Shall We Dansu? (1996)

Es mag an dem japanischen oder westlichen Filmverständnis liegen, aber grundsätzlich benötigt man nicht dasselbe zweimal. Oder?


von Serge Zehnder


Die Zahl von Filmen aus Fernost stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Das Land der aufgehenden Sonne belieferte uns in kürzester Zeit mit einer Reihe von Spielfilmen. Der bei weitem kommerziellste und deshalb auch von der Diseney-Akquisition Miramax vertriebene ist Masayuki Suos Ballade über den gehemmten Geschäftsmann Shohei Sugiyama (Koji Yakusho), der ein der Routine verschriebenes Leben zwischen Familie und Beruf fristet. Ein braver Steuerzahler ohne Hobbies oder Laster. Von Tochter und Frau schon fast ein bisschen bemitleidet, steht Shohei mit seinen vierzig Jahren an der Schwelle der Midlife-crisis und hat die Hoffnung auf irgendwelche Veränderungen bereits aufgegeben. Dennoch löst ein kurzer verstohlener Blick aus der U-Bahn einiges aus.



WIPPENDE FÜSSE

Das Objekt, welches Shoheis Interesse weckt, ist die junge Tanzlehrerin Mai (Tamiyo Kusakari), deren trauriges Gesicht und versteifte Körperhaltung Shohei dazu bringt, seine Routine zu brechen und nach einigem Zögern schliesslich auf dem Parkett steht. Zusammen mit zwei anderen «Büromuftis» wird er in die verschiedenen Tanzstile eingeweiht. Ironischerweise nicht von der hübschen Mai, sondern von deren schon etwas älteren Kollegin. Dessen ungeachtet nimmt Shohei regelmässig Unterricht und anstelle von jugendlicher Schwärmerei für Mai beginnt er, sich mit den Schritten zu beschäftigen und entwickelt eine Leidenschaft dafür.



STORY-DOUBLE

Soweit so gut. Liebevoll und ohne grosses Aufhebens führt Suo seine Hauptfiguren ein und gibt jedem der Beteiligten eine charmante Eigenheit. Dass die Geschichte voraussehbar ist, stört zu Beginn kaum, erst als in der zweiten Hälfte sämtliche Erklärungen, die dem Zuschauer bereits klar sind, aufgewärmt werden, wird Shall We Dance? zu einem bemühenden Zwei-Stunden-«Pas-de-Deux», der gegen den Schluss hin naiv-kitschig wirkt. Zwar bemühen sich die Schauspieler redlich, aber ein gesamtes Konzept, dass mehr von seinem einmaligen Zauber als von Fasziniertheit lebt, gleich paarweise in einem Film zu sehen, ruiniert das eigentliche Potential der Geschichte. Es mag an der japanischen Kultur und der dortigen Art Filme zu machen liegen, was dem Werk aber kaum mehr Schwung verleiht. Dass in Japan Tanzen als etwas Verrufenes gilt, macht Suo von Beginn an klar, deshalb ist es umso bedauerlicher, dass er bei der filmischen Auflösung dieses dogmatischen Themas kontinuierlich plumper wird.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Shall We Dansu? (1996)
Land:Japan
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Suo, Masayuki
Drehbuch:Suo, Masayuki
Produktion:Masui, Shoji
Ogata, Yuji
Tokuma, Yasuyoshi
Ausf. Prod.:Igarashi, Kazuhiro
Ikeda, Tetsuya
Kato, Hiroyuki
Ohno, Shigeru
Urushido, Seiji
Kamera:Kayano, Naoki
Schnitt:Kikuchi, Junnichi
Musik:Suo, Yoshikazu
Ausstattung:Heya, Kyôko
Besetzung:Emoto, Akira
Hara, Hideko
Kusakari, Tamiyo
Kusamura, Reiko
Moriyama, Syuichiro
Motoki, Masahiro
Shimizu, Misa
Taguchi, Hiromasa
Takenaka, Naoto
Tokui, Yu
Watanabe, Eriko
Yakusho, Koji
 
Länge:118 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
CH Verleih: Buena Vista


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