Unagi (1997)

In einem Brief wird Takuro Yamashita mitgeteilt, dass er von seiner Frau betrogen wird. Als er eines Nachts früher als sonst nach Hause zurückkehrt, liegt tatsächlich ein fremder Mann neben seiner Frau.


von Thomas Hunziker


Blind vor Wut ersticht Takuro (Koji Yakusho) seine Frau und ihren Liebhaber und stellt sich danach auf der nächsten Polizeiwache. Nach acht Jahren wird Takuro auf Bewährung entlassen. Ein buddhistischer Mönch, sein früherer Lehrer, wird Bewähungshelfer. Takuro übernimmt einen Coiffeursalon und versucht, sich langsam wieder an das Leben in der Gesellschaft zu gewöhnen, bleibt allerdings äusserst verschlossen und vermeidet den Kontakt zu den wenigen Kunden. Sein bester Gesprächspartner ist ein Aal, das einzige Lebewesen, mit dem er während seiner Zeit im Gefängnis geredet hatte. Im Kontakt mit den Dorfbewohnern ist er jedoch wortkarg, und ausser seinem Bewährungshelfer, einem Fischer und einem UFO-Sucher duldet er niemanden für längere Zeit in seiner Gegenwart.


Misstrauische Annäherung (Misa Shimizu, Takuro Yakusho)

Der Geist der Vergangenheit

Eines Tages findet Takuro die bewusstlose Keiko Hattori (Misa Shimizu) nach einem Selbstmordversuch im hohen Gras am Fluss und rettet ihr das Leben. Als es der Frau wieder besser geht, wird Takuro von der Frau des Mönchs gebeten, sie in seinem Geschäft anzustellen. Takuro entspricht der Bitte, begegnet Keiko wegen ihrer grossen Ähnlichkeit zu seiner ermordeten Frau jedoch mit Misstrauen und verweigert die Essenspakete, die sie für seine Angelausflüge zubereitet. Keikos Beharrlichkeit bringt Takuro dennoch dazu, sich ihr langsam zu öffnen, doch dann taucht plötzlich Keikos Ehemann, der Grund für ihren Selbstmordversuch, im Coiffeursalon auf und beschuldigt Keiko des Diebstahls. Regisseur Shohei Imamura konzentriert sich bei dieser Geschichte ganz auf die Hauptfigur von Takuro. Seine Vergangenheitbewältigung und die Anpassung an eine neue Umgebung stehen im Mittelpunkt der Erzählung.


Takuro blutüberströmt

Film mit höchster Auszeichnung

Shohei Imamura schuf mit Unagi eine leise Charakterstudie, welche die Juroren von Cannes derart beeindruckte, dass sie Unagi mit der Goldenen Palme für den Besten Film auszeichneten. Obschon japanische Filme dem westlichen Publikum eher fremd erscheinen, ist der Zugang zu den Charakteren in Unagi relativ einfach, erinnert doch der Film in seiner Erzählweise und in der Bildsprache auch an euopäische Filme und ist deshalb nicht so schwer verständlich wie andere japanische Filme (wie z.B. Sleeping Man). Die Geschichte von Takuros Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit wird in einem ruhigen Bildfluss erzählt, der genauso gemütlich dahinfliesst wie der Fluss, auf dem Takuro angeln geht. Etwas überzeichnet wirkt der Slapstick-artige Konflikt am Ende des Films, der in seiner Position als Gegenpol zu Takuros Ermordung seiner Ehefrau allerdings gut begründet ist. Er trägt zu Takuros Läuterung bei und gibt ihm einen Grund, weiterzuleben.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Unagi (1997)
Land:Japan
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Imamura, Shohei
Drehbuch:Imamura, Shohei
Kurosawa, Akira
Tengan, Daisuke
Tomikawa, Motofumi
Yoshimura, Akira
Produktion:Iino, Hisa
Ino, Hisa
Matsuda, Yasushi
Ausf. Prod.:Okuyama, Kazuyoshi
Kamera:Komatsubara, Shigeru
Schnitt:Okayasu, Hajime
Musik:Ikebe, Shinichiro
Ausstattung:Inagaki, Hisao
Besetzung:Aikawa, Sho
Baisho, Mitsuko
Emoto, Akira
Ichihara, Etsuko
Kawahara, Sabu
Kobayashi, Ken
Satoh, Makoto
Shimizu, Misa
Taguchi, Tomoro
Tsuneda, Fujio
Yakusho, Koji
Shimizu, Miho
 
Länge:117 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Esei Gekijo
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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