Rien ne va plus (1997)

Die französische Krimi-Komödie mit Stil, Charme und Raffinesse - der 50. Film von Claude Chabrol


von Daniel Schneider



Betty ist nur scheinbar aufgeknöpft
«Rien ne va plus» - die Roulette-Kugel entscheidet sich für eine Nummer und der Rasenmäher-Manager gewinnt. Betty (Isabelle Huppert) verliert zwar, dafür macht sie den Geschäftsreisenden an und landet nach einem Abstecher in der Hotel-Bar auf seinem Zimmer. Was hat eine attraktive Frau mit einem verheirateten, farblos-langweiligen Kongressteilnehmer vor, diese Frage stellt sich der hormonal geblendete offenbar nicht. Die Antwort ist einfach: Ausrauben, wobei dieser Kraftausdruck nicht richtig gewählt ist, denn einerseits schläft der Gute friedlich dabei, anderseits nehmen Betty und ihr Partner Victor (Michel Serrault) ihren sorgfältig ausgewählten Opfern nur soviel, dass sich die Peinlichkeit einer Anzeige für diese nicht lohnt. So lebt das ungleiche Betrüger-Paar zwar angenehm unabhängig von Arbeitgeber und Steueramt, reich werden die beiden aber nicht. Mit dem Camper reisen sie von Kongress zu Kongress, bewahren dabei aber immer Stil. Victor ist vielleicht doppelt so alt wie Betty, ein erfahrener Gentleman-Ganove. Er organisiert ihre Aktionen, führt die Kasse und verwaltet die zahlreichen Identitäten und die dazu passenden gefälschten Dokumente. Vorallem aber zügelt er Betty, die zwischendurch auch mal aus der schon fast alltäglichen Routine ausbrechen will.


noch kann Maurice selbstsicher lächeln...
Nachdem Betty ein paar Tage Urlaub genommen hat, treffen sich die beiden im Hotel Waldhaus in Sils Maria. Victor, der als herrlich vorlauter Offizier im Ruhestand auftritt, ist nicht schlecht erstaunt, als er Betty in inniger Zweisamkeit mit einem jungen, gepflegten Mann antrifft. Als ihn Betty endlich aufklärt, wird ihm klar, dass es diesmal um mehr gehen wird, als die Teilnehmer des gerade stattfindenden Zahnarztkongresses zu beklauen. Der selbstsichere und vorallem sich selbst überschätzende Geschäftsmann Maurice (François Cluzet) will nämlich einen Koffer voller Geld zweifelhafter Herkunft aus Genf in die Karibik transportieren, Geld, das eigentlich für seine Auftraggeber aus der Unterwelt gedacht ist. Betty als seine Geliebte darf ihn begleiten, Victor ist natürlich auch im Flugzeug, mit einem identischen Koffer voller Zeitungen...

keine simple Koffertauscherei

Wer jetzt allerdings eine simple «dem richtigen Koffer nachjagen»-Story erwartet, wird dem Altmeister Claude Chabrol nicht gerecht. Dieser schafft es nämlich, die Handlung auch praktisch ohne «Action» spannend und unterhaltend zu gestalten und das, obwohl er typische Krimikomödien-Clichées verwendet. Es ist eine Freude, den hervorragend gezeichneten Charakteren zuzusehen, wie sie sich gegenseitig stilvoll hinteršs Licht führen. Sehr gekonnt geschrieben und gespielt sind die wirklich witzigen (und trotzdem nicht unter der Gürtellinie stattfindenden) Dialoge zwischen den allesamt schlagfertigen Ganoven. Rien ne va plus ist ein gutes Beispiel dafür, dass Krimikomödien nicht immer laut, hektisch und amerikanisch sein müssen, um zu unterhalten.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Rien ne va plus (1997)
Land:
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Chabrol, Claude
Drehbuch:Chabrol, Claude
Produktion:Karmitz, Marin
Porchet, Jean-Louis
Ruey, Gérard
Kamera:Serra, Eduardo (II)
Schnitt:Fardoulis, Monique
Musik:Chabrol, Matthieu
Kostüme:Jorry, Corinne
Besetzung:Balmer, Jean-François
Berroyer, Jackie
Cluzet, François
Huppert, Isabelle
Serrault, Michel
Benguigui, Jean
Chabrol, Thomas
Dalmès, Mony
Germain, Greg
Kousnetzoff, Nathalie
 
Länge:104 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:CAB
MK2
TF1 Films Productions
CH Verleih: Frenetic Film


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