Swimming with Sharks

Das Hollywood hinter den Kulissen.



Dass bestimmte Filme relativiert werden, ist ein äusserst seltenes Phänomen, und es vollzieht sich meistens nur im Auge des Betrachters. Der von allen Seiten mit Lob und Preisen überschüttete Film The Player von Robert Altman musste angesichts der Existenz von Swimming with Sharks (The Buddy Factor) über die Klinge springen. George Huangs Debüt rückt Altmans Satire nicht nur in ein anderes Licht, er setzt sie glatt eine Stufe zurück.


Back stabbing, ruthless, two faced, revenge

Diese vier Begriffe finden sich auf dem Poster von Swimming with Sharks, ein Film, der zwar nichts mit Steven Spielbergs Hai-Kassenschlager gemein hat, was aber die Qualität anbelangt, kein einziges Detail missen lässt.

Guy (Frank Whaley) fährt an einem strahlenden Morgen in L.A. an seinen neuen Arbeitsplatz. Ihm wurde der Sekretärsposten in einem renommierten Hollywood-Studio zugesprochen. Ein Sammelsurium von Erinnerungen, die mit dem Kino in Verbindung stehen, verleiteten den jungen College-Absolventen dazu, es selbst einmal mit dem Erschaffen von Träumen zu versuchen. Der Hort dieser Fabrikationen wird von Buddy Ackerman (unblaublich genial: Kevin Spacey) geleitet, einem tyrannischen Studio-Executive, dessen Hang zum Sadismus oft allzu farbige Blüten treibt. Und "Young-Guy", zuerst erschrocken, später abgehärtet, wird unter Buddys Einfluss zum kaltschnäuzigen, aber stets untergebenen Schosshund. Hätte der "Möchtegern-Aufsteiger" nicht etwas weibliche Hilfe von der bereits desillusionierten Dawn (Michelle Forbes) in petto, würde er wohl komplett unter Buddys Fuchtel versauern. Doch Hollywood trägt keine Sorge zu Liebschaften oder Gefühlen. Buddy drängt Guy an seine Grenzen, bis dieser nur noch das letzte Wort des obenstehenden Zwischentitels vor Augen hat.


Etwas Geld, ein ausgeklügeltes Drehbuch und Kevin Spacey

John Doe, der notorische Serienmörder aus David Fincher's Seven, wird wohl den meisten Zuschauern noch im Gedächtnis sein. Er wurde von Kevin Spacey dargestellt. So gesehen ist es wohl unnötig, ein weiteres Mal auf die Qualitäten dieses Schauspielers einzugehen. Swimming with Sharks ist genaugenommen nur die Summierung seiner Filmearbeiten und unterstreicht Spaceys bisherige Leistungen. Gerechterweise muss gesagt sein, dass Swimming with Sharks Spacey's Film ist (er hat ihn auch co-produziert). Von Zurückhaltung kann also nicht die Rede sein. War Tim Robbins als Griffin Mill in The Player ein Mosaik aus subtilen Schmierigkeiten, so nutzt Buddy Ackermann jede Chance für eine öffentliche Erniedrigung. Verständlich, dass Frank Whaley und Michelle Forbes sich einer solchen Glanzleistung unterordnen müssen. Die latente Gefahr, dass das Drama zu einer "One-man-Show" verkommen könnte, besteht jedoch nie. Huang hat die Figuren zu sehr miteinander verknüpft, als dass eine einzelne Person sich den Film zu eigen machen könnte.


Geld und andere Unwichtigkeiten

Wenig Geld, aber viele Ideen. George Huang hatte beides. Denn das für Hollywood-Verhältnisse lapidare Budget von 900'000 Dollar wird durch das Potential eines lupenreinen Drehbuch und hervorragender Schauspieler verdoppelt. Ein zusätzliches As spielt der Regisseur mit Tom Hiels simpler, aber eindringlicher Musik aus. Ohne Orchester, ohne Synthesizer, aber mit der Verve einer Chopinschen-Etüde fährt der Komponist über seine Klaviertasten. Unter diesen Vorzeichen ist es schwer (oder nicht schwer) zu begreifen, weshalb es für Swimming with Sharks fast 1½ Jahre bedufte, bis er in unseren Kinos eintraf. Wenigstens ist er endlich hier. Der Titel, im Original The Buddy Factor, ist in der Zwischenzeit verändert worden, das filmische Juwel glänzt aber noch immer.

Serge Zehnder


Angaben zum Film

Titel:Swimming with Sharks (The Buddy Factor)
Genre:Thriller
Bewertung:****½
Länge:n/a
Regie:George Huang
Drehbuch:George Huang
Produktion:Steve Alexander, Joanne Moore
Kamera:Steven Fienstone
Musik:Tom Hiel
Besetzung:Kevin Spacey (The Usual Suspects, Seven, A Time to Kill)
Frank Whaley (The Doors, Born on the 4th of July)
Michelle Forbes (Kalifornia, Escape from L.A., ST:TNG)
Benicion del Toro (The Fan, The Usual Suspects)
Verleih:CineTell


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