Speed 2: Cruise Control (1997)

Keine Frage, ein Film, der 25 Mio. US$ gekostet und mehr als 100 Mio. US$ eingespielt hat, darf nicht allein in der Welt dastehen. Getreu dem Motto «noch ein bisschen grösser» machten sich Jan DeBont und sein Schützling Sandra Bullock zum feucht-fröhlichen Speed-Sequel auf. Nach dem Element Erde ist das Wasser dran.


von Serge Zehnder


Speed, Jan DeBonts Einstieg ins Regiefach, war vor drei Jahren der Überraschungssieger der alljährlichen Mega-Budget-Tombola Hollywoods. Mit einem vergleichsweise niedrigen Etat liessen DeBont und sein Trio Keanu Reeves, Dennis Hopper und eben Mademoiselle Bullock James Camerons True Lies hinter sich und bescherten den «20th Century Fox» einen ansehnlichen Reingewinn. Hat DeBont inzwischen die Blockbuster-Version eines Kachelmann-Reports namens Twister gedreht, zeigt sich der Ex-Kameramann, der unter Richard Donner, Ridley Scott und John McTiernan das Regiehandwerk erlernt hat, gegenüber seinen Gönnern erkenntlich und liefert die unvermeidliche Fortsetzung.


Zuerst wird geschnorchelt ...

Wind, Wetter und ein Wahnsinniger

Und was gibt's Neues von der Story-Front? Nicht viel. Nach dem bewährten Strickmuster erfahren wir, dass Annie (Sandra Bullock) mit ihrem Retter (Keanu Reeves) aus Teil 1 nicht zurecht gekommen ist, da dieser einen etwas gefährlichen Beruf ausübte. Ihr Neuer muss dagegen ein sehr zahmes Lämmchen sein, so dachte die Freizeitchauffeuse auf jeden Fall. Nicht gerade erfreut muss Annie schon nach fünf Film-Minuten feststellen, dass ihr Schwarm Alex (Jason Patric) ebenfalls beim «Selbstmordkommando» tätig ist und keine Zeit verstreichen lässt, sich waghalsig in Szene zu setzen. Ein solches Geheimnis weckt Annies Missmut und kurzerhand zückt Alex die Entschuldigung in Form von zwei Tickets für eine karibische Kreuzfahrt hervor, womit auch alle wieder lieb zueinander sind. Von Steeldrum-Klängen und den werbewirksam eingesetzten UB40 begleitet, bekommen wir ein paar stimmungsvolle Bilder der Bahamas zu sehen. Sind alle Gepäckstücke eingeladen und Kabinen bezogen, weiss man schon längst, wer der böse Bube ist. John Geiger (Willem Dafoe), ehemaliger PC-Fachmann der Schiffsgesellschaft, reisst mit einigen Laptops, Kabeln und Kolben das Schiff in seine Gewalt, um sich sowohl an seinen früheren Arbeitgebern zu rächen, als auch eine wertvolle Schmucksammlung abzustauben. Puh, wenn wir da nicht unsere beiden wackeren Lieblinge zur Seite hätten.


... dann geflogen.

Es kam, wie es kommen musste

Der Kurs dieser Kreuzung zwischen Katastrophen-Film und Tempo-Reisser ist von vornherein klar. Lehnte DeBont anfangs sämtliche Drehbuchvorschläge ab, konzipierte er schliesslich die Story selber und übertrug die geläufige Handlung auf das Wasser, einen Ort, der auch schon für die dritte Die Hard-Fortsetzung als Möglichkeit in Betracht gezogen wurde. So sehr sich DeBont bei seiner Fortsetzung an die Spielregeln des Action-Films gehalten hat, die überlange Einführung der Figuren und die Tatsache, dass Cameron mit seiner Titanic gegen Ende Jahr ähnliche Sequenzen zeigen wird, zeugen von einer Lieblosigkeit, die lediglich durch den wasserdichten Showdown die Gemüter des Action-Fans etwas besänftigen dürfte. War schon Speed in Sachen Charakterzeichnung höchst oberflächlich, verliert Speed 2: Cruise Control noch zusätzlich an Standfestigkeit, da sich DeBont zwar Zeit nimmt, um die Figuren dem Zuschauer näherzubringen, dies aber so einfallslos anpackt, dass man schon fast das Gefühl hat, man höre die Schrauben ächzen. Die Besetzung Jason Patrics anstelle von Keanu Reeves beweist indes die Austauschbarkeit des Heldenparts, während Sandra Bullock bei ihrer Rückkehr als Annie zwar noch den spitzbübischen Witz beibehalten hat, durch die dahinschlendernde Inszenierung die Lachsalven aber unmittelbar nach dem Abschuss verpuffen. Die Abteilung Knallchargen schliesslich wird durch Willem Dafoe erweitert, dessen Bösewicht dieselben Spurenelemente aufweist wie Dennis Hoppers Bombenleger im ersten Teil, aber ohne einen Hauch von Zynismus platt in seinen Untergang rast. Vom amerikanischen Publikum wurde der Film entsprechend lauwarm aufgenommen. Gerade mal 15.2 Millionen US$ nahm das Spektakel am ersten Wochenende ein, und dies bei einer Kostenspirale, die sich um die 100 Mio. US$ Schallgrenze dreht. Bestand das Original noch aus einer Reihe erstklassiger Drehbuchideen, hapert es bei Speed 2 am fesselnden Moment, das der Vorläufer vom ersten bis zur letzten Sekunde durchhielt.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Speed 2: Cruise Control (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Bont, Jan de
Drehbuch:Bont, Jan de
McCormick, Randall
Nathanson, Jeff
Produktion:Bont, Jan de
Perry, Steve (I)
Peyser, Michael
Salloum, Glenn
Ausf. Prod.:Gordon, Mark (II)
Kamera:Green, Jack N.
Schnitt:Cody, Alan
Musik:Mancina, Mark
Ausstattung:Kenney, Bill (I)
Nemec III, Joseph C.
Kostüme:Frogley, Louise
Besetzung:Adair-Rios, Mark
Badger, Jennifer
Barnes, Susan
Beltzman, Mark
Bermeo, Cheryl
Boss, May Raymond
Brockton, Jeff
Broome, Ivory
Bullock, Sandra
Camp, Colleen
Chiles, Lois
Collet, Nancy
Conway, Tim
Coronel, Xavier
D'Angerio, Joe
Dafoe, Willem
Darbo, Patrika
Dean, Allison
Diz, Jessica
Edward, Wilma
Firkins, Christine
Foster, Joe
Guinan, Francis
Hagerty, Michael G.
Herrick, Robert (II)
Hotz, Jeremy
Kriski, Mark
Laborie, Gustavo
Lacopo, Jay
McCardie, Brian
McLaughlin, Cliff
Meyerson, Ben
Montesino, Alex
Morrison, Temuera
Murciano Jr., Enrique
O'Hagan, Michael
Parks, Charles
Patric, Jason
Patton, Tyler
Pinckes, Craig A.
Plummer, Glenn
Pulford, Don
Ray, Connie
Robertson, Kimmy
Robinson, Michael (III)
Rossetter, Kathryn
Siegler, Ben
Speight Jr., Richard
Svenson, Bo
Tamia
Taylor, Matthew
Wagner, P.J.
Watkins, Royale
Wynne, Christopher
de Bont, Alexander
 
Länge:121 Minuten
Ton:SDDS
Prod.-firma:Blue Tulip
20th Century Fox
CH Verleih: 20th Century Fox


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