Rounders (1998)

Am runden filzgrün bezogenen Tisch sind schon so manche Existenzen zu grunde gegangen. Entsprechend dankbar ist das Thema des Spielers und seiner Sucht, oder zumindest war's dies, denn auch in diesem Bereich wurden die wichtigsten Dinge bereits gesagt.


von Serge Zehnder


John Dahl einst mit «The Last Seduction» als moderner «Film Noir»-Meister gepriesen, versuchte sich mit Rounders sowohl als Dramaturg einer Männerfreundschaft wie auch als Analyst der Poker-Halbwelt. Matt Damon und Edward Norton sorgen zumindest auf dem Papier für vielversprechendes Kino, gehören sie doch zu den einflussreichsten Jungstars. Doch Rounders will nicht so recht vom Fleck wegkommen, und dass liegt nicht nicht nur an den fehlenden Assen im Ärmel. Mike (Damon) ist ein ehemaliger Poker-Crack, der nach einer nervenaufreibenden Partie mit dem Unterwelt-Schergen Teddy KGB (John Malkovich schmiert sich durch) ruiniert ist und sich darauf nur noch seinem Jura-Studium und einem lausigen Job als Lieferwagenfahrer widmet. Die Zeiten, als er sich seinen Lebensunterhalt mit Spielen verdiente gehören der Vergangenheit an.


Mike und «Worm» drehen wieder ihre Runden.

JUGENDBANDE

Gute Vorsätze reichen aber nicht aus, besonders wenn «Worm» (Norton), Mike's bester Freund, aus dem Gefängnis entlassen wird. Erschrocken über die frühe «Rente», in die sich Mike begeben hat, stachelt Worm seinen Freund dazu an wieder zu spielen. Schuldgefühle-schliesslich hat Worm Mike nie als den Komplizen, der ihm bei seinem Betrugsdelikt beistand, genannt und der «Gambler Cold Turkey» drängen Mike wieder an den Tisch. Entgegen des Versprechens gegenüber seiner Freundin Jo (Gretchen Moll) dauert es nicht lange und die ehemaligen Zocker knöpfen sich Studenten, Touristen und ahnungslose Kleinkriminelle vor, was Mike jedoch nicht davor bewahrt, dass Worm sich auf seine Kosten in Schulden bringt, die zu allem Unglück noch auf Teddy KGBs Tisch landen und Mike somit wieder genau dorthin bringen, wo er einst untergegangen ist.


Eine Beziehung, die vom Glücksspiel überschattet wird.

LAHMER KREISLAUF

Zwischen Kneipen, Golfclubs und Hinterzimmern wiederholt sich Rounders ziemlich schnell. Konverstaion, Spiel, Konversation, Spiel wird zur ermüdenden Formel des ansonsten hervorragend besetzten Streifens. Jede Rolle, abgesehen von jener Malkovich's, wird mit viel Liebe erfüllt. Was Dahl zum Verhängnis wurde ist die lapidare Struktur des Drehbuchs, das ziemlich handlungsfrei ist und deshalb den Wert sorgfältig gezeichneter Figuren beträchtlich schmälert. Von den beiden Zugpferden Damon und Norton weiss auch nur letzterer zu überzeugen. Norton spielt sämtliche Schauspieler an die Wand und reicht damit nach «The People vs. Larry Flynt» und besonders nach «American History X» eine weitere Glanzleistung nach. Damon bleibt im Verhältnis zu seinen «Good Will Hunting» und «Rainmaker»-Darbietungen hinter den Erwartungen zurück. Von der amerikanischen Presse wurde Rounders gnadenlos verrissen, doch wenn man die Erwartungen nicht allzu hoch steckt, ist der Schaden nur begrenzt. Enttäuschend bleibt die Spielerode dennoch.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Rounders (1998)
Land:USA
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:John Dahl
Drehbuch:David Levien
Brian Koppelman
Produktion:Ted Demme
Tracy Falco
Christopher Goode
Joel Stillerman
Ausf. Prod.:Bobby Cohen
Kerry Orent
Bob Weinstein
Harvey Weinstein
Kamera:Jean-Yves Escoffier
Schnitt:Scott Chestnut
Musik:Christopher Young (II)
Ausstattung:Robert Pearson (I)
Kostüme:Terry Dresbach
Besetzung:Tom Aldredge
Lenny Clarke
Matt Damon
Famke Janssen
Martin Landau
John Malkovich
Gretchen Mol
Josh Mostel
Edward Norton
John Turturro
Kohl Sudduth
Joe Vega
Lenny Venito
E. Matthew Yavne
Peter Yoshida
 
Länge:120 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Spanky Pictures
Miramax Films
CH Verleih: Rialto Film


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