TGV (1998)

Eine chaotische, abenteuerliche Busreise von Dakar nach Guinea mit unerwarteten Hindernissen


von Richard Schneider


«Der französische Superzug TGV würde nie und nimmer in Afrika so schnell ans Ziel kommen wie der poppig bemalte Bus gleichen Namens» - behauptet sein Fahrer Rambo (Makéna Diop). Wieder einmal fliehen Einwohner einer ganzen afrikanischen Region vor Rebellen. Kurz vor der Abfahrt aus Dakar in Senegal rät das Militär Rambo, von seiner Linienfahrt nach Conakry in Guinea abzusehen, seine Route sei unsicher. «Alle (anderen) Wege führen nach Conakry» behauptet Rambo und ist fest entschlossen, seine Passagiere ans Ziel zu befördern. Es sind nicht mehr viele geblieben im ursprünglich überfüllten TGV. Die Reise beginnt ...

Nicht nur die skurrile Zusammenstellung der Fahrgäste erzeugt eine geheimnisvolle, unheimliche Stimmung. Zwei Schamanen, ein guter und ein böser, sorgen für fragwürdige Situationen, ein Bräutigam mit einer ganzen Menge Schafe als «Zahlungsmittel» auf dem Schwerlastdachträger des Busses eilt zur Hochzeit, ein Paar schwarzer Schönheiten, ein Geheimnisvoller mit bösem Blick, ein gejagter Dealer und ein gescheiterter Finanzminister mit seiner Frau, die auf der Flucht sind. Und es stossen noch weitere spezielle Typen dazu.

Gleichzeitig präsentiert uns der in Senegal geborene Regisseur und Drehbuchautor Moussa Touré ohne bewährte Safarieffekte ein exotisches Afrika besonderer Art. Die Reise durch eine faszinierende Landschaft in dem schaukelndem «TGV» erlebt man mit einem starken Gefühl, dabei zu sein. Irgendwo tief in Afrika, in einem Kaff, tritt auf dem Gemüsemarkt eine afrikanische Rockgruppe mit elektrischen Gitarren und brummenden Mikros auf; der Filmemacher wollte den Zuschauern eben etwas anderes als naive, schlafend auf Touristen wartende, folkloristische afrikanische Stämme bieten.

Es ist der zweite Spielfilm des Filmemachers Moussa Touré, der früher als Elektriker und Beleuchter bei verschiedenen Filmprojekten dabei war. Die Besonderheit, Filme «anders» darzustellen, hat er z.B. bei «Adèle H.» von François Truffaut, «Coup de torchon» von Bertrand Tavernier oder «Camp de Thiaroye» von Sembène Ousmane miterlebt. Im Jahre 1987 wechselte er hinter die Kamera und schuf als erstes einen Kurzfilm. Der danach folgende Spielfilm «Toubab Bi» wurde mehrmals ausgezeichnet. Mit «TGV» ist es ihm wieder gelungen, den Zuschauern etwas Besonderes zu bieten.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:TGV (1998)
Land:Frankreich
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Moussa Touré
Drehbuch:Alain Choquart Moussa Touré
Produktion:Jean-François Lepetit
Kamera:Alain Choquart
Schnitt:Josie Miljevic
Musik:Wasis Diop
Besetzung:Makéna Diop (Rambo)
Bernard Giraudeau (Roger)
Philippine Leroy-Beaulieu (Sylvia)
Al Hamdou Traore (Demba)
Joséphine M'Boup (Salambaré)
Joséphine Zambo (Seynabou)
 
Länge:90 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Flach Films France
CH Verleih: Trigon Film


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