TwentyFourSeven (1997)

England in der Wirtschaftskrise. Thatcher führte die Industrie zielsicher vor den Abgrund. Umso zielloser irrt die die Jugend in die unsichere Zukunft.


von Thomas Hunziker


Auch in Alan Darcys (Bob Hoskins) Heimatstadt geht es der Bevölkerung nicht besser. Die örtliche Industrie ist zerstört, die Alten haben ihre Stellen verloren und die Jugendlichen kennen gar keinen anderen Zustand, als den der Arbeitslosigkeit. Vor den Schnellimbissen bilden sich schnell einmal rivalisierende Gruppen, die aus Langeweile nichts Besseres zu tun wissen als sich gegenseitig zu verprügeln. Darcy erhofft sich durch die Gründung eines Boxclubs die Energien der verzweifelten Jugendlichen in kontrollierte Bahnen lenken zu können. Bei seinem Training finden vom Junkie bis zum fetten Aussenseiter alle moralische Unterstützung, eine Erfahrung, die für die meisten der Jugendlichen neu ist; sowohl von der Regierung als auch von ihren Eltern wurden sie bisher kläglich im Stich gealassen. Die Gruppe findet sich zu einer verschworenen Einheit zusammen, in der man sich auch gegenseitig hilft. Bei einem Trainingsausflug nach Wales scheint die Idylle perfekt, doch beim grossem Kampf gegen eine anderes Boxteam werden alle Hoffnungen zerstört.


Motivator der Aussichtslosen (Bob Hoskins)

Die Hoffnung der Aussichtslosen

Shane Meadows sozialkritisches Drama steht eng verbunden mit der Tradition des britischen Kinos, und obschon sein Werk einige Schwächen aufweist, so überzeugt es dennoch durch Qualität und Milieutreue, die bei den meisten nicht-britischen Produktionen zu vermissen ist. Shane Meadows kennt sich aus, in der von im geschilderten Welt. Selber in den «Slums» einer Industriestadt aufgewachsen, wurde er von verschiedenen Schulen verwiesen, bis er sich durch zahlreiche billigst hergestellte Kurzfilme und insbesondere durch den einstündigen Smalltime Ansehen verschaffen konnte. Der Lohn für seine Anstrengungen war die Möglichkeit einen Spielfilm mit Bob Hoskins in der Hauptrolle zu drehen, eine Möglichkeit die sich Meadows nicht entgehen liess. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit Paul Fraser. Die Geschichte steürt auf ein vorgegebenes Ende zu, da schon zu Beginn ein Einblick in Darcys Zukunft gewährt wird. Beim Einblick in das (Weiter-)Leben der übrigen Protagonisten am Ende des Films müssen sich die Drehbuchautoren den Vorwurf der Schönmalerei gefallen lassen, aber dieser Aspekt war schon bei Meadows vorangegangenen Arbeiten ersichtlich, und war deshalb voraussehbar.


Dem rauhen Alltag entschwebend

Realistische Rollenwahl

Dieser Makel sollte allerdings nur bei alteingesessenen Sozialisten und unbelehrbaren Filmästhetikern ein Kopfschütteln auslösen. Schliesslich ist das Ende des Films auch nur eine Situationsaufnahme, und jeder Zuschauer weiss, dass auch für diese Filmfiguren ein Entrinnen aus der Realität nicht möglich ist. Eine herausragende Komponente des Films ist zweifelsohne Bob Hoskins in der Rolle des Alan Darcy, für die er mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Auch die übrigen Darsteller, die Meadows grösstenteils aus seinem Freundeskreis rekrutierte, überzeugen in denen auf den Leib gezeichneten Rollen. Im Gegensatz zu seinen Kurzfilmen beschränkte sich Meadows bei TwentyFourSeven auf die Arbeit hinter der Kamera, und zeichnete sich dabei auch «nur» für Regie und Drehbuch verantwortlich, währenddem er früher meist auch noch die Kamera führte und den Schnitt übernahm. Ashley Rowe fing die wunderschönen betrübsamen Aufnahmen ein, und der Schnitt wurde vom William Diver ausgeführt. Kein Meisterwerk, aber unausweichlich Pflichtprogramm für alle Schweizer Jungfilmer, die selbst einmal einen anspruchsvollen Sozialfilm drehen wollen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:TwentyFourSeven (1997)
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Shane Meadows
Drehbuch:Paul Fraser
Shane Meadows
Produktion:Imogen West
Ausf. Prod.:George Faber
Nik Powell
David M. Thompson
Stephen Woolley
Kamera:Ashley Rowe
Schnitt:Bill Diver
Musik:Boo Hewerdine
Neil MacColl
Ausstattung:John Paul Kelly
Kostüme:Philip Crichton
Besetzung:Gina Aris
Jo Bell (II)
Justin Brady
Darren O. Campbell
Anthony Clarke
Karl Collins
James Corden
Pamela Cundell
Frank Harper
James Hooton
Bob Hoskins
Jimmy Hynd
Johann Myers
Danny Nussbaum
Mat Hand
Bruce Jones (II)
 
Länge:96 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Schwarz/Weiss)
Ton:Dolby


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