Romeo and Juliet

«Two households, both alike in dignity,
In fair Verona Beach (where Baz lays our scene),
From ancient grudge break to new mutiny,
Where civil blood makes civil hands unclean.»



Hubschrauber kreisen über den Dächern von Verona Beach. Wann immer die aufs Blut verfeindeten Häuser der Montagues und Capulets aufeinanderprallen, kommt es zu einer Schiesserei ­ im besten Fall. Die junge Liebe zwischen Romeo (einem Montague gespielt von Leonardo DiCaprio) und Juliet (einer Capulet gespielt von Claire Danes) droht, in diesem Meer des Hasses unterzugehen ­ und wie wir alle wissen, wird sie das auch.


Romeo in Rage: Leonardo DiCaprio

Aus Gestern mach Heute

Die Geschichte ist bekannt: Die Eltern versuchen, Juliet mit aller Macht in eine Ehe zu zwingen. Sie ahnen nicht, dass Romeo und Juliet sich zuvor von Bruder Lawrence (Pete Postlethwaite) heimlich haben vermählen lassen. Doch damit nicht genug: Tybalt (John Leguizamo) aus dem Hause der Capulets erschlägt den Montague-Gefolgsmann Mercutio (Harold Perrineau) im Streit. Romeo, der sich bisher dem Sog der Gewaltspirale entziehen konnte, jagt einer Furie gleich den Mörder seines Freundes und tötet ihn im Affekt. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu.

Romeo wird geächtet und muss flüchten. In einem verzweifelten Versuch, die Liebenden doch noch zu vereinen, inszeniert Bruder Lawrence mit einer Droge den Tod Juliets. Doch der Plan scheitert, da Romeo nicht mehr rechtzeitig eingeweiht werden kann. Ausser sich vor Trauer um den vermeintlichen Tod seiner Frau nimmt er sich an deren Sterbebett das Leben, kurz bevor Juliet aus der künstlichen Leichenstarre aufwacht und ihm in ihrer Verzweiflung folgt.


Tragische Liebe: Claire Danes

Neon und Pistolen

Wann immer Shakespeare für die Leinwand inszeniert wird, wachen die Kritiker mit Argusaugen ­ insbesondere, wenn das Original zeitlich oder räumlich verschoben wird. Der australische Schauspieler und Regisseur Baz Luhrmann und Drehbuch-Mitautor Craig Pearce machen beides. Sie verlegen die Geschehnisse in eine künstliche Küstenstadt unserer Zeit. Luhrmann dazu: «Zu Shakespeares Zeit waren beispielsweise Religion und Politik stark verknüpft. Es gab einen geringen Prozentsatz sehr reicher Leute, während die restliche Bevölkerung sehr arm war. Es waren gewalttätige Zeiten, die Menschen trugen offen Waffen mit sich herum. Tatsächlich finden sich die genannten Dinge bis zu einem gewissen Grad im heutigen Mexiko.»

Indem die Charaktere abgesehen von ein paar Vereinfachungen den Originaltext sprechen, beschwört das Autorenteam bewusst die Kollision zwischen der elisabethanischen Zeit Shakespeares und unserem ausgehenden 20. Jahrhundert herauf, was das Publikum wohl unterschiedlich aufnehmen dürfte. Zuweilen wirkt die Adaption zu konstruiert, doch immer wieder gelingt sie auch auf eindrückliche Weise. Etwa wenn eine Nachrichtensprecherin den Prolog und Epilog verliest. Oder die Eröffnungsszene: War es bei Shakespeare noch ein öffentlicher Platz, verlegt sie Luhrmann an eine Tankstelle, in gewisser Weise der neuzeitlichen Variante eines Brunnens, an dem die Pferde getränkt werden können.

Mit viel Neon, Farbe und augenbetäubenden Schnitten (Jill Bilcock) erleben wir das Drama auf eine postmoderne, aufgedrehte Weise, mit Schauspielerinnen und Schauspielern, die mehr oder weniger in diese Kunstwelt passen. Leider ist es dem Film nicht ganz vergönnt, die Herzen des Publikums zu rühren. Zu bekannt ist die Geschichte und zu poppig die Umsetzung. Allerdings ist das anno dazumal Franko Zeffirellis Kostümoper Romeo and Juliet auch nicht gelungen. Diesen Streifen sollten im übrigen all diejenigen vorziehen, die schon mit Richard Lonchraines Verfilmung von Shakespeares Richard III so ihre Probleme hatten.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Romeo and Juliet
Genre:Drama
Bewertung:*** ½.
Länge:120 Minuten
Regie:Baz Luhrmann (Strictly Ballroom)
Drehbuch:Craig Pearce, Baz Luhrmann (nach einem Drama von William Shakespeare)
Produktion:Gabriella Martinelli, Baz Luhrmann
Kamera:Donald M. McAlpine
Musik:Nellee Hooper, Craig Armstrong, Marius de Vries
Besetzung:Leonardo DiCaprio (What's Eating Gilbert Grape, Marvin's Room)
Claire Danes (How to Make an American Quilt)
Pete Postlethwaite (In the Name of the Father, Dragonheart, Hamlet)
John Leguizamo (Drag Queen, Carlito's Way)
Harold Perrineau (Smoke)
Verleih:20th Century Fox



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