Spiceworld (1997)

Fünf Tage im Leben der Spicegirls mit einer gehörigen Portion britischer Würze. Als Dokument des (Musik-) Zeitgeists der späten 90er Jahre durchaus sehenswert.


von Sandra Walser


Die Beatles machten Filme. Warum also sollte es ihnen die berühmteste Frauenband der Welt nicht gleichtun? Die Rede ist von den Spicegirls, die im Verlauf der letzten vier Jahre mit zwei Alben den Globus im Sturm erobert haben. Sinnigerweise heisst der Film „Spiceworld“. Rechtzeitig zur Tournee lanciert, gibt dieser einen halbdokumentarischen Einblick in das ereignisreiche Leben der fünf Britinnen.



Würzig

Als „Spiceworld“ im Dezember in London seine Weltpremiere erlebte, gingen die Meinungen der Kritiker weit auseinander. Der Film wird auch hierzulande die Gemüter spalten, genau so, wie es die Musik der Spicegirls tut. Als Mix von verschiedenen Genres ist der Film ungewohnt und schwer einzuordnen. Filmtechnisch gesehen hebt sich „Spiceworld“ jedoch in keinster Weise von anderen Produktionen ab. Die Musiksequenzen bewegen sich im üblichen Stil von Konzertvideos, Übergänge von Realem zu Gedachtem werden durch ziemlich altbackene grafische Mittel angedeutet, die Story ist – gelinde gesagt – phantasievoll.

Phantasie

Als Film über den (Musik-) Zeitgeist der späten 90er Jahre ist „Spiceworld“ aber durchaus sehenswert. Er setzt fünf Tage vor dem ersten Auftritt der Spicegirls ein. Der Clou: niemand weiss, ob dieses Konzert auch wirklich stattfinden wird. Da wird ein Kind geboren, (nicht nur) Ausserirdische wollen Autogramme, mit dem Bandmanager (neurotisch: Richard E. Grant) kriselt‘s und die Spicegirls selbst stellen den Preis ihres Erfolgs in Frage. Als Zückerchen mischen in „Spiceworld“ auch mehr oder minder bekannte Persönlichkeiten mit. Ex-Bond Roger Moore agiert als omnipotenter Chef im Hintergrund und Stephen Fry („Wilde“) geistert als seltsamer Richter in den Alpträumen der Spicegirls herum. Rockfossil Meatloaf mimt den unterwürfigen Bandbuschauffeur, Bob Geldof und Elton John verkörpern in Winzigrollen sich selbst.

Ehrlich

„Spiceworld“ macht den Anschein, aus einer Schnapsidee heraus entstanden zu sein. Dass dem tatsächlich so ist, verheimlichen die Spicegirls nicht. Im Gegenteil: Sie sind stolz auf ihre Idee und zelebrieren sie. Emma (Baby Spice), Geri (Ginger Spice), Mel B (Scary Spice), Mel C (Sporty Spice) und Victoria (Posh Spice) ergründen gar selbstironisch die den Fans bekannten Bühnencharakterzüge (in Klammer). Allen voran Victoria, die mit einer Schwangerschaft zu warten gedenkt, „bis Gucci Umstandsmode entwirft“, und sich fragt, warum ihr alle vorwerfen, sie sei einzig auf Designerklamotten fixiert. In diesem Sinne erhebt „Spiceworld“ nie den Anspruch, etwas anderes als Unterhaltung voller Girlpower zu sein. Gerade das macht den Film schliesslich so unerwartet wunderbar. Wer britischen Humor mag, dürfte das Kino mit dem Gefühl verlassen, selten zuvor so herrlich gelacht zu haben.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Spiceworld (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Spiers, Bob
Drehbuch:Fuller, Kim
Saunders, Jennifer
Produktion:Fruchtmann, Uri
Thompson, Barnaby
Besetzung:Addams, Victoria
Brown, Melanie
Bunton, Emma
Chisholm, Melanie
Grant, Richard E.
Haliwell, Geri
Humphries, Barry
Barrymore, Michael
Briers, Richard
Cleese, John
Costello, Elvis
Fry, Stephen
John, Elton
Laurie, Hugh
Meat Loaf
Moore, Roger
Ross, Jonathan (I)
Wilcox, Toyah
 
Länge:93 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: Rialto Film


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