Sphere (1998)

Bevor Barry Levinsons über alle Massen geniale Low budget-Schnellschuss-Politsatire «Wag The Dog» bei uns Einzug hält, liefert der Regisseur das Big-Budgetprogramm der angeschlagenen «Warner Brothers» ab. Und auch «Sphere» kann die Steilkurve des Studios kaum umdrehen.


von Serge Zehnder


Wie bei «Wag The Dog», ist auch in Sphere Dustin Hoffman mit dabei. Dies ist somit bereits der vierte Film, bei dem sich Hoffman und Levinson als Gespann hervortun. Und ihre Pflichtvorführung dieses Jahr ist in ihrer Grundkonstellation grundehrlich. Vorlage «Michael Crichton» («Jurassic Park») = Bestsellerschöpfer, Levinson = einwandfreier Routinier, Hoffman, Stone und Co. = Stargespicktes in das feuchte Nass eingepackt. Nicht mehr und nicht weniger. Zur allgemeinen Verteidigung ist zu sagen, das dem Projekt eine ziemlich glatte, wenn auch glitschige Oberfläche als Start diente. Sphere, unter anderem als «Crichtons» bestes Buch bezeichnet, sollte, nachdem es die Schaum-und-Gummi-Adaption «Congo» in die oberen Ränge der Box Office schaffte, kein allzu grosses Problem sein, um mit zugkräftigen Berühmtheiten ein ansehnliches Sümmchen Geld einzufahren. Es wollte jedoch nicht so recht gelingen. Die Geschichte um eine Gruppe von Wissenschaftlern, die auf dem Grund des Pazifik ein abgestürztes Raumschiff untersuchen müssen und dabei mit einer Kraft in Kontakt treten, die den Forschern, psychisch wie auch physisch auf den Leib rückt, wurde mit einer leicht konfusen Sorgfalt auf die Leinwand gebracht.

Getane Pflicht und Schuldigkeit

Obwohl dicht an die Handlung des Buches angelehnt, unterlief den Macher ein kleiner, aber äusserst fatalen Fehler. So leitete Crichton jedes seiner Kapitel mit einem Titel ein, der als Spannungsköder eine berechtigte, wenn auch nicht besonders plausible Bedeutung besitzt. Dies auf der Leinwand zu tun, wirkt wie eine Kettenkugel, die den Fluss des Films jeweils zu einem abrupten Abbruch zwingt, weshalb es Sphere definitiv an Tempo mangelt. Dem steht die bekannte und deshalb leicht langweilige Besetzung, die sich jedoch mit ihren Leistungen vorwiegend über Wasser halten kann. Zwangsläufig fällt unter all den Männern Sharon Stone am meisten auf. Die Dame, die in der Zwischenzeit auch schon eine Vier und eine Null auf dem Geburtstagkuchen hatte, ist nicht nur mit schwersten Anzügen bekleidet, sondern beweist in ihrer Rolle als Biochemikerin einiges an Rückgrat. Und auch die männlichen Mitglieder Hoffman,Samuel L. Jackson und Liev Schreiber («Scream») können der eher uninnovativen Geschichte genug abgewinnen, damit der Sci-Fi-Streifen in einer akzeptablen Sphäre bleibt. Fans der betreffenden Schauspieler werden dementsprechend auf ihre Kosten kommen, die Effekt-Freaks erhalten eine Reihe von sauberen Computerkreationen, die von Kameramann Adam Greenberg («Terminator 2») mit viel Durchdachtheit gefilmt wurden. Somit erreichte Levinson ein solides Ziel, das er laut neusten Berichten nochmals umschneiden will. Wie dem auch sei, trotz der Austauschbarkeit von Crichtons Plots, wartet Sphere mit einigen sehr schönen philosophischen Denkanstössen auf. Nichts, worüber ein kundiger Sci-Fi-Denker nicht auch schon nachgedacht hätte. Aber das soll einen angesichts von «Wag The Dog» nicht stören. Wirklich nicht.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Sphere (1998)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Barry Levinson
Drehbuch:Kurt Wimmer
Stephen Hauser
Paul Attanasio
(nach einer Vorlage von Michael Crichton)
Produktion:Patricia Churchill
Michael Crichton
Barry Levinson
Andrew Wald
Ausf. Prod.:Peter Giuliano
Kamera:Adam Greenberg
Schnitt:Stu Linder
Musik:Elliot Goldenthal
Ausstattung:Norman Reynolds
Kostüme:Gloria Gresham
Besetzung:Peter Coyote
Marga Gómez
Dustin Hoffman
Samuel L. Jackson
Queen Latifah
Huey Lewis
Liev Schreiber
Sharon Stone
 
Länge:132 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:
Prod.-firma:Warner Bros.
CH Verleih: Warner Bros.


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