Stepmom (1998)

«Wenn Susan Sarandon will, dass man weint, dann weint man - wenn Julia Roberts will, dass man lächelt, dann lächelt man»(Philip Wuntch)


von George Kupferschmid


Betrachtet man das Werk von Chris Columbus (Regisseur von «Mrs. Doubtfire» und «Home Alone») ganz nüchtern und objektiv, mag einem die dargebotene Geschichte etwas zu wenig Fleisch am Knochen haben und zu durchsetzt mit Klischees vorkommen. Das führt unweigerlich dazu, dass man sich zwei Stunden lang langweilt und über jede erheiternde Szene dankbar ist. Oder man geniesst ganz einfach die schauspielerischen Glanzvorstellungen der Hauptdarsteller. Erwartet man aber gar nicht soviel, sondern lässt sich vom abwechslungsreichen Wechselbad von Freud und Leid, von Hass und Liebe treiben und versucht sich in die Lage der Beteiligten zu versetzen, wird man wahrlich selbst auf eine harte Probe gestellt. Denn es wird nicht jedermanns Sache sein, sich über längere Szenen hinweg gegen die ständige Bombardierung der Tränendrüse behaupten zu können. Es ist darum wärmstens zu empfehlen, sich schon vor dem Kinobesuch mit ausreichend Tempo-Taschentüchern einzudecken.


Die alleinerziehende Vollzeitmutter «Jackie»

Ganz alltägliche Familienverhältnisse

Isabel (Julia Roberts) ist eine erfolgreiche Mode-Fotografin in Manhattan, die gewohnt ist, schneidige Entscheidungen zu fällen, und ihre Wünsche erfüllt zu haben. Sie erhofft sich einen Heiratsantrag vom erfolgreichen Rechtsanwalt Luke (Ed Harris), der ein geschiedener Vater und vernarrt in seine beiden Kinder ist. Jackie (Susan Sarandon) ist Lukes Ex-Frau, eine ehemalige Buchherausgeberin, die ihren Beruf zugunsten der Mutterschaft aufgegeben hat. Sie lebt sehr komfortabel in einem ausgedehnten New Yorker Vorort. Auch sie liebt ihren Sohn und ihre Tochter über alles und hat es niemals bereut, dass sie die beiden zu ihrer Hauptpriorität gemacht hat. Darum ist sie auch nicht im geringsten gewillt, Ben (Liam Aiken) und Anna (Jena Malone) der unerfahrenen, karrieregeilen Isabel zu übergeben. Diese versucht zwar so gut es geht, «Mutter» zu sein, was aber überhaupt nicht ihren persönlichen und beruflichen Gewohnheiten entspricht. Und Jackie? Die scheint die geborene Übermutter zu sein und gibt sich nicht die geringst Blösse. Dabei lässt sie Isabel immer wieder spüren, was sie von Karrierefrauen hält, die sich Familienväter schnappen. Als die Emotionen zu überborden drohen, übernimmt schliesslich das Schicksal die Regie.


Geständnis

Ehrfahrenes Ensemble

Das Drehbuch ist sorgfältig ausbalanciert und vor allem auf die Präsentation der Perspektiven der beiden Frauen ausgerichtet. Doch der emotionale Rhythmus des Films ist schnell vorhersehbar, da sich die positiven wie negativen Szenen der beiden Frauen andauernd folgen.
Regisseur Chris Columbus («Mrs. Doubfire, »Home Alone") versteht es, seine Darsteller alle richtigen gefühlsgeladenen Knöpfe drücken zu lassen und erzielt die dabei von ihm erhoffte Wirkung beim Kinopublikum. Die zweite Hälfte des Films handelt mehrheitlich von der lebensbedrohenden Krise, welche die anfänglichen Ansichten der Frauen veraltet aussehen lässt. Der Tod als der grosse Aussöhner - doch in diesem Film verläuft die Aussöhnung zu sehr wie nach dem Schnürchen und zu abrupt.
Susan Sarandon und Julia Roberts sind zwei Schauspielerinnen mit magnetischer Anziehungskraft. Beide überzeugen mit ihren Fähigkeiten, ernste Rollen zu übernehmen. Ed Harris spielt die Rolle des geradlinigen Mannes mit ziemlicher Autorität. Jena Malone ist unglaublich talentiert und spielt so echt, dass sie manchen älteren Berufskollegen etwas vormachen kann. Liam Aiken als Sohn Ben, der von Zauberern fasziniert ist, legte einen frühreifen Charm zutage, der in keiner Art und Weise ermüdend wirkt.
Stepmom weiss genau, wo er bei den Realitäten und Fantasien der meisten modernen Frauen anzuknüpfen hat. Auch Jungs können dabei mit Lachen und Sniffen ihre Empfindsamkeit trainieren, ohne das ihnen gleich eine Zacke aus der Krone fällt.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Stepmom (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Chris Columbus
Drehbuch:Gigi Levangie

Ronald Bass

Elizabeth Chandler

Jessie Nelson

Steven Rogers (II)

Karen Leigh Hopkins
Produktion:Wendy Finerman

Julia Roberts

Susan Sarandon
Schnitt:Neil Travis
Musik:John Williams (II)
Ausstattung:Stuart Wurtzel
Besetzung:Liam Aiken

Ed Harris

Jena Malone

Jason Maves

Julia Roberts

Susan Sarandon
 
Länge:124 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:TriStar Pictures 1492 Pictures Shoelace Productions
CH Verleih: 20th Century Fox


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