Twelfth Night: Or What You Will (1996)

Alle paar Monate schneit eine Shakespeare-Verfilmung in die Kinos und nicht immer vermögen diese Adaptionen zu begeistern. Nicht so bei Trevor Nunns neuester Inszenierung der Komödie Twelfth Night, der letzten und wohl beliebtesten des grossen britischen Autors.


von Sven Schwyn - Web


Wer Much Ado about Nothing auf der Leinwand bis heute verpasst hat, bekommt jetzt die Möglichkeit, vom selben Produzententeam Evans/Parfitt eine andere, vielleicht noch quirligere Komödie aus der Feder von William Shakespeare zu sehen. Vorab: Es lohnt sich! Twelfth Night ist alles andere als eine verstaubte oder langweilige Kostümoper, sondern Literatur pur und gleichermassen Unterhaltung pur.


Sie liebt ihn, aber ihn nicht: Helena Bonham Carter.

Am Anfang war der Schiffbruch

Viola (Imogen Stubbs) und Sebastian (Steven Mackintosh) sind Zwillinge, die sich als Schauspieler durchs Leben tingeln. Das Schicksal in Gestalt eines Sturmes zerstört die ansonsten unzertrennlichen Zweisamkeit. Als Schiffbrüchige landet Viola mit ein paar weiteren Überlebenden fernab der Heimat, ohne Bruder, ohne nichts. Um sich halbwegs durchschlagen zu können, verkleidet sie sich als Mann und findet als «Cesario» in den Diensten des Herzoges Orsino (Tony Stephens) Unterschlupf, wird gar bald schon Günstling des Hausherrn.

Dieser weiss die künstlerische Ader «Cesarios» für sich zu nutzen, indem er «ihn» als Liebesboten zu seiner Angebeteten, der Gräfin Olivia (Helena Bonham Carter) sendet. Diese jedoch ist froh um jeden nur erdenklichen Vorwand, um nicht mit dem Herzog verkehren zu müssen. Es kommt, wie es kommen muss: Die Situation geht mehr und mehr aus dem Ruder, falsche Hoffnungen und Intrigen spitzen sich zu bis zum finalen Feuerwerk.


Er liebt sie, weiss aber nicht, dass er eine sie ist die von ihr geliebt wird: Toby Stephens.

Von Liebenden und Narren

Falsche Hoffnungen sind es denn auch, die das Stück dominieren. Neben der eigentlichen Geschichte gibt es kleinere Erzählstränge, die nicht minder komisch sind, zuweilen gar unverhohlen die Hochnäsigkeit gewisser Zeitgenossen Shakespeares aufs Korn nehmen. In einem Stück wie diesem steht und fällt alles mit der Besetzung, die in diesem Fall dem Bilderbuch entsprungen scheint. Meinen persönlichen Höhepunkt bildet Ben Kingsley als Feste, dem vermeintlich Verrückten, der im Hause der Gräfin Olivia sprichwörtliche Narrenfreiheit geniesst. Aber auch sein Gegenpart Malvolio (Nigel Hawthorne), der knieprige Haushofmeister der Gräfin, könnte besser kaum zum Leben erweckt werden. Der langen Rede kurzer Sinn: Wer immer noch glaubt, Shakespeare sei depremierend, überlang und unverständlich kann sich in Twelfth Night vom Gegenteil überzeugen lassen.


Sie lieben einander, jedoch platonisch: Imogen Stubbs und Steven Mackintosh.

Und er weiss als einziger, was eigentlich passiert: Ben Kingsley.


Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Twelfth Night: Or What You Will (1996)
Land:
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Trevor Nunn
Drehbuch:Trevor Nunn
William Shakespeare
Produktion:Mark Cooper
Stephen Evans
David Parfitt
Ausf. Prod.:Ileen Maisel
Greg Smith (III)
Ruth Vitale
Jonathan Weisgal
Kamera:Clive Tickner
Schnitt:Peter Boyle (II)
Musik:Shaun Davey
Ausstattung:Sophie Becher
Kostüme:John Bright (II)
Besetzung:Tim Bentinck
Helena Bonham Carter
Rod Culbertson
Nicholas Farrell
Richard E. Grant
Peter Gunn
Jeff Hall (II)
Nigel Hawthorne
Ben Kingsley
Sid Livingstone
Steven Mackintosh
Alan Mitchel
Mel Smith
Imelda Staunton
Toby Stephens
Imogen Stubbs
James Walker (II)
 
Länge:135 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Renaissance Films
Summit Entertainment
CH Verleih: Focus Film


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