Star Trek: Insurrection (1998)

Frischluft in Star Trek.


von Rafael Scholl


Der Planet eines Volkes namens Ba'ku hat auf seine Bewohner eine sonderbare Wirkung: Sie werden jünger, gesünder, kräftiger. Dieser Umstand ruft die Son'a auf den Plan, ein altes, kränkliches Volk unter der Führung von Adar Ru'afo (F. Murray Abraham), dessen Versuche zur eigenen Verjüngung dazu geführt haben, dass es unfruchtbar wurde ­ die Son'a werden bald sterben, es sei denn, sie können die Wirkung des Planeten der Ba'ku mit technischen Mitteln konzentrieren und für sich selbst in hohen Dosen nutzen. Davon könnten auch andere Völker profitieren, nicht zuletzt die vereinte Föderation der Planeten, zu der auch die Mannschaft des Raumschiffs Enterprise gehört; doch es gibt eine Kehrseite: Der Planet würde durch die Ausschlachtung unbewohnbar. Die Föderation nimmt dies allerdings in Kauf, denn sie will Milliarden helfen, während die Ba'ku nur ein Volk von 600 Individuen sind. Als Captain Picard (Patrick Stewart) davon erfährt, wendet er sich gegen die Son'a und seinen Vorgesetzten Admiral Doughterty (Anthony Zerbe), um der Gerechtigkeit und der Moral Geltung zu verschaffen und die Zwangsumsiedlung der Ba'ku zu verhindern...


Frisch rasiert: Darsteller und Regisseur Jonathan Frakes

Ein Aufstand mit Humor

Weder die Inhaltsangaben noch die Trailer lassen es vermuten: Humor prägt Star Trek Insurrection, den neunten Teil der Star Trek Reihe. Dies hat Drehbuchautor Michael Piller erreicht, ohne die ernste Handlungsgrundlage oder die Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben ­ alle Themen des Films werden gebührend (und doch kurz und bündig) diskutiert, und der Humor fliesst meist aus den Figuren der Geschichte heraus, ohne sich gegen diese zu wenden. Der Film begibt sich zwar gelegentlich an die Grenze zur Albernheit, überschreitet sie aber so gut wie nie.

Das Szenario: klein aber fein

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die ebenfalls die Crew aus der Fernsehserie Star Trek: The Next Generation zeigten, hat sich dieser Film eine kleinere, in gewisser Hinsicht einfachere Handlung ausgesucht: kleiner, weil nicht wie in First Contact die Zukunft der ganzen Föderation bedroht ist, sondern nur eine Minderheit; einfacher, weil wir hier keine der zum Teil komplizierten Zeitreisen und Dimensionswechsel erleben, die in Generations vermutlich den einen oder anderen Zuschauer verwirrten. Vielmehr treiben die Themen von Star Trek Insurrection den Film voran, und sie sind es auch, die den starken Kern der Geschichte bilden. Das Drehbuch gibt allen Beteiligten klare, nachvollziehbare Motive, wobei diese einer gewissen Vielschichtigkeit selten entbehren und durchaus moralische und ethische Zwickmühlen enthalten, die es zu debattieren gälte: Klar ist, dass die Beweggründe der Gegner falsch und verwerflich sind, doch gilt dies auch für ihr Ziel? Sind einzelne Gegner wirklich böse, und wenn ja, weshalb? Der Film erzählt von den Rachsüchtigen, den Rationalisten und auch jenen, die sich nur dem Lauf der Dinge ergeben haben.


Auch Data (Brent Spiner) erforscht das Junge und Kindliche, z.B. die «veränderlichen Funktionsparameter» von Lebewesen im Wachstum.
Es gibt hier nicht die klaren Linien zwischen Gut und Böse, die Star Trek: First Contact von Anfang an ziehen konnte, und doch ist es ein Film, dessen Grundstruktur auch dem zufälligen, nicht sonderlich interessierten Zuschauer einleuchtet. Wir sehen hier zudem Action im grossen Stil und entsprechende Spezialeffekte, die weitgehend gut (und oft sehr geschickt) ein- und umgesetzt sind; dem Finale der eigentlichen Handlung mangelt es vielleicht an jener inhaltlichen Stärke der Grundsituation, doch es ist nichtsdestotrotz ein spannender Augenschmaus für alle Kinogänger. Nicht minder attraktiv sind die vielen Aussenaufnahmen, die diesen Trek an die frische Höhenluft bringen.

Schönheitschirurgen, horchet auf!

Star Trek Insurrection erzählt auf humorvolle Weise eine durchdachte Geschichte und erstellt nebenbei eine thematische Parallele zu unserer Gesellschaft, die allzu oft von Jugend und Schönheit besessen ist. Der Film ist vielleicht nicht perfekt und trifft nicht immer genau den richtigen Ton, doch er bietet gewiss vieles, sowohl dem Star Trek Fan als auch dem Uneingeweihten.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Star Trek: Insurrection (1998)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Jonathan Frakes
Drehbuch:Michael Piller
Rick Berman
Produktion:Rick Berman
Patrick Stewart
Koproduktion:Peter Lauritson
Michael Piller
Ausf. Prod.:Marty Hornstein
Kamera:Matthew F. Leonetti
Schnitt:Peter E. Berger
Musik:Jerry Goldsmith
Ausstattung:Herman F. Zimmerman
Kostüme:Sanja Milkovic
Besetzung:F. Murray Abraham
LeVar Burton
Lorella Cuccarini
Mark Deakins
Michael Dorn
Jonathan Frakes
Breon Gorman
Max Grodénchik
Gregg Henry
Gates McFadden
Donna Murphy
Marina Sirtis
Brent Spiner
Patrick Stewart
Michael Welch
Anthony Zerbe
 
Länge:103 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Paramount Pictures
CH Verleih: United International Pictures


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