Tomorrow Never Dies (1997)

Der neue Bond ist humorvoller, spannender und erotischer als der letzte.


von Martin A. Blatter


Kaum ein Film wird von mehr Marketingrummel begleitet als die Abenteuer des Topagenten ihrer Majestät, der Königin von England. Wie in allen James Bond-Streifen geht es auch bei der neuesten Folge «Tomorrow Never Dies» um einen machthungrigen Bösewicht, in diesem Fall einen Medienzar (Jonathan Pryce), der mit seinen bis in den Tod treuen Handlangern mittels einer geklauten Massenvernichtungswaffe einen Weltkrieg provozieren will. Durch Exklusivstories in seinen Zeitungen und Fernsehkanälen erhofft er sich noch mehr Leser und Zuschauer und damit noch mehr Macht über die Politiker. Unser Smoking-, Luxusuhr- und Auto-Liebhaber James Bond (Pierce Brosnan) wird von der britischen Regierung beauftragt, die Angelegenheit diskret zu regeln. Seine Arbeit führt ihn durch zahlreiche exotische Orte und durch die Betten von verführerischen Frauen zweifelhaften Rufs. Dabei entgeht er oft nur knapp dem Tod, bis er schliesslich in einem Countdown-Finale den Fiesling auf eine fantasievolle Weise ausschaltet und den Super-GAU in letzter Sekunde verhindern kann.



Der neue Bond hat einiges zu bieten

Doch eigentlich interessiert sich niemand für die Details der Story, denn die hat man beim Verlassen des Kinos sowieso bereits wieder vergessen. Was zählt sind die Stunts und Explosionen, die Bond-Girls und Q's Technik-Gadgets. Auf diesem Gebiet hat der neue Bond einiges zu bieten. Eine rasante Verfolgungsjagd in einer Hotelparkgarage mit einem ferngesteuerten Panzer-Auto wird nur noch von einer destruktiven Motorradfahrt durch die Strassen einer südostasiatischen Stadt übertroffen. Unterstützung bekommt Bond diesmal von einer im wahrsten Sinn des Wortes schlagfertigen vietnamesischen Agentin (Michelle Yeoh). Die Hilfe hat er auch bitter nötig, denn auf der Gegenseite hat er es mit einem besonders lästigen Dolph Lundgren-Verschnitt (Götz Otto) zu tun, der sich auf qualvolle Todesarten spezialisiert hat. Bond hat auch endlich seine AIDS-geprägte Monogamie-Phase überwunden und ist zwischen den schweisstreibenden Scharmützeln wieder ganz der alte Playboy.



Der Bösewicht könnte ruhig noch etwas böser sein.

Die Bond-Macher scheinen sich auf die alten Tugenden zurückbesonnen zu haben, nachdem «Goldeneye» ziemlich düster und humorlos geraten ist. Trotzdem ist auch dieses Bond-Abenteuer nicht ohne Schwächen, besonders bei der Regie von Roger Spottiswoode. Dem Film fehlt eine klare stilistische Linie. Er wirkt wie eine Sammlung von groben Versatzstücken ohne inneren Zusammenhalt. Leider hat auch der Oberbösewicht (Jonathan Pryce) nie Gelegenheit, sich richtig bedrohlich in Szene zu setzen. Man hat eher Mitleid mit dem einsam-melancholisch dreinblickenden Medienzar, der inmitten von flimmernden Bildschirmen ziemlich verloren dasteht. Instinktiv sehnt man sich nach einer wirklich furchterregenden Nemesis im Stil des unnachahmlichen Gert Fröbe.



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Angaben zum Film

Titel:Tomorrow Never Dies (1997)
Land:
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Spottiswoode, Roger
Drehbuch:Feirstein, Bruce
Produktion:Broccoli, Barbara
Wilson, Michael G.
Kamera:Elswit, Robert
Musik:Arnold, David (II)
Crow, Sheryl
Ausstattung:Cameron, Allan
Besetzung:Baker, Joe Don
Bond, Samantha
Brosnan, Pierce
Dench, Judi
Hatcher, Teri
Llewelyn, Desmond
Pryce, Jonathan
Yeoh, Michelle
 
Länge:120 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Eon Productions
CH Verleih: United International Pictures


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