Small Faces

small: engl. klein / faces: engl. Gesichter, wichtige Leute (Mod-Slang)

Glasgow 1968: Vor der trostlosen Kulisse der Industriestadt liefern sich rivalisierende Gangs grundlos Schlachten, von "flower power" keine Spur. Wir begleiten den 13-jährigen Lex auf der Suche nach sich selbst.



Lex (Iain Robertson) schwankt zwischen zwei Extremen, verkörpert durch seine beiden Brüder: Der sensible Alan (Joseph McFadden) möchte seine Begabung an der Kunstakademie veredeln, während Bobby (J.S. Duffy) vollends in der Cumbie-Gang aufgeht und auch gegenüber der eigenen Familie seine Gewaltbereitschaft immer öfter durchschimmern lässt.


Das Gesicht des Hasses: Iain Robertson

Bandenkrieg: Cumbie vs. Tongs

Ohne es eigentlich zu wollen, schiesst Lex dem Tongs-Führer Malky Johnstone mit der Luftpistole seines Bruders ins Gesicht und wird so vom Strudel der Gangs erfasst. Er sucht Schutz bei den Cumbie, die ihn entsprechend auszunutzen wissen, und lernt die faszinierend dunkle Seite seines Bruders Billy kennen. Andererseits ist er begeistert von Alans Malerei und beginnt, bei einem Kollegen selber Zeichenunterricht zu nehmen.

Die Situation spitzt sich unterdessen immer mehr zu: Alan wird von Joanne MacGowan (Laura Fraser), die ausgerechnet der Tongs-Führer Malky als sein Eigentum betrachtet, angemacht. Und Billy knallt ebendiesem Malky anlässlich einer Schlägerei einen Backstein ins Gesicht. "Indeed, a remarkable familiy." Schliesslich explodiert das Pulverfass.


Die Tongs auf Kriegspfad

"Cumbie Ya Bass!"

Ohne es zu ahnen stellt Lex seinem Bruder eine tödliche Falle. Die Tongs lauern Billy in der Eishalle auf und töten ihn. Nach der Beerdigung überschlagen sich die Ereignisse: Lex' Rache an Malky Johnstone schlägt fehl, dafür wird dieser von seinem Stiefbruder in die Luft gejagt. Bumm. Die "Hintermänner" sind tot, Alan geht auf die Akademie, Joanne nach London und das Leben weiter. Lex hat diese schmerzhafte Hürde auf dem Weg zu seiner eigenen Identität genommen, weitere werden folgen.


Das Gesicht der Liebe:
Joseph McFadden und Laura Fraser
Die Gebrüder MacKinnon wurden beide im Glasgow der 60er Erwachsen und setzen ihre Beobachtungen jener Zeit im Drehbuch zu Small Faces um. Regisseur Gillies MacKinnon: "Billy und ich griffen auf unsere persönlichen Erinnerungen zurück, die Handlung hingegen ist rein fiktiv." Aber durchaus plausibel: "Das Stadtzentrum diente als Besammlungsort der Gangs, die manchmal mit rudimentären Waffen auftauchten und bereit waren, sie auch zu gebrauchen. Es handelte sich um territoriale Konflikte. Sie schlugen sich nicht um Geld. Die Mehrheit der Gangmitglieder arbeitete, viele als Lehrlinge im damals blühenden Industriesektor. Weder mit Arbeitslosigkeit noch mit Drogen lässt sich das Entstehen der Gangs begründen."

Iain Robertson, Joseph McFadden und Billy MacKinnon spielen die MacLean-Brüder überaus authentisch. In der düsteren und bewusst minimal ausgestatteten Kulisse der Industiestadt erleben sie eine besondere Jugend, die zugleich fasziniert und erschreckt, die sich in manchen Fällen wohl wirklich so ereignet hat.

Sven Schwyn

Angaben zum Film



Copyright © 1996 Frenetic Films (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)