Twin Town

War Trainspotting das mit Abstand rüdeste Drogen- und Nadelspektakel, das je auf der schneeweisen Leinwand zu sehen war, «Bollocks! Here are the Lewis'». Dem krassesten aller unechten Zwillingspaare hat Debütant Kevin Allen einen ganzen Film gewidmet, der von den «Trainspotting»-Machern Danny Boyle und Andrew McDonald mitfinanziert wurde.


von Serge Zehnder


Irgendwie scheint in Swansea nichts zu stimmen. Das Wetter, der Teint der Menschen, die örtlichen Behörden, das Atomkraftwerk hinter der Wohnwagensiedlung ­ ein vernünftiges «Social-Life» ist nicht zu erwarten, höchstens beim Karaoke-Festival im lokalen Pub. «A Pretty Shitty City», das ist Swansea nach der Aussage von Twin Town-Drehbuchautor Paul Durden. Seine Abwandlung von Dylan Thomas' Zeile «An ugly lovely town» ist das Leitmotiv von Kevin Allens erstem Spielfilm. Vor dem Hintergrund des walisischen Städtchens, in dem auch der Dichter Thomas seine Sauftouren und lyrischen Anfälle hatte, flitzt eine Ansammlung mehr oder minder kranker Zeitgenossen vorbei, die alle direkt oder indirekt mit den Gebrüdern Lewis (Rhys und Llyr Evans) verbunden sind.



Wales aus der Froschperspektive

Dieses Gespann frönt neben dem regelmässigen Autoklau auch den Drogen, der Sachbeschädigung und anderen ungesetzlichen Dingen. Eine anarchistische Lebenshaltung, die über ganz Swansea verteilt ist, aber lediglich von den Lewis-Boys energiegeladen ausgelebt wird. Als schliesslich eine Ladung Kokain ihren illegalen Weg nach Swansea findet, stolpern natürlich auch die «Zwillinge» in dieses Desaster von Korruption, Fadenscheinigkeit und Gewalt herein, was zu einer Eskalation der Dinge führt.



Nichtbriten, vereinigt euch

Er stand ganz unauffälig im Zimmer, während sein Bruder das Geschäft mit den inzwischen wohlbekannten Edinburgh-Droogies abwickelte. Kevin Allen erhielt einen kleinen Part in Trainspotting als Drogendealer. Zusammen mit seinem Bruder Keith Allen führte er den kruden Deal mit Renton, Sick Boy und Konsorten durch. Keith, der den mysteriösen Hugo in Shallow Grave, dem Debüt des famosen Schotten-Trio, gemimt hat, war auch die entscheidende Beziehung, die Allen die Realisierung seines Projektes ermöglichte. Zuerst mit Twin Town beschäftigt, verliessen Boyle und McDonald Wales, als ihre neue in Amerika angesiedelte Gemeinschaftsproduktion A Life less Ordinary in Gang kam, und schmücken sich jetzt mit dem Titel der «Ausführenden Produzenten». Der schottische Einfluss auf Durdens Drehbuch und Allens Regie ist aber deutlich spürbar. Bewegt sich Twin Town auf einer Ebene, die noch ein Spürchen derber ist als Boyles Drogenoper, erinnern die Figurenzeichnung und die Bildgestaltung an den «Blockbuster» aus William Wallace-Country. Abgesehen davon ist Twin Town ein eigenständiges Stück Kino-Anarchie, das Analyse und Kritik an einer stehengebliebenen Umgebung ist, die versucht sich weiterzuentwickeln, aber aufgrund innerer und äusserer Einflüsse dazu verdammt ist, hinterherzuhumpeln.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Twin Town (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Komödie
Bewertung:3 (von 5)
 
Regie:Allen, Kevin (II)
Drehbuch:Allen, Kevin (II)
Durden, Paul
Produktion:McAleese, Peter
Ausf. Prod.:Boyle, Danny
MacDonald, Andrew
Kamera:Mathieson, John
Schnitt:Ottley, Oral Norrie
Musik:Thomas, Mark (II)
Ausstattung:Campbell, Pat
Kostüme:Fleming, Rachael
Besetzung:Ace, Martin
Allen, Keith (I)
Allen, Kevin (I)
Allen, Mary
Botcher, Di
Ceredig, Huw
Clack, Boyd
Cunningham, Michael
Davies, Julie (II)
Durden, Danny
Durden, Paul
Elisa, Gillian
Evans, Jenny
Evans, Llyr
Griffith, Helen
Hancock, Brian
Hayman, David
Hibbard, Brian
Hopkins, Morgan
Ifans, Rhys
John, Royston
McGaughey, Nicholas
Patel, Rhasker
Rhodri, Steffan
Roderick, Sue
Scorgie, Rachel
Scott, Dougray
Thomas, Dorien
Thomas, William (I)
Tudor-Owen, Sion
Williams, Biddug
Williams, Ronnie
 
Länge:99 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Agenda
Aimimage Productions
Figment Films
CH Verleih:Elite Film


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