Terza luna, La (1997)

Ein lieber Italiener rettet mit Hilfe eines weisen Alten eine junge (ergo hilfslose) Frau vor dem bösen Russen. Nichts Neues.


von Sandra Walser


Seufzerbrücke, Markusplatz, ein paar aufgeschreckte Tauben. Noch ruht das Wasser in den Kanälen, Venedig erwacht. Nach wenigen Minuten scheint klar zu sein: Was da auf Celluloid gebannt wurde, ist philosophisch, spannend und ironisch zugleich. Ein Film, der auf mehreren Geistesebenen abläuft. Ein Film, der sich bewusst auf die Kraft der Bilder verlässt.

Doch kaum hat die Geschichte ihren Lauf genommen, demontiert sich La Terza Luna mit inszenierten Peinlichkeiten selbst. Bald hat man den Plot durchschaut, denn zu altbekannt aufgebaut kommt der Film daher, zu offensichtlich werden Ereignisse angekündigt. Nichts mehr vermag ernsthaft zu interessieren ­ geschweige denn zu überraschen.


Dialog am Kanal

3 zu 1

Filmischer Ausgangspunkt ist die unterschiedliche Liebe dreier Männer zu einer Frau, der jungen Malerin Giulia (Alessandra Acciai). Diese lebt in einer schwierigen Beziehung mit dem verlogenen Russen Sacha (Alexandre Medvedev), der ihre Fähigkeit, alte Meister zu kopieren, schamlos ausnutzt. Der Architekt Luca (Roberto Citran) hingegen liebt die Frau tatsächlich. Der Schriftsteller Elio (Omero Antonutti) ist ­ das weiss jedoch nur er selbst ­ Giulias Vater. Und der Tochter soll es gut gehen im Leben: So verhilft er, als omnipotenter Manipulator, Giulia zu ihrem wahren Glück ­ mit Luca. Das Liebespaar umarmt und küsst sich schliesslich nach langen achtzig Minuten am Kanalufer, über ihm der Mond. Derweil richtet der eifersüchtige Sacha fest entschlossen seinen Revolver auf die glücklichen Liebenden.

Klischeehaft

Fragwürdig und peinlich ist schliesslich der überstilisierte Weg zum Happy End: Urplötzlich tritt langsam die Hand des Übervaters Elio ins Bild, die die Waffe ­ ohne grossen Kraftaufwand ­ zu senken vermag. Sie drückt dem Russen als Trostpflaster einen originalen Chagall in die Hand, somit ist das Problem gelöst.

Nochmals: Der liebe Italiener, der mit Hilfe eines weisen Alten eine junge (ergo hilflose) Frau vor dem bösen Russen rettet. Stereotypen, ganz tief aus der Klischeekiste gegriffen. Ein paar schöne Bilder von Venedig machen eben noch lange keinen guten Film aus. Die kann man sich nämlich auch auf Postkarten ansehen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Terza luna, La (1997)
Land:Italien
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Bellinelli, Matteo
Besetzung:Acciai, Alessandra
Medvedev, Alexandre
Citran, Roberto
 


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