Les trois frères

Die Sängerin Josette Latour liebte zu Lebzeiten die Männer, Plural, und gebar mehrere Söhne von den "pères inconnus." Diese Söhne treffen sich unvermittelt an der Testamentseröffnung. Ob der Aussicht auf das Erbe von drei Millionen Francs ist der Unglaube an die Verwandtschaft jedoch rasch aus der Welt. Nur kommt es erstens anders und zweitens ...



... ist das Erbe beim zweiten Anwaltstermin verfallen. Und schon stehen zwei der drei wiedergefundenen Brüder knöcheltief in Problemen. Bernard (Bernard Campan) verdient sich seinen Lebensunterhalt mit drittklassigen Pornos und kann sich den vorschnell gekauften Wagen nun nimmermehr leisten. Auch Didier (Didier Bourdon) hat sich zu rasch von seinem bisherigen Leben als Kaufhausschnüffler und nutzniesender Heiratsschwindler verabschiedet. Einzig Pascal (Pascal Légitimus) hat sich eine mehr oder weniger sichere Existenz geschaffen; weniger, wie sich bald herausstellen sollte. Denn auch er hat gegenüber seinem ekelerregenden Chef den Mund etwas zu voll genommen und landet prompt auf der Strasse. Der Pfeil zeigt dreifach nach unten.


Die "corpi delicti" auf einen Blick.

Abwärts!

Zu allem Überfluss stellt sich noch heraus, dass Didier mit einer früheren Flamme, der Stewardess Christine (Marine Jolivet), klein Michael (Antoine Du Merle) gezeugt hat und dieser durch widrige Umstände nun bei den drei Abgestürzten landet. Ein vermeintlicher Beamtenmord zwingt die jetzt Vier zu einer überhasteten Flucht vor den Behörden, die wiederum von der verstörten Mutter als Kidnapping verstanden wird. Auf ihrer "Reise" quer durch Frankreich erleben sie die eine und andere Episode, bis schliesslich ihre Tarnung auffliegt und sie vor dem Richter landen. Zum Schluss wird dann aber doch alles gut, abgesehen von einem winzigen Detail.

Bernard Campan, Didier Bourdon und Pascal Légitimus sind in Frankreich keine Unbekannten, auch wenn ihr Name "Les inconnus" das Gegenteil erahnen lässt. Angefangen mit komischem Theater, Radio- und Fernsehsendungen versuchen sie jetzt die Leinwand zu erobern ­ was ihnen in Frankreich auch auf eindrückliche Weise gelungen ist.
Auf der Flucht.
In Scharen strömten das Volk der Franken in die Kinos und ehrte den Film gar mit dem César für den besten französischen Erstlingsfilm. Ob dieser Erfolg besonders in der deutschen Schweiz anhalten wird, ist allerdings fraglich. In der Vergangenheit taten sich hierzulande Komödien aus Frankreich eher etwas schwer.

Les trois frères lässt auf eine explosive erste Hälfte, in der die oft aberwitzigen Pointen nur so auf das Publikum herabhageln, eine zweite folgen, die leider so ihre Durchhänger hat. Zu oft wiederholt sich dann das immergleiche Schnittmuster. Was aber nicht heissen soll, der Film sei nicht sehenswert. Der erste Teil hat es wie gesagt faustdick hinter den Ohren und rechtfertigt das Eintrittsgeld absolut.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Copyright © 1996 Monopole Pathé Films (Bilder)
Copyright © 1996 CineNet (Text)