Swingers (1996)

Loszulassen ist manchmal gar nicht so einfach. Wie ein Saugnapf klebt man an der Vergangenheit. Besonders wenn die Liebe im Spiel ist, hat die Zukunft meist nichts mehr zu bestellen. Doug Liman und John Favreau, Regisseur und Drehbuchautor von Swingers, verbinden die Sehnsucht nach Romantik mit den Ambitionen einer Gruppe Jungschauspieler.


von Serge Zehnder


Die Strasse der grossen Träume ist so etwas wie die Bannmeile für gescheiterte Existenzen. Alles, was sich in Los Angeles nicht mit dem Filmbusiness in Einklang bringen konnte, findet sich auf dem Hollywood-Boulevard wieder. So dramatisch und abgerackert geht es in Swingers nicht zu und her. Eher lustvoll und ironisch beobachtet der Film ein selbsternanntes «Rat-Pack», das unter der kundigen Leitung Trents (Vince Vaughn) Parties und Partyhäschen hinterhersteigt. Wetten um Telefonnummern, Streitereien wer nun in der Filmgeschichte von wem geklaut hat, alles womit man sich die Wartezeit bis zum grossen Erfolg versüssen kann. Für Mike (John Favreau) gibt es auf dieser Achterbahn von Abendamüsements nur seine Ostküsten-Flamme Michelle, deren Anruf er seit einem halben Jahr sehnlichst erwartet. Begeben sich seine Freunde in ihrer Manie geistig dem Film hin, lebt Mike in seiner eigenen Welt von Selbstzerfleischung und verlorenem Lebenswillen. Und selbst die Lichter der Grosstadt und der Gedanke, dass hier die grosse Karriere lauert, können den deprimierten Akteur nicht von seinem Weltschmerz erlösen.


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Man kennt sich aus in der Filmwelt. Erstlingsregisseur Liman und Hauptdarsteller-Drehbuchautor Favreau haben bei ihrem Debüt Swingers absichtlich einen Grossteil ihrer Filmkenntnisse auf die Leinwand übertragen. Die Querverweise finden sich aber nur am Rande wieder, im Vordergrund steht eine Ansammlung von hoffnungsvollen und durchgestylten Mittzwanzigern, die als Schauspieler gross herauskommen wollen. Durch Bars tingelnd und das andere Geschlecht inspizierend, bleibt man am Ende mit der Gewissheit zurück, dass einem in der Stadt der Illusionen nur die Wahrheit über die Krise hinweghelfen kann.


Alleine mit dem anderen Geschlecht.

«You talking to me?»

Ehrlich währt am längsten ­ und macht nicht unbedingt reich. So gibt sich Liman nicht ambitiös und verschwenderisch, sondern hält sich (gezwungenermassen) an die Regeln eines unabhängigen Erstlingswerks, indem er mit wenigen Mitteln eine grosse Wirkung erzielen musste. Und deshalb wird, ohne sich auf kostspielige Mätzchen einzulassen, wieder einmal geredet. Wie die Adaption eines nichtexistierenden Theaterstücks gibt sich Swingers witzig, durchgehend melancholisch und auf seine eigene Art echt, sofern man dies bei einem in L.A. gedrehten Film behaupten kann. Hinzu kommt diese kleine Schar von neuen Gesichtern, deren Können unter anderem auch schon von Steven Spielberg entdeckt wurde. Vince Vaughn angelte sich mit seiner Leistung einen Part in Jurassic Park: The Lost World und wenn das Rad des Glücks (verdientermassen) auf der Seite der swingenden Beginner ist, war das nicht der letzte Tanz für Liman & Co. auf dem harten Parkett Hollywoods.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Swingers (1996)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Liman, Doug
Drehbuch:Favreau, Jon
Produktion:LaLoggia, Nicole
Ludwig, Avram
Schlei, Bradford L.
Simpkins, Victor
Koproduktion:Favreau, Jon
Ausf. Prod.:Woods, Cary
Kamera:Liman, Doug
Schnitt:Mirrione, Stephen
Musik:Reinhardt, Justin
Ausstattung:Halvorson, Brad
Kostüme:Tyrrell, Genevieve
Besetzung:Corman, Maddie
Desert, Alex
Dykstra, Jan
Favreau, Joan
Favreau, Jon
Graham, Heather (I)
Hackford, Rio
Ittelson, Stephanie
Kelly, Kevin James
Kendall, Katherine
Langton, Brooke
Lindsley, Blake
Livingston, Ron
Martin, Deena
Van Horn, Patrick
Vaughn, Vernon
Vaughn, Vince
 
Länge:96 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Prod.-firma:The Alfred Shay Company, Inc.
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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