Sliding Doors (1998)

Da der Mensch die Fähigkeit besitzt zu denken, gerät er oft ins Grübeln über allfällige «Wenns» und «Abers» oder er dreht wie der Brite Peter Howitt ein wunderschönes Stück Lebensgeschichte.


von Serge Zehnder


Mit einer Reihe von Rountineabläufen beginnt Sliding Doors. Eine im Moment noch nicht genannte Frau bahnt sich ihren Weg vom Bett ins Geschäft, durch Londons Strassen, wo es noch einen kurzen Frühstücksimbiss auf dem Weg gibt, betritt am Ende des Vorspanns ein High-Tech-Büro, wo sie mit maskuliner Kälte vor die Tür gesetzt wird. Ja, man kann guten Gewissens sagen, Helens (Gwyneth Paltrow nach «Emma» erneut mit britisch royalistischem Akzent) Tag hat schon schlecht angefangen, ganz zu schweigen davon, was noch alles passieren wird. Aus dem Büro heraus, geht sie zur nächsten Underground-Station, wo sie zu allem Überfluss auch noch den Zug verpasst. Und jetzt, ganz ohne Vorwarnung, spult Regisseur Howitt den Film einfach zurück, nochmals derselbe Ablauf, und jetzt erwischt Helen den Zug, womit wir am Anfang der eigentlichen Geschichte stehen. Zwei Helens, eine auf dem Bahnsteig, die andere in der Bahn.


Helen (Paltrow) einmal mit James (Hannah)...

GETEILTES LEBEN

Und so geschah es, dass an jenem Tag ein Leben in zwei Bahnen gelenkt wurde, und diese nun dem Zuschauer auf die beste Art, die diese Form des Erzählens zulässt, nähergebracht wird. Helen im Zug kommt mit dem charmanten James (John Hannah «Four Weddings and a Funeral») ins Gespräch. Früher als geplant zu Hause angekommen, bemerkt sie, dass ihr jetziger Freund Gerry (John Lynch «In The Name of The Father») sie mit einer alten Flamme (Jeanne Tripplehorn) aus Amerika betrügt. Derweil wird die «andere» Helen fast beraubt und muss mit einem Taxi nach Hause. Diese kleine zeitliche Verzögerung reicht aus, dass sie nichts von Gerrys Affäre erfährt und somit bei ihrem Möchtgern-Autoren bleibt. Ganz im Gegensatz dazu verlässt die «erste» Helen Gerry mit einer Ohrfeige. Aber, ohne sich weiter im Plot-Gespann zu verlieren, muss man sich den Film selbst ansehen und sich von seinem Reiz verzaubern lassen.


und einmal mit Gerry (Lynch)

FÜR GEMÜT UND GEHIRN

Howitt ist mit Sliding Doors ein reibungsloser Einstand gelungen, der von Paltrows feenhafter Präsenz einen Touch Hollywood erhält, ohne jedoch irgendwelche britische Eigenständigkeit einzubüssen. Das Thema des gespaltenen Lebens ist einfach, aber hier so galant und humorvoll verarbeitet, dass einen die Ehrlichkeit, mit der man an das Medium herangetreten ist, schlicht in ihren Bann zieht. Howitt, der seit einer kleinen Ewigkeit im Filmgeschäft arbeitet und sowohl vor wie auch hinter der Kamera kleinere für die grosse Masse kaum relevante Rollen oder Arbeiten verrichtet hat, ist mit «Sliding Doors» ein nicht allzu persönlicher Beitrag gelungen, der aber unweigerlich und spürbar von Herzen kommt. Ein Film, der den Frühling sofort zum Sommer macht, und mit ein bisschen «goodwill» hoffentlich sein Publikum findet.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Sliding Doors (1998)
Land:
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Peter Howitt (III)
Drehbuch:Peter Howitt (III)
Produktion:Philippa Braithwaite
William Horberg
Sydney Pollack
Ausf. Prod.:Guy East
Nigel Sinclair
Kamera:Remi Adefarasin
Musik:David Hirschfelder
Ausstattung:Maria Djurkovic
Kostüme:Jill Taylor
Besetzung:Paul Brightwell
John Hannah
John Lynch (I)
Douglas McFerran
Virginia McKenna
Gwyneth Paltrow
Jeanne Tripplehorn
Zara Turner
Nina Young
 
Länge:99 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Intermedia Films
Mirage Enterprises
CH Verleih: Elite Film


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