Tin Cup

Ein Schläger, ein kleines Bällchen und die Ruhe Gottes auf den Schultern: Golf, die Sportart, deren entfernter Verwandter das Schach ist, erfreut sich in den vergangenen Jahren einer wachsenden Beliebtheit ­ Grund genug, ihm einen weiteren Film zu widmen.



Die Zeiten der elitären Geldsäcke, die ihre Mittagspause mit "Putten" und Siebener Eisen verlängerten, gehören allmählich der Vergangenheit an. Wie bei der Französischen Revolution will auch das gewöhnliche Volk etwas vom gehobenen Feld abhaben und nimmt die "Greens" in Anspruch.


Hobby im Film

Sean Connery gehört zu den leidenschaftlichsten Vertretern des Golfs. In "A good Man in Africa" konnte er sein Hobby während des Drehens ausüben. Dieser Liga gehört auch Kevin Costner an, der ebenfalls mehrere Stunden auf dem Golfplatz verbrachte und jetzt als zurückgezogner Golfer in Ron Sheltons "Tin Cup" die Aristokraten-Keule schwingen darf.

Irgendwo auf einem vertockneten Acker an der Grenze zu Mexiko verweilt Roy "Tin Cup" MacAvoy (Kevin Costner) mit seinen Kumpels. Ein Wohnwagen als Behausung und Romeo Posar (Cheech Marin) als besten Freund sind die einzigen Besitztümer, die Roy nach mehreren verpatzten Chancen noch übrigblieben. Sein Glück scheint sich jedoch drehbuchgerecht zu wenden als eines Tages die attraktive Psychiaterin Molly Griswold (Rene Russo) sich für ein paar Übungsstunden anmeldet. Das "Swinger"-Paar wirkt auf den ersten Blick ideal. Einziges Handicap dabei ist Mollys Freund David Simms (Don Johnson): ehemaliger Golfpartner Roys und bereits festes Mitglied im prestigeträchtigen Sportzirkus. Ein Vorsprung, der uneinholbar zu sein scheint, wäre die Liebe nicht das beste Motiv für ein Comeback. Nach einer offenbarenden Sitzung bei Molly ist für Roy klar: Er will an den US-Open als Sieger ins Klubhaus einmarschieren.


Komödie anstelle von Kritik

Die Treue zum Sportfilm-Genre ist für Ron Shelton eine Tugend. Abgesehen von seinem Drehbuch für den Polit-Thriller Under Fire und der Satire Blaze bewegt sich Shelton vorwiegend zwischen "Bases", Körben und neuerdings Golfplätzen; Orte, deren Schattenseiten er zu beleuchten versucht, und meistens das Geld als Ursachen allen Übel entdeckt. Tin Cup reicht aber nicht so weit. Das Potential liegt hier bei einer durchschnittlichen Komödie, deren Gags flüssig daherkommen und der Sport selbst nur als Aushängeschild dient. Die Professional Golfers Association wird es ihm danken. Wenigstens hat Kevin Costner nach Waterworld wieder festen Rasen unter den Füssen. Im Part des erfolglosen Golfers hat er zwar nicht seine Berufung gefunden, bietet seinen Fans aber eine saubere Runde. Rene Russo und Don Johnson erfüllen die eindimensionalen Rollen nach bestem Gewissen. Dass Russo den Namen von Chevy Chases National Lampoon-Familie trägt, stört weiter nicht, verhält sie sich in Liebesdingen genauso ungeschickt wie Beverly D'Angelo als Mutter Griswold.

Das einzig wirklich Ärgerliche des etwas zu lang geratenen Films ist William Ross' Musik, die sich anhört, als würden Indiana Jones, Lanzelot und Judge Dredd um die Wette golfen; viel Pathos und nicht das geringste Gespür für die Leichtigkeit des runden weissen Dings. Vielleicht wollte der Komponist mit seinem Bombast einen zynischen Aspekt betonen. Ist das die Absicht gewesen, wäre Tin Cup eine Farce. Nur, soweit runtergerutscht sind Shelton und sein Caddie Costner nicht.

Serge Zehnder

Angaben zum Film

Titel:Tin Cup
Genre:Komödie
Bewertung:***. .
Länge:133 Minuten
Regie:Ron Shelton
Drehbuch:John Norville, Ron Shelton
Produktion:Arnon Milchan
Kamera:Russel Boyd
Musik:William Ross
Besetzung:Kevin Costner (Dances with Wolves, Wyatt Earp, Bodyguard)
Rene Russo (Lethal Weapon III, Get Shorty, Outbreak)
Don Johnson (Dead Badge, Born Yesterday, TV: Miami Vice)
Cheech Marin (From Dusk 'till Dawn, Desperado)
Verleih:Warner Bros.

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