Sling Blade (1996)

Der Sensemann


von Heinz Gnehm


Dass Sling Blade etwas aus dem üblichen Rahmen fällt, wird einem schon kurz nach Beginn des Films klar. Ein zweifacher Mörder gibt zwei Studentinnen kurz vor seiner Entlassung aus einer psychiatrischen Haftanstalt noch ein Interview. Als er zu sprechen anfängt, erwartete ich unwillkürlich eine Rückblende in seine Kindheit, stattdessen bleibt die Kamera aber starr auf sein Gesicht fixiert, wenn er davon zu erzählen beginnt, wie er von seinen Eltern in einen Schuppen gesperrt wurde und das Haus nicht betreten durfte. Im Alter von zwölf Jahren beobachtete er dann eines Tages seine Mutter mit einem Liebhaber und nahm in seiner jugendlichen Unerfahrenheit an, der Mann wolle sie angreifen und tötete ihn mit einer Sense (englisch Sling Blade). Als seine Mutter daraufhin nicht so reagierte wie er es erwartet hatte, brachte er sie in seiner Wut und Verzweiflung ebenfalls um.


Zwei ungleiche Freunde, Karl und Frank

Der Rasenmähermann

Seit diesem Vorfall sind 25 Jahre vergangen und Karl Childers (Billy Bob Thornton) ist in dieser Zeit zu einem guten Christen geworden und hat sich geschworen, nie wieder zu töten. In seiner Heimatstadt kann sich kaum noch jemand an ihn und den Doppelmord erinnern und er findet mit Hilfe des Anstaltsleiters sofort eine Stelle in einer Reparaturwerkstätte, wo er von nun an mit grossem Geschick Rasenmäher und andere Kleinmotoren repariert. Vor einer Wäscherei lernt er den Jungen Frank Wheatley (Lucas Black) kennen, der schon bald zu seinem besten Freund wird. Seine Mutter Linda (Natalie Canerday) lässt ihn in ihrer Garage wohnen, da Frank in Karl einen Ersatz für seinen Vater gefunden zu haben scheint, der sich vor einigen Jahren selbst das Leben genommen hat. Linda ist inzwischen mit Doyle Hargraves (Dwight Yoakam) befreundet, einem oftmals rücksichtslosen und gewalttätigen Haudegen, der von Frank deshalb so oft wie möglich gemieden wird. Als Doyle Karl aus dem Haus werfen will, steht Karl plötzlich vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens.


Ein ungleiches Paar, Linda und Doyle

Der Mann mit dem goldenen Schwert

Sling Blade wurde an der diesjährigen Oscar-Verleihung zu Recht mit dem Preis für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Mit einer einfachen Geschichte und wenigen Darstellern erzeugt Billy Bob Thornton, der neben der Hauptrolle auch noch gleich das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, eine dichte und mitreissende Atmosphäre. Geradlinig und überzeugend steuert die Handlung auf ein unvermeidliches und abruptes Ende zu, das vom Schicksal wie vorgezeichnet zu sein scheint. Wenn dann der Film mit der gleichen Szene aufhört wie er begonnen hat und uns damit einreden will, es sei eigentlich gar nichts passiert, so ist doch nichts mehr wie früher und das Auftauchen von Karl hat das Leben derer, mit denen er zusammen war, von Grund auf verändert. Und auch Karl selbst ist ein anderer geworden. Der Kampf mit seinem Gewissen hat ihn stärker gemacht und diese Wandlung wird von Billy Bob Thornton überzeugend und eindringlich dargestellt. Der Film macht einen nachdenklich und lässt den Zuschauer nicht so schnell wieder los. Und damit fällt er angesichts der schnellebigen Hollywood-Produktionen der letzten Zeit tatsächlich etwas aus dem Rahmen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Sling Blade (1996)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Thornton, Billy Bob
Drehbuch:Thornton, Billy Bob
Produktion:Bushell, David L.
Rosser, Brandon
Ausf. Prod.:Meistrich, Larry
Kamera:Markowitz, Barry
Schnitt:Winborne, Hughes
Musik:Lanois, Daniel
Ausstattung:Hunter, Clark
Kostüme:Hall, Douglas
Besetzung:Duvall, Robert
Jarmusch, Jim
Ritter, John
Thornton, Billy Bob
Walsh, J.T.
Yoakam, Dwight
 
Länge:136 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Shooting Gallery
CH Verleih: Rialto Film


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