A. Arnold
Ezra Swerdlow
Kamera:Reynaldo Villalobos
Schnitt:Craig McKay
Andrew Mondshein
Musik:Mark Mancina
Ausstattung:Bill Groom
Kostüme:Juliet Polcsa
Besetzung:David Conrad (I)
Vera Farmiga
Anne Heche
Donald Hom
Ming Lee
Joaquin Phoenix
Jada Pinkett
Elizabeth Rodriguez
Nick Sandow
Vince Vaughn
Anna Kathryn Holbrook
 
Länge:111 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Tetragram
PolyGram Filmed Entertainment
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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