Ridicule

«Das Laster ist ohne Folgen, aber Lächerlichkeit ist tödlich.»



Im Vorzimmer der Revolution sieht es düster aus: Lakaien umschwirren den König Luis XVI und geben dessen Hof zu Versailles mit Puder statt Seife eine einzigartige Duftnote. Der Rest ist Geschichte. Weniger bekannt sind die verzwickten sozialen Vorgänge in dieser Jauchegrube. Alle wollen sie aufsteigen, sich über die Masse des niederen Adels erheben. Mit Intrigen allein ist das freilich nicht zu schaffen, was es braucht ist «bel esprit».


Die de Bellegardes:
Jean Rochefort, Judith Godrèche

In einer anderen Welt

Der Landadelige Ponceludon de Malavoy (Charles Bening) möchte im Kampf gegen das Fieber sein Land trockenlegen. Dafür braucht er allerdings finanzielle Hilfe vom König, was ziemlich aussichtslos erscheint, zumal dieses Projekt zwar dem niederen Volk, nicht aber dem Adel etwas bringt. Unbeeindruckt reitet Ponceludon nach Versailles und wird dort bereits von den untersten Beamteten in die Wüste geschickt.

Enttäuscht, aber nicht entmutigt, findet er Unterschlupf im Haus des Marquis de Bellegarde (Jean Rochefort), der ihm Nachhilfe in der Kunst des Schleimens erteilt. Ponceludons Talent für schlagfertige und bissige Konversation erweist sich dabei als Glücksfall. Der Ruf vom aussergewöhnlichen Esprit des Neulings dringt immer näher zum König, und die richtigen Beziehungen, ein Schäferstündchen mit der mächtigen Intrigantin Madame de Blayac (Fanny Ardant) etwa, verfehlen ihre Wirkung ebensowenig. Einzig die schöne Tochter des Marquis (Judith Godrèche) bringt den langsam in den Sog des Hofes geratenden Ponceludon mit ihrer Zuneigung zum Wanken. Sie sieht im Hof das, was er ist: eine stinkende Kloake von Arschkriechern. Ponceludon muss sich entscheiden.


Hin- und hergerissen:
Charles Bening, Judith Godrèche

Kein Geschichtsunterricht

Das Script von Rémi Waterhouse und die Realisation von Patrice Leconte bestechen in der unverkrampften Art, wie sie an das Thema herangehen. Es wird bewusst und konsequent das gesellschaftliche Spiel in das Zentrum des Filmes gerückt und anderes bestenfalls angedeutet. So verliert der Film nie sein Ziel aus der Linse: den «bel esprit». Und der wird denn auch mit all seinen Facetten zwischen Aufstieg und Absturz vorgeführt ­ von Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich durchwegs mit einer beeindruckenden Sicherheit in diesem Mikrokosmos bewegen. Zurecht gewann Ridicule einen Caesar und ist für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Ridicule
Genre:Komödie
Bewertung:****½
Länge:102 Minuten
Regie:Patrice Leconte
Drehbuch:Rémi Waterhouse
Produktion:Gilles Legrand, Frédéric Brillion, Philippe Carcassonne
Kamera:Thierry Arbogast
Musik:Antoine Duhamel
Besetzung:Charles Berling (Nelly et Monsieur Arnaud)
Jean Rochefort (Tango, Prêt-à-porter)
Fanny Ardant (Sabrina, Pedale douce)
Judith Godrèche (Tango, Une nouvelle vie)
Verleih:Monopole Pathé



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