Stefanies Geschenk

Als Mathieu Seiler das Drehbuch zu seinem Erstlingswerk auf 35mm (B/W) in Fast-Spielfilmlänge schrieb, war er mit 19 Länzen selbst noch beinahe in der Pubertät. Dementsprechend überzeugend wirkt sein Versuch, mit "Stefanies Geschenk" die Kämpfe vor Heranwachsenden zu schildern; Kämpfe, die "meistens als Niederlagen enden" (Mathieu Seiler) und die Erwachsene nur selten überhaupt wahrnehmen.



"Leckt mich!"

Die 12-jährige Stefanie (Soraya Da Mota) kommt mit ihren Eltern und der Schule nicht zurecht. Um den so sinnentleerten Alltag herum, baut sie sich eine Phantasiewelt, die immer fliessender mit der Realität einher geht und es den Zuschauenden bald schon Verunmöglicht, die beiden Welten voneinander zu trennen: Während Stefanie in Tagträumen ihre Eltern mit einem Morgenstern erschlägt, geht sie mehr oder weniger regelmässig zur Schule und trifft auf dem Weg die verschiedensten und seltsamsten Menschen. Ist das wieder ein Traum oder die Wirklichkeit?

Da ist Marc, ein jugendlicher Krimineller, mit dem Stefanie die körperliche Liebe kennenlernt. Oder zwei (Traum?)gestalten, die einst in der Wohnung unter der von Stefanies Eltern wohnten. Ihnen soll sie ein Paket übergeben, ein Paket mit markaberem Inhalt. Immer mehr bewegt sich Stefanie nur noch in dieser skurilen Umgebung, wählt schliesslich einen ebenso seltsamen wie für die Eltern "überraschenden" Freitod. Oder ist alles doch bloss eine Phantasie?



Kino made in Zürich

"Stefanies Geschenk" wurde in Zürich gedreht, die Schlüsselpositionen dieser Produktion waren durchwegs von jungen Erwachsenen belegt. Regisseur, Produzent und teilweise auch der Kameramann brachten sich ihre Filmkenntnisse selbst bei, ein Umstand, der sich keineswegs als Nachteil manifestiert. Für die Besetzung konnten vor allem in Theaterkreisen so bekannte Namen wie Werner Düggelin, Norbert Schwientek oder Paul Lohr gewonnen werden und auch Soraya Da Mota vermag die Hauptrolle weitgehend auszufüllen.

Matthieu Seilers 35mm-Erstling macht Appetit auf mehr. Wenn der Film stellenweise auch ein wenig holprig daherkommt (und damit ist nicht die durch Stéphane Kuthy sehr gut geführte Kamera gemeint) macht sich beim Zuschauen dennoch ein wohliges Gefühl in der Magengegend breit. Seiler setzt ein interessantes Spannungsfeld in markante und teilweise packende Bilder um - und es sind die Bilder, die oft traumartigen Perspektiven und Kamerafahrten, die letzlich den Reiz des Filmes ausmachen. Er wird dabei von allen beteiligten Personen unterstützt, die Hingabe sprüht förmlich von der Leinwand und aus den Lautsprechern.

Bleibt zu hoffen, dass von jungen Talenten wie Seiler und Co. auch in Zukunft Lichtspiele produziert werden können und dadurch noch mehr Bewegung in die Schweizer Filmszene kommen wird.

Sven Schwyn


Angaben zum Film

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