Trees Lounge

Das Regiedebüt von Steve Buscemi, eine bittere Komödie, in der er sich selbst als absoluten Loser inszeniert.


von Annette Althaus


Trees Lounge ist die Bar des Kleinstadtkaffes Valley Stream: Ein abgetakeltes Lokal, in dem sich alles trifft und für Tommy (Steve Buscemi) eine Heimat. Hier hängt er rum, seit er seinen Job verloren und sein Ex-Chef Mike (Mark Boone) ihm seine langjährige Freundin Theresa (Elizabeth Bracco) weggeschnappt hat. Hier lässt er sich Drinks spendieren, hat sein grosses Maul offen und versucht ­ ziemlich vergeblich ­ Mädchen aufzureissen. Sein Leben ist einigermassen im Eimer: Er kriegt keinen Job mehr, weil ihm sein Ex-Boss schlechte Referenzen gibt. (Er hatte 1500 Dollar aus der Kasse geliehen, um sie in Atlantic City zu verspielen.) Und von wem das Kind ist, das Theresa bald bekommen wird, verrät sie nicht. Als sein Onkel Al (Seymour Cassel) stirbt, übernimmt er dessen Eiswagen, um sich den Sommer über etwas Geld zu verdienen. Das Geschäft läuft denkbar schlecht, bis ihm die 17-jährige Debbie (Chloe Sevigny), die Nichte Theresas hilft und sich auch noch in ihn verliebt.


Das Teeniegirl Debbie verknallt sich in Tommy.

Fiktive Autobiographie

«Ich versuchte mir vorzustellen, wie mein Leben hätte verlaufen können, wenn ich nicht nach Manhattan gezogen und Schauspieler geworden, sondern in Valley Stream geblieben wäre», sagt Steve Buscemi selbst über seinen Film. Es gibt einige Parallelen zu seinem wirklichen Leben. Ausserdem versammelt er alle seine guten Freunde und Bekannten in der Trees Lounge, alles Namen aus der Independent-Szene, die schon mal mit ihm gespielt haben. Teilweise hat er ihnen die Rollen auch sehr passend auf den Leib geschrieben, am meisten jedoch sich selbst. Tommy ist eine Figur, die plötzlich aus ihren alkoholisierten Tagträumen aufwacht und merkt, dass ihr Leben in die Sackgasse geraten ist; die sich im Leben immer etwas vorgemacht hat und sich auch nie ändern wird. Aber ist gibt noch mehr aussergewöhnliche Typen, die sich in der Trees Lounge versammeln: Der Kriegsveteran Bill, der tagein, tagaus bewegungslos vor seinem Bier sitzt, oder das ewig streitende Ehepaar Jackie und Stan.


Tommy versucht sich als Eisverkäufer.

Amüsant-bitteres Kleinstadtportrait

Trotz seiner vielen Lacher, die der Film, und vor allem Tommy erzeugen, schwingt auch eine sehr ernsthafte Komponente mit. Die Monotonie der Kleinstadt, verpasste Chancen und Leben, die in die falsche Richtung gelaufen sind, werden aufs scharfsinnigste porträtiert. Die Handlung ist eigentlich untergeordnet, im Mittelpunkt stehen die Charaktere, allen voran Tommy. Steve Buscemis Rolle ist denn auch das Gelungenste am ganzen Film. Eine hervorragende Selbstinszenierung, für alle Buscemi-Fans bestimmt ein Leckerbissen, ansonsten amüsant, aber nicht weltbewegend.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Trees Lounge (1996)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:3 (von 5)
 
Regie:Buscemi, Steve
Drehbuch:Buscemi, Steve
Produktion:Forsythe, Kelly
Hanley, Chris
Vogel, Sarah
Wyman, Brad
Ausf. Prod.:Silverman, Julie
Wechsler, Nick
Kamera:Rinzler, Lisa
Schnitt:Williams, Kate (II)
Musik:Lurie, Evan
Ausstattung:Rosenzweig, Steve
Besetzung:Boone Jr., Mark
Bracco, Elizabeth
Buscemi, Michael
Buscemi, Steve
Cassel, Seymour
Sevigny, Chloe
 
Länge:100 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
CH Verleih:Filmcooperative Zürich

QTTrees Lounge Trailer (Quicktime, 1 MB)


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