Some Mother's Son

Politische Konflikte erfordern normalerweise eine gesamtheitliche Betrachtung. Insbesondere das Thema Nordirland, dessen blutige Auseinandersetzung mit der britischen Krone seit Beginn dieses Jahrhunderts andauert, muss man oft in mehreren Zusammenhängen sehen. Entgegen all dieser «politisch korrekten» Schilderungen stellte Terry George in seinem Erstling «Some Mother's Son» das Individuum über die Masse.


von Serge Zehnder


Langsam geht die Sonne über einem nordirischen Fischerdorf auf. Ein Boot legt an, in Gummistiefeln und ­ wie es den späten Siebzigern entspricht ­ mit langen Koteletten an der Schläfe, trägt Gerard Quigley (Aiden Gillen) eine Kiste Fisch an Land. Eine Reihe stimmungsvoller Fotomotive für ein Ferienalbum, die durch die Präsenz von Panzern und anderen militärischen Vehikeln zerstört werden. Es ist diese Allgegenwart des britischen «Empires», die Gerard zur IRA getrieben hat. Der Wille zur Unabhängigkeit und die Loyalität für sein Land verhärten sich, während seine Mutter Kathleen (Helen Mirren) nach all den Jahren des Krieges nicht mehr versucht, die Umstände zu verändern, sondern sie zu akzeptieren.



Nach dem Anschlag auf einen Militär-Konvoi, bei dem ein Soldat stirbt, wird Gerard zusammen mit Frank Higgins (David Higgins), dessen Mutter Annie (Fionnula Flanagen) wegen der Ermordung ihres kleinen Sohnes einen unbändigen Hass gegen die Besatzungsmacht hat, verhaftet. Im Gefängnis schliessen sich Gerard und Frank den anderen IRA-Gefangenen an und treten in den Ausstand. Unter der Führung von Bobby Sands (John Lynch) spitzt sich die Lage soweit zu, dass ein Hungerstreik angezettelt wird und die Mütter für das Leben ihrer Söhne einstehen müssen. So auch die Liberale Kathleen.



Trümmerfrauen des ewigen Krieges

Der Titel sagt im Grunde schon alles aus. Es werden für einmal nicht historische oder politische Ursachen und Folgen beschrieben, sondern eine Gruppe von Menschen genauer unter die Lupe genommen. Terry George, der zusammen mit Jim Sheridan das Drehbuch zu In the Name of the Father geschrieben hat, nimmt sich eines der vielen Schicksale aus Nordirland an und stellt es in den Kontext realer Ereignisse. Mit viel Fingerspitzengefühl, subtilem Humor und ohne grossed Pathos beschreibt er das Leben seiner Landsleute, das von Schmerz und Wut geprägt ist. Damit schliesst er an Pat O'Conners Drama Cal (übrigens auch mit Helen Mirren in der Hauptrolle) an, das bereits vor fünfzehn Jahren die Tragik des blutigen Konfliktes auf einer humanen Ebene behandelte.

Die Parallelen zu Sheridans Gefängnisdrama (er fungierte als Co-Autor und Produzent) sind offensichtlich, doch Some Mother's Son hebt sich durch seine ruhigen Momente, von denen In the Name of the Father viel zu wenige hatte, entscheidend ab. Hinzu kommt, dass George mit Helen Mirren und Fionnula Flanagen über zwei herrvoragende Schauspielerinen verfügt, deren Figuren die Zerrissenheit im nordirischen Volk, zwischen der Sehnsucht nach Frieden und dem Verlangen nach Gerechtigkeit widerspiegeln.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Some Mother's Son (1996)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:4 (von 5)
 
Regie:George, Terry
Drehbuch:George, Terry
Sheridan, Jim (I)
Produktion:Burke, Edward
Lappin, Arthur
Mirren, Helen
Sheridan, Jim (I)
Koproduktion:Farrelly, Patrick (I)
O'Callaghan, Kate
Ausf. Prod.:Stoneman, Rod
Kamera:Simpson, Geoffrey
Schnitt:McKay, Craig
Musik:Bach, Johann Sebastian
Händel, Georg Friedrich
Whelan, Bill
Ausstattung:Wilson, David (II)
Kostüme:Bergin, Joan
Besetzung:Barry, Alan
Berrills, Gene
Brophy, Anthony
Byrne, Liam
Carlisle, Karen
Cassin, Barry
Delany, Grainne
Fitzgerald, Ciaran
Flanagan, Fionnula
Flynn, Tony
Gibney, Jennifer
Gillen, Aidan
Gordon, Dan (II)
Hewitt, Peter (II)
Hickey, James
Higgins, Fiona
Higgins, John
Hinds, Ciarán
Hogan, Bosco
Hogan, Stephen
Hollander, Tom
Kavanagh, John
Keogh, Doreen
Keogh, Jimmy
Lang, Robert (II)
Lawlor, Sean
Lynch, John (I)
Maguire, Oliver
Mallon, Brian
McAliskey, Deirdre
McDonnell, Tim (I)
McEneany, Mickey
McEneany, Paddy
McSorley, Gerard
Megan, Anna
Mirren, Helen
Mulryan, Pat
Neilson, Richard
O'Donnell, Hugh
O'Donoghue, Ronan
O'Hara, David
O'Leary, Jer
O'Rawe, Geraldine
O'Sullivan, Michael F.
Perry, Kate
Roe, Valerie
Sheehy, Joan
Sherrie, Michael
Taylor, Robert (II)
Whyte, Mal
Woodward, Tim
 
Länge:112 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Castle Rock
Columbia Pictures
Hell's Kitchen
CH Verleih:Monopole Pathé Films


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