Tango Lesson, The (1997)

Selbstdarstellung vielleicht, Selbstanalyse schon eher. Sally Potter ist sich über ihr Leben genauso im Klaren, wie sie es beim Regie führen ist. Somit ist ihr neustes Werk The Tango Lesson ein autobiographisches Zeugnis ihrer filmischen Arbeit, wie auch eine Studie über die künstlerische Mannigfaltigkeit, die in ihr brodelt.


von Serge Zehnder


Der Erfolg holt einen irgendwann ein. Jetzt wartet die Welt auf ein Nachfolgewerk. Die Regisseurin Sally (Sally Potter) sitzt, nachdem ihr letzter Film ein Hit war, in ihrer hölzernen Pariser Wohnung, wo sie verzweifelt versucht, ein neues Drehbuch zu schreiben. Aufstehen, umhergehen, Bleistift spitzen, nichts hilft, um die kreativen Säfte fliessen zu lassen. Um auch nur annähernd einen Anhaltspunkt für ihr Buch zu finden, welches von mysteriösen Mordfälle in der Modebranche handelt, begibt sich Sally auf Motiv- und Inspirationssuche durch die Strassen der Seine-Stadt und endet dabei in einer Tangoshow, wo der elegante Pablo (Pablo Veron) sein Können zum Besten gibt. Sofort davon fasziniert, will Sally mehr über diese Vereinigung von Eleganz, Grazie, Energie und Kontrolle erfahren. Nach einigem Zögern willigt Pablo ein, dieser schon etwas älteren Frau die Grundschritte eines Lebensgefühls beizubringen. Kein leichtes Unterfangen, zumal Pablo Sally für seine eigenen Zwecke nutzen will, um im Filmgeschäft einzusteigen. Das Abhängigkeitsverhältnis entwickelt sich zu einer Liebe, wodurch der Argentinier und die Britin ihre Qualitäten kombinieren, aber zu wenig Vertrauen einander schenken, um eine fruchtvolle Partnerschaft aufblühen zu lassen.



BILDER VON BEWEGUNG UND BEWEGTE BILDER

Die Frau hat wirklich Mut. Es werden keine Eingeständnisse an den kommerziellen Film gemacht, Gespräche darüber werden aber in den Film eingebaut. Sie mag nicht schön sein, sie hat einen viel jüngeren Partner, aber die Liebe zum Tanz und zu ihm funktioniert. Sie musste das Geld, wie man an den vielen Geldquellen im Vorspann erkennen kann, mühevoll zusammenkratzen. Es ist ein Film über sie und ein Film über den Tango, sie beherrschte den Tanz nicht und musste ihn lernen. Es ist ein Blick in die eigene Seele und letztlich und endlich auch ein Film im Film.



Ja, Sally Potter hat wirklich Mut. In einem Dutzend Kapiteln folgen wir, begleitet von Robby Müllers («Breaking the Waves») gestochenen Schwarzweiss-Bildern, einer Frau mittleren Alters, die offensichtlich lange warten musste, um erfolgreich zu werden, nur um die Erwartungen der Produzenten und des Publikums zu ignorieren, und das Leben nach dem Durchbruch zu zeigen. Keine Frage, «The Tango Lesson» ist alles, was heutzutage im Kino unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft, und dem Unkommerziellen zum Trotz ist Sally Potter nach «Orlando» ein vielschichtiges und leicht fiktives Selbstporträt gelungen, das die Freude am Tango wie auch die Leidenschaft des Filmemachens zelebriert.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Tango Lesson, The (1997)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Potter, Sally
Drehbuch:Potter, Sally
Produktion:Benzakein, Simona
Kramer, Oscar
Sheppard, Christopher
Kamera:Mueller, Robby
Musik:Frith, Fred
Potter, Sally
Besetzung:Potter, Sally
Veron, Pablo
Iotta, Carolina
 
Länge:102 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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