Shooting Fish (1997)

Der Traum vom eigenen Heim, wie es viele Werbungen anpreisen, bleibt bekanntlich oft eine Illusion. In Stefan Schwartz’ leichter Komödie Shooting Fish wollen zwei Underdogs mit listigen Abzockerein ans grosse Geld kommen. Die Opfer: Reiche Business-Männer und Frauen.


von Serge Zehnder


Dem Titel nach zu urteilen könnte man fast meinen, es handle sich hier um einen Lehrgang wie man den Fischfang verkürzen kann. Bereits während des Vorgangs, der mit viel Farbe eingedeckt in zwei Waisenhäusern auf je einer Seite des grossen Teiches spielt, wird jegliche «Petri Heil»-Stimmung über den Haufen geworfen. In den Vereinigten Staaten träumt der kleine Dylan wie sein englischer Gegenpart Jez von einer grossen Hütte aus altem Stein. Anders gesagt, einem sehr grossen Landsitz. Ein paar Jahrzehnte später drehen die Seelenverwandten krumme Dinger. Ein sprechender Computer, ohne Tastatur mit Stimmerkennungsmodul wird der finanzkräftigen Kundschaft untergejubelt. Dass Jez (Stuart Townsend) in ein Mikrofon hineinplappert, während Dylan (Dan Futterman «The Birdcage») das futuristische Gerät vorführt, weiss der potentielle Käufer selbstverständlich nicht. Wen kümmert’s, das Geschäft hat geklappt, man ist um ein Haar fein raus, deshalb rein in den nächsten Schwindel. In einem alten Gasometer lebend, legen sie jeden Cent für ihren Traum zur Seite. Jede Gratisquelle wird angezapft, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten.



«RULE BRITANNIA» UND DER RUBEL ROLLT

Da aber auch die grössten Gauner zuweilen etwas unterbesetzt sind, haben sich Jez und Dylan die hübsche Georgie (Kenneth Branagh-Entdeckung Kate Beckinsale) in ihr Team aufgenommen. Sie ist von den angeblichen «Robin Hood»-Aktionen des Duos fasziniert und der über alle Massen schüchterne Jez hat auch schon ein Auge auf die Stenotypistin geworfen. Leider ist er nicht allein im Rennen, denn auch Dylan lässt seinem Charme freien Lauf und versucht, Georgie für sich zu gewinnen. Ausserdem sind die benötigten zwei Millionen Pfund in Reichweite, womit der Kauf des Hauses in unmittelbare Nähe gerückt ist. Dummerweise schaltet sich in diesem Moment die Polizei ein und aus den gewieften Halunken werden Sträflinge, denen zu allem Überfluss Georgie die Freundschaft kündigt, als sie erkennt, dass hier nicht für ein Waisenhaus sondern für die eigene Tasche gegaunert wird.



MEHR KAULQUAPPE ALS FISCH

Ein vielversprechender, temporeicher Ablauf, bei dem man sofort, Freundschaft mit den beiden liebenswerten Schlawinern schliessen will, geht spätestens bei der Inhaftierung verloren. Die Überraschungen bleiben aus, und die Humoreske schleift sich mit viel Mühe über die Ziellinie. Shooting Fish gibt trotz vieler guter Ideen einen weiteren Beweis dafür ab, dass eine Komödie nur 90 Minuten lang sein sollte. Obwohl es hier gerademal 22 Minuten mehr als das ideale Mass sind, gelingt es Schwartz nicht, das Publikum bei der Stange zu halten. Futterman, Townsend und Beckinsale geben sich unumwunden spielfreudig, dennoch kann das Trio den Verlust des «Drives» im letzten Drittel des Films nicht verhindern. Als neues Produkt des wiederbelebten britischen Kinos ist Shooting Fish eindeutig unter den Erwartungen. Betrachtet man es aber als eine in England angesiedelte Hollywood-Komödie, wird man bestens bedient. Unterhaltend, kurzweilig mit einem garantiert glücklichen Ausgang. Dagegen gibt es nichts zu sagen, ausser vielleicht, dass die britischen Macher ein wenig vorsichtig sein sollten, dass ihre Geschichten nicht während des Erzählens veramerikanisiert werden.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Shooting Fish (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Schwartz, Stefan (III)
Drehbuch:Schwartz, Stefan (III)
Produktion:Holmes, Richard (II)
Murray, Glynis
Ausf. Prod.:Smith, Gary
Kamera:Braham, Henry
Schnitt:Strachan, Alan
Ausstattung:Gottlieb, Max
Kostüme:Meachem, Stewart
Besetzung:Beckinsale, Kate
Crosbie, Annette
Futterman, Dan
Townsend, Stuart
 
Länge:109 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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