True Crime (1999)

Ein zum Tode verurteilter Gefängnisinsasse und ein Reporter, der nicht nur Zweifel an dessen Schuld hat, sondern auch beweisen kann, dass er das ihm vorgeworfene Verbrechen nicht begangen hat, sind die Hauptelemente von Clint Eastwoods neuem Kriminalthriller. Damit ein solcher Film der Realität entspricht, muss nur ein Gebot erfüllt werden: «Keine Stars, kein Happy-End!»


von Thomas Hunziker


Dies ist die bestrebte Forderung der jungen Drehbuchautoren in The Player, doch am Ende ihres Filmes rettet Bruce Willis Julia Roberts aus der Gaskammer. Happy-Ends sind in Hollywood beinahe nicht zu verhindern. Auch True Crime läuft unweigerlich darauf hinaus, und selbst wenn es am Schluss solange hinausgezögert wird wie möglich, so ist das Ende der Geschichte einfach vorauszusagen. Doch sogar die Hinrichtung des Verurteilten könnte diesen Film nicht mehr retten, denn die Realität ging schon am Vorabend der Exekution den Bach hinunter. Dann nämlich begann die Geschichte des am Ende seiner Karriere angelangten, vertrunkenen Reporters Steve Everett (Clint Eastwood) und des unschuldig zum Tode verurteilten Afro-Amerikaners Frank Beachum (Isaiah Washington). Die Schicksale der beiden kreuzen sich als Everetts junge Arbeitskollegin, nach ein paar Drinks mit Everett, auf dem Heimweg tödlich verunfallt. Everett wird mit der Vollendung ihrer Arbeit, dem Interview mit dem Todeskandidaten beauftragt. Sofort spürt Everett (das haben gute Journalisten so an sich, besonders wenn sie aus Hollywood sind), dass der Verurteilte möglicherweise unschuldig ist.


Freunde am Arbeitsplatz I (Eastwood, Woods)

Frau, Kind, Affären und rachesüchtige Vorgesetzte

Neben der Suche nach entlastendem Beweismaterial jongliert Everett nebenbei auch noch sein Privatleben. Da wären nicht nur die vernachlässigte Frau und das Kind, sondern auch ein rachesüchtiger Vorgesetzter (Denis Leary), mit dessen Frau er ein Verhältnis hat, und der inhumane Chef der Zeitung (James Woods), der, aufgrund Everetts vorhergehenden Versagen bei einer ähnlichen Geschichte, nur darauf wartet einen weiteren Grund für Everetts Entlassung zu erhalten. Diese Elemente sollten die Geschichte vielfältiger machen, allerdings haben sie auch den Effekt, dass sie von der Haupthandlung ablenken, was natürlich durchaus gewollt sein könnte. Die Geschichte des unschuldig Verurteilten erweist sich am Ende als zu dünnfadig und mit stereotypen Klischees überfüllt. Diese beginnen mit der Hauptfarbe des Häftlings und reichen bis zur symbollastigen Zeichnung seiner Tochter und dem nervösen mit Vorurteilen belasteten Hauptzeugen Dale Porterhouse (Michael Jeter), dessen Name auf banalste Art sinnestragend ist. Auch die restlichen Handlungsstränge sind mit bereits ausgereizten filmischen Mitteln übersät. Hierbei ist das verwirrendste Element im ganzen Geschehen die zweideutige Darstellung des Gefängnispriester Stillerman (Michael McKean), dessen Handlungen moralisch eindeutig verwerflich sind, der aber in einer Szene in ein «heiliges» Licht gerückt wird.


Freunde am Arbeitsplatz II (Eastwood, Leary)

«The Good, the Bad and the Ugly»

Auch sonst folgt Regisseur Clint Eastwood in jeder nur erdenklichen Weise den gängigen Erzählmechanismen Hollywoods. Eastwood hat mit Midnight in the Garden of Good and Evil (ein interessantes, aber ungewöhnliches Justizdrama) bewiesen, dass er sich in der normalerweise eingrenzenden Umgebung Hollywoods mehr oder weniger frei bewegen kann. Möglicherweise fühlte er sich aber nach dem kommerziellen Misserfolg dieses Filmes dazu verpflichtet, ein konventionelleren Film mit mehr Erfolgschancen an den Kinokassen herzustellen. Schon bei seinem letzten Kriminalthriller Absolute Power bekundete er jedoch einige Probleme mit den Zwängen des Genres, bei True Crime sind die Mängel nun unübersehbar. Die Figuren sind oberflächlich gezeichnet und die Handlung ist nicht nur durchschaubar, sondern erhält auch Elemente, die in Sackgassen enden, und weder die Geschichte vorantreiben, noch eine tiefere Einsicht in die Personen bieten. Selbst der positivste Aspekt des Filmes (die hitzigen Wortgefechte zwischen den drei testosterongeladenen Zeitungsmännern), welcher der Handlung einen nötigen Aufhänger verleihen könnte, ist zuwenig in die Geschichte verankert und verkommt daher zu einer kurzweiligen Zerstreuung. Das «wahre Verbrechen» dieses Filmes ist nicht die Verurteilung eines Unschuldigen, sondern die Herstellung des Filmes selbst.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:True Crime (1999)
Land:USA
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Clint Eastwood
Drehbuch:Andrew Klavan
Larry Gross
Paul Brickman
Stephen Schiff
Produktion:Clint Eastwood
Lili Fini Zanuck
Richard D. Zanuck
Ausf. Prod.:Tom Rooker
Kamera:Jack N. Green
Schnitt:Joel Cox
Musik:Lennie Niehaus
Ausstattung:Henry Bumstead
Besetzung:Graham Beckel
Penny Bae Bridges
Karl Dahlquist
Clint Eastwood
Christine Ebersole
John Finn
Frances Fisher (I)
Lisa Gay Hamilton
Bernard Hill
Michael Jeter
Erik King
Denis Leary
Mary McCormack
Michael McKean
Sydney Poitier
Marissa Ribisi
Laila Robins
Diane Venora
Isaiah Washington
William Windom
James Woods
Anthony Zerbe
Lucy Alexis Liu
 
Länge:127 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Malpaso Productions
The Zanuck Company
CH Verleih: Warner Bros.


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