Sirga - die Löwin

Ein wunderbarer Film, der ein Afrika neu erfindet, das es nicht mehr gibt.


von Sandra Walser


Wenn heute in einem Film wilde Tiere auftauchen, dann entstammen sie meistens nicht dem Urwald, sondern dem Computer. In Jumanji beispielsweise trampeln Dutzende von Elefanten, Zebras und Nashörner durch die Strassen - kein Tier ist echt. Einerseits faszinierend, aber andererseits sehen diese künstlich hergestellten Lebewesen nicht so richtig beseelt aus. Viel eindrücklicher und ehrlicher wirken da die seltenen Filme, in denen der Mensch und das Tier tatsächlich Seite an Seite vor der Kamera gestanden haben, wie in Sirga die Löwin. Der Film basiert auf einem Kinderbuch, und erzählt eine uralte, afrikanische Legende: In derselben Nacht werden unweit voneinander entfernt ein Kind (Oulé) und eine Löwin (Sirga) geboren. Als eine Art Seelenverwandte wachsen sie wie Geschwister auf. Oulé beherrscht schnell die Sprache der Tiere, der Bäume, der Pflanzen und des Windes.


Falke flieg!

Keine direkte Gewalt

Eines Tages ist die Löwin plötzlich nicht mehr da, Unheil kündigt sich an. Wenige Tage später dringen Reiter aus dem Norden ins Dorf ein. Sie stecken die Hütten in Brand, töten die Erwachsenen und schleppen die Kinder ab. Dieser Überfall wirkt nach den sinnlichen und wunderschönen Bildern der ersten Hälfte des Filmes ziemlich brutal. Es ist Regisseur Patrick Grandperret aber hoch anzurechnen, dass er auf die direkte Darstellung von Gewalt (sprich: viel Blut) verzichtet und statt dessen mit symbolischen Mitteln arbeitet: verstört fliegen die Vögel weg, dröhnende Trommelschläge und emotionsgeladene Musik verdeutlichen auf der Tonebene das, was man nicht sieht. Oulé wird schliesslich zusammen mit Lena, einem anderen Dorfkind, an einen reichen Prinzen als Sklave verkauft. Einzig die Magier des Palastes erkennen, dass der 10jährige Junge kein gewöhnlicher ist, sondern einer, der die Natur(kräfte) auf seiner Seite hat...

Fest für's Auge

Die Szenerie, die uns der Film zeigt, ist einmalig: Überwältigende Landschaftsaufnahmen ergänzen das faszinierende Zusammenspiel von Mensch und Tier - einem kleinen Jungen und einer riesigen Löwin, wohlgemerkt. Hiermit verbindet sich eine kleine Anekdote: Sophie Toue (Lena) ist, wie die meisten im Film, noch nie vor der Kamera gestanden. Normalerweise arbeitet das Mädchen auf einem Markt. Als Grandperret sie für seinen Film anstellen wollte, sah er sich mit einer ungewöhnlichen Situation konfrontiert: Sophies Mutter verlangte als Lohn eine Unsumme - sie glaubte, ihre Tochter soll vor laufender Kamera von einem Löwen verschlungen werden.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Sirga - die Löwin
Land:Frankreich
Genre:Kinderfilm
Bewertung:
 
Regie:Patrick Grandperret
Drehbuch:René Guillot
Catherine K. Galodé
Produktion:Carmen Castillo
Kamera:Jean-Michel Humeau
Schnitt:Sean Barton
Yann Dedet
Terry Stokes
Musik:Salif Keita
Jean-Louis Valéro
Kostüme:Cécile Balme
Malika Agostini Brahim
Wéré Wéré Liking
Germaine Ribel
Besetzung:Abdoullai
Michel Boccara
Guy Cuevas
Lam Ibrahim Dia
Gadie
Salif Keita
Sidy Lamine
Meletge
Tallou Mouzou
Nieto
Mathurin Sinze
Sophie-Veronique Toue Tagbe
Thomas Tia
Damouré Zika
Jean-Rene de Fleurieu
Souleyman Koli
Wéré Wéré Liking
 
Länge:86 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:
Prod.-firma:Verleih: JMH


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