They Teach Us How to Be Happy

Glockengebimmel, ein sonniger Tag auf dem Land. Wir können das Gras fast riechen. Ein junger kräftiger Schweizer beim Hornussen: Er holt zum Schlag aus...



Die Bäume sind ohne Laub, auf dem Trottoir eine vierköpfige Familie, sie tragen Koffer und Rucksäcke. Plötzlich greift sich die Mutter an den Rücken. Die Wege des Schweizers und der Familie werden sich bald kreuzen.


«Können Sie uns einige christliche Feiertage nennen, wann ist z.B. Weihnachten?»

Nabil A. schaut die Beamtin ein wenig verblüfft an und liefert dann geduldig die gewünschte Antwort. Es ist eine von mehreren Befragungen, der er und andere Asylsuchende während einer zwei Jahre dauernden Odyssee durch Ämter und Flüchtlingslagern unterzogen werden. Zwei Jahre, verkürzt auf kinogerechte 2 1/4 Stunden (keine Minute zu lang), in Peter von Guntens eindrücklichem Dokumentarfilm They Teach Us How to Be Happy. Nabil A., seine und befreundete Familien sind Christen aus dem Sudan. Das fundamentalistische Terrorregime duldet nur den Islam, die Familien müssen flüchten. Sie kommen in die Schweiz, ein Land, "das die Menschenrechte respektiert."(Nabil A.) Sie stossen nicht auf eine Mauer der Ablehnung, aber willkommen heisst man sie auch nicht gerade. Die Asylsuchenden sind mit einem Dilemma konfrontiert: Während des Verfahrens reduziert man sie auf eine Nummer, bis schliesslich nach quälend langem Warten ein positiver oder (meistens) negativer Entscheid gefällt wird. Und trotzdem wird von den Flüchtlingen Dankbarkeit erwartet: "Ich darf nicht mehr 'nein' sagen", meint Nabil A. einmal.


«Ich glaube, wir müssen das wagen»

Mit diesen Worten erteilte der damalige Direktor des BFF (Bundesamt für Flüchtlinge), Peter Arbenz, eine umfassende Drehgenehmigung, die es den Filmemachern ermöglichte, Asylsuchende auf ihrem Weg durch den Behördendschungel zu begleiten. Einige Monate später erklärten sich vier sudanesische Familien dazu bereit, im Film mitzuwirken. Eine Frage drängte sich während der Dreharbeiten immer wieder auf: "Werden Flüchtlinge durch einen Film geschützt oder werden sie zusätzlich gefährdet?" (von Gunten) Für das BFF war aber eines klar: Die Filmarbeit würde keinen Einfluss auf ihre Entscheidung haben.


Grosses Kino

Der Flüchtlingshelfer Peter Zuber liefert kluge Analysen zum Thema Rassismus, und uns wird einiges an Informationen geliefert. Doch Peter von Guntens Werk packt das Publikum vor allem auf einer emotionalen Ebene. Im Verlauf des Films werden die Familien zu Sympathieträgern, wir lachen über ihre Witzeleien, stöhnen angesichts der endlosen Befragungen, versuchen, soweit es einem Schweizer Kinopublikum überhaupt möglich ist, ihre Ängste und ihren Schmerz zu teilen und fiebern mit, als endlich das Couvert mit dem Entscheid des BFF eintrifft. "They Teach Us How to Be Happy" ist jedoch alles andere als ein klassisch-sentimentaler Nastüechlifilm, das wäre respektlos. Die Tränen des Publikums bedeuten vielleicht etwas anderes: Ein Medienprodukt hat es endlich geschafft, uns im Innersten zu treffen, die Asylsuchenden als Menschen zu zeigen und sie nicht, wie sonst üblich, als Material für Soundbites benützt.

Thomas Lüthi


Angaben zum Film

Titel:They Teach Us How to Be Happy
Genre:Dokumentation
Bewertung:*****
Länge:135 Minuten
Regie:Peter von Gunten
Drehbuch:Peter von Gunten
Produktion:Cinov Filmproduktion, SF DRS, TSR
Kamera:Peter von Gunten
Musik:Simsimiyya, Abu Simbel Ensemble
Besetzung:vier sudanesische Flüchtlingsfamilien
Verleih:Filmcooperative


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