Scream 2 (1997)

Ja, ja wir alle wissen es, das Original war besser. Deshalb bitten wir für einmal die nicht wenigen Miesmacher von «Sequels», in der hintersten Reihe platz zu nehmen, denn Wes Craven und Kevin Williamson haben die wahrscheinlich beste Fortsetzung seit langem geschaffen.


von Serge Zehnder


Wieso, werden sich einige fragen. Ganz einfach, jeder, der an Scream 2 beteiligt war kennt die allgemeinen Vorurteile, die man gegenüber Fortsetzungen hat. Zugegeben, meistens treffen diese auch ein. Der Unterschied hier ist allerdings, dass weder Regisseur Craven noch Drehbuchautor Williamson etwas unternommen haben, um dies zu verheimlichen. Abgesehen von dem einmal mehr brillant gesponnen Whodunnit-Plot mit blutigem Schlitzereinschlag gaben sich die Macher nicht der Illusion hin irgendetwas Revolutionäres zu kreieren, sondern wie schon bei «Scream» mit den Ahnungen und dem Wissen des Zuschauers zu spielen. Hierbei gehen sie aber über das Geschehen auf der Leinwand hinaus und machen sich einen Heidenspass daraus, die markttechnischen Mechanismen aufzudecken, die bei einer Fortsetzung auftreten. Nun aber zur Geschichte: Alle Überlebenden aus Teil 1 sind wieder unter uns. Die sensible, und doch starke Sidney (Neve Campbell), der allseits beliebte Filmfreak Randy (Jamie Kennedy), die allseits gehasste Moderatorin Gale Wheathers (Courtney Cox) und der herzliche Naivling Dewy (David Arquette), Sheriff aus Teil 1, und waten durch das Blutbad. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.


«Sieh mal, der hat ein Messer».

DAS GLEICHE EINFACH GRÖSSER

Alleine schon weil der Ablauf der Geschichte in seinen Grundzügen mit Scream synchron ist. Der einzig wirkliche Unterschied besteht darin, dass hier den Machern mehr Geld zur Verfügung stand. Es wirkt alles um einiges gestylter, ohne dass man aber in irgendwelche grössenwahnsinnigen Regionen vorgedrungen wäre. Die Spannung ist nach wie vor das Epizentrum von Williamson's Drehbuch; irgendwelche pyrotechnischen Effekte oder sonstige teure Kinkerlitzchen wurden klugerweise auf der Seite gelassen. Maske und Messer reichen vollends und verdeutlichen einem, wie wenig man für einen Reisser der 90er Jahre benötigt. Natürlich sind auch die Schauspieler massgeblich am Nervenkitzel beteiligt. Campbell und Cox haben ihre Rollen von charismatischer Heldin und karrieregeiler Medien-Schlampe perfekt fortgeführt, während die Männer, abgesehen vom etwas faden Neuling Jerry O'Connell (Jerry Maguire), ebenfalls ihre Gegensätzlichkeiten bewahren, und so stetig ans Herz wachsen.


Regisseur Wes Craven: Zum Glück haben sie «Shocker» und «Vampire in Brooklyn» vergessen.

THE END IS THE BEGINNING IS THE END

Was wiederum ein Pluspunkt für Williamson ist. Wann hat man in einem Horrorfilm schon so viel liebevoll gezeichnete Figuren gesehen, und man bei den notorischen Gewaltausbrüchen nicht mehr Lachen kann, denn, und davon unterscheiden sich die Scream-Knüller deutlich von der grossen Mehrheit von Killer-Filmen, der Tod wird sehr ernstgenommen. Das Wow-Gefühl ist selbstverständlich auch vorhanden, aber eine schmerzlich ergreifende Tragik, kann man Williamsons faszinierendem Geplotte und Cravens Inszenierung nicht absprechen. Soweit so gut, bleibt eigentlich nur noch zu sagen, dass man Scream 2 als Film- und Horrorfreak nicht verpassen sollte (eine ziemlich unnötige Warnung, aber wir tun's trotzdem) und dass angeblich im Jahre 1999 bereits der dritte Teil in die Kinos kommt, womit die «Trilogie des Schreckens», welche Williamson ohnehin schon lange vor dem ersten Teil geplant hatte, vollständig wäre. «The Kill-Thrill-Show goes on».



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Scream 2 (1997)
Land:USA
Genre:Horrorfilm
Bewertung:
 
Regie:Wes Craven
Drehbuch:Kevin Williamson (I)
Produktion:Cary Granat
Cathy Konrad
Marianne Maddalena
Richard Potter (II)
Andrew Rona
Koproduktion:Daniel Lupi
Ausf. Prod.:Bob Weinstein
Harvey Weinstein
Kevin Williamson (I)
Kamera:Peter Deming
Schnitt:Patrick Lussier (I)
Musik:Marco Beltrami
Danny Elfman
Hans Zimmer
Ausstattung:Bob Ziembicki
Kostüme:Kathleen Detoro
Besetzung:David Arquette
Lewis Arquette
Neve Campbell
Courteney Cox
Portia De Rossi
Peter Deming
Omar Epps
Rebecca Gayheart
Sarah Michelle Gellar
Heather Graham (I)
Joshua Jackson
Roger Jackson (I)
Jamie Kennedy
Duane Martin
Laurie Metcalf
Elise Neal
Marisol Nichols
Jerry O'Connell
Timothy Olyphant
Jada Pinkett
Liev Schreiber
Rasila Schroeder
Tori Spelling
David Warner (I)
Kevin Williamson (I)
Luke Wilson
 
Länge:122 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Prod.-firma:Craven-Maddalena Films
Konrad Pictures
Dimension Films
Miramax Films
CH Verleih: Frenetic Film


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