Salut cousin

Kein Englishman in New York, dafür ein Algerier in Paris ­ und ein echtes Landei ist er dazu. Das Tagebuch eines doppelten Kulturschocks.



Eigentlich sollte Alilo (Gad Elmaleh) in Paris bloss einen Koffer abholen, das gäbe aber kaum eine brauchbare Geschichte. Deshalb lässt er die Adresse in Algerien liegen und sitzt jetzt ziemlich hilflos in der Seinestadt fest. Zum Glück leben diverse emigrierte Verwandte dort und so findet er Unterschlupf bei Cousin Mok (Mess Hattou).


Mok steht das Wasser bis zum Hals:
Mess Hattou

L'Algérie ...

Mok selbst lebt in einem heruntergekommenen, aber sehr lebendigen Arrondissement. So wie seine Umgebung sieht auch sein Leben aus. Mit Gelegenheitsjobs als Scheinbräutigam, Wetten und einer hoffnungslosen Karriere als Rapper hält er sich halbwegs über Wasser und seine Illusion vom besseren Leben aufrecht. Abgekapselt lebt er in einer eigenen Welt ­ wunderschön umgesetzt in einer Szene, in der er mit Alilo auf einem imaginären Motorrad durch Paris fliegt ­ und hat keinen Kontakt mehr zu seinen übrigen Verwandten in Paris.

Als Moks Wiedersehensfreude immer öfter zur blanken Abweisung wird, beginnt Alilo die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Dabei lernt er Fatoumata (Magaly Berdy) kennen, eine Schwarzafrikanerin aus der Nachbarschaft, und es beginnt sich langsam, sehr langsam etwas zwischen den beiden anzubahnen. Die Liebe ist für den Algerier mindestens genauso unbekannt und überwältigend wie die Millionenstadt. Zu Hause ist er zwar schon seit Jahren versprochen, doch seine Braut nur schon anzuschauen ist ihm, der Tradition folgend, streng verboten.

Schliesslich erreicht Alilo per Telefon doch noch seinen Chef in Algerien und kann den Koffer abholen. Damit ist auch der Zeitpunkt für den Abschied gekommen. Doch längst hat die Stadt der Liebenden und seiner Geliebten ihn in ihren Bann gezogen.


Alilo entdeckt neue Welten:
Gad Elmaleh und Magaly Berdy

... ils l'ont massacrée

Der aus Algerien stammende Filmemacher Merzak Allouache greift erneut ein Thema auf, das ihm selbst sehr nahe und am Herzen liegt. Mit viel Feingefühl, manchmal aber zu platten Dialogen entwirft er die Geschichte der beiden Vetter, die ein ähnliches Schicksal, wenn auch mit vertauschten Vorzeichen, verbindet.

Die Besetzung, zu der teilweise auch Amateure gehören, überzeugt beinahe vorbehaltlos. Einzig Mess Hattou als Mok erscheint zuweilen zu stark überdreht und zu künstlich. Daran liegt es auch, dass der Film seine langatmigen Momente vor allem in der ersten Hälfte hat. Je länger Alilo durch Paris streift, desto mehr Charme verströmt der Film und gipfelt in der bereits erwähnten Motorrad-Szene. Mit einem überraschenden, traumhaft tragisch-komischen Schluss setzt Allouache noch das Tüpfelchen auf das "i" und einen Gedankenstrich hinter einen Film, der durchaus das Prädikat sehenswert verdient.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Salue Cousin!
Genre:Studiofilm
Bewertung:****.
Länge:103 Minuten
Regie:Merzak Allouache (Bab El-oued City)
Drehbuch:Merzak Allouache
Produktion:Jacques Bidou (exec)
Kamera:Pierre Aïm
Musik:Safy Boutella
Besetzung:Gad Elmaleh
Mess Hattou (Bab El-oued City, Rai)
Magaly Berdy
Ann Gisel Glass
Technik:1:1.66, Dolby Stereo A
Verleih:Filmcooperative Zürich


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