She's the One

Während Colm Meaney und Donal O'Kelley ihren gesundheitsschädigenden Snack-Wagen durch Stephen Frears neuen Dubliner-Film Fish & Chips schieben, schlagen sich die bereits ausgewanderten Fitzpatricks in Edward Burns She's the One mit problematischen Beziehungen und Vaterweisheiten herum.



Mickey (Edward Burns) und Francis (Mike McGlone) unternehmen zusammen mit ihrem Dad (John Mahoney) den ersten ihrer traditionellen Bootsausflüge auf dem Hudson River inmitten des Big Apple. Dort auf den ruhigen Wassern debattieren die drei Iren über ihre Zukunft. Vater Fitzpatrik setzt dabei auf den Ego-Trip und bläut seinen Söhnen ein, stets die eigenen Wünsche vorzuziehen. Francis hat diese bereits in die Tat umgesetzt und ist ein erfolgreicher Wallstreet-Player, der mit seiner College-Liebe Renee (Jennifer Aniston) verheiratet und mit Mickeys Ex-Verlobten Heather (Cameron Diaz) liiert ist. Für Mickey als Taxifahrer ist das Leben ein ruhiger Fluss, das durch seine überraschende Heirat mit der jungen Kellnerin Hope (Maxine Bahns) etwas Wellengang erhält. Das Glück scheint aber nur vom Klebstoff der Romantik zusammengehalten zu werden. Eine neuerliche Begegnung mit Heather und Hopes Wunsch, nach Frankreich zu gehen, sorgen umgehend für störerende Frequenzen auf dem Äther der Liebe. Wohl weiss Mickey noch nichts von seinem Bruder und Heather, doch bei den Fitzpatriks spült der Hudson alles an die Oberfläche.


It's a Women's World

The Brothers McMullen war Edward Burns' romantischer Erstling, der zu Beginn dieses Jahres auch in unseren Kinos lief. Liebesnöte und die Unfähigkeit, eine Bindung einzugehen, standen und stehen noch immer im Zentrum von Burns' Arbeiten. Und wie es schon der Titel erahnen lässt, sind nach den drei McMullen-Brüdern nun die Frauen das dominierende Geschlecht des Films. Burns bedachte Jennifer Aniston, Cameron Diaz und seine Real-Life-Love Maxine Bahns mit sehr eigenwilligen Rollen.

Durchsetzungsvermögen, markante Dialoge und nicht zu letzt eine umwerfende Schönheit lassen die Männer teilweise ganz verblassen. Cameron Diaz hat sich den "Mask"-Model Look aus dem Haar gefönt und beweist als giftiges Biest in bester Joan-Collins-Denver-Clan Manier, dass Frauen auch ohne feministische Aktivitäten die Männer aus der Bahn werfen können. Sie wird demnächst neben Keanu Reeves in Feeling Minnesota ein Farmfrüchtchen spielen und alle jene, die ihr nur Schönheit und kein Talent nachgesagt haben, sollten unverzüglich ein Ticket lösen. Neben der bösen Hexe schweben auch die guten Feen Maxine Bahns und Jennifer Aniston mit zauberhafter Leichtigkeit über die Leinwand, so dass man McGlones Figure Francis nur als Idioten bezeichnen kann, wenn er seine Frau Renee hintergeht. Sicher, Cameron Diaz ist eine attraktive Alternative, doch so ziemlich jeder "Regular-Joe" würde vermutlich seinen Job aufgeben, um einmal mit Ms. Aniston dinieren zu können. Und hofft man, irgenwann im hohen Alter nach mehreren Jahrzehnten glücklicher Ehe all dem Trubel und Gejubel entronnen zu sein, fängt alles von vorne an. John Mahoney, Leiter des Fitzpatrick-Clans, erlebt es am eigenen Leib.


Liebesleben in den 90ern:
gleich und doch verschieden

Filmische Beziehungsanleitungen hat es in der letzten Zeit wahrlich genug gegeben. Dass es Burns gelungen ist, den bekannten Situationen etwas Frische einzuhauchen, spricht wohl für sich selbst. Schon mit The Brothers McMullen bewies Burns einen lakonischen Witz, der zwischen einem "Six-Pack Guinnes" und einer Zigarre die grüne Insel auf Long Island oder im Greenwich Village wieder auferstehen lässt. Die Preise des Sundance Filmfestivals brachten Burns mit Robert Redford in Kontakt, der das Budget von drei Millionen Dollar mitfinanzierte. Mit einem Viertel von Demi Moores letzter Gage, ohne nackte Haut, dafür mit viel Herz und Wärme, ist She's the One das beste Beispiel für gutes Kino, bei dem jeder auf seine Rechnung kommt.


Mr. Pettys Musik in Gottes Ohr

Noch ein Wort auf den Weg. Hat man den Kinosaal verlassen, sollte man sich nicht wundern, wenn man von einer komischen Kraft ins nächste CD-Geschäft gezogen wird und sich dort den wirklich gekonnten Soundtrack von Folk-Rocker Tom Petty zu Gemüte führt. Es handelt sich zwar um eine weitere Variante, wie man mit einem Film sonst noch Geld verdienen kann. Aber wenn sie so gut ist, sind alle Einwände verflogen.

Serge Zehnder


Angaben zum Film

Titel:She's the One
Genre:Studiofilm
Bewertung:****.
Länge:96 Minuten
Regie:Edward Burns
Drehbuch:Edward Burns
Produktion:Ted Hope, James Schamus, Edward Burns
Kamera:Frank Prinzi
Musik:Tom Petty
Besetzung:Edward Burns (The Brothers McMullen)
Mike McGlone (The Brothers McMullen, ED)
Jennifer Aniston (Friends TV)
Cameron Diaz (The Mask, Feeling Minnesota, The Last Supper)
Maxine Bahns (The Brothers McMullen)
John Mahoney (Reality Bites, Barton Fink, In the Line of Fire)
Verleih:20th Century Fox



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