Unzipped

Mit Unzipped hat der Fotograf Douglas Keeve einen Dokumentarfilm über den Modeschöpfer Isaac Mizrahi geschaffen, der einige Hintergründe einer Kollektionsschöpfung zeigt, jedoch nie richtig unter die Oberfläche zu tauchen vermag.



Isaac Mizrahi ist ein Senkrechtstarter unter den Designern. Nachdem er unter anderem mit Calvin Klein zusammengearbeitet hat, macht er sich 1987 selbständig. Schon seine ersten Kollektionen ernten grosses Lob; seine Kreationen sind schlicht und farbenprächtig zugleich. In Unzipped wird die Entstehung der Herbstkollektion 1994 gezeigt. Tagelang wurden Mizrahis Vorbereitungen und schliesslich auch seine Modeschau mit der Kamera eingefangen. Je näher der grosse Tag rückt, desto nervöser ist Mizrahi. Stoffe fehlen, die Schuhe sind noch nicht fertig, und die Topmodels sind nicht einverstanden, sich auf der Bühne hinter einer durchsichtigen Gazewand umzuziehen. Als dann noch Gaultier in seiner neuen Kollektion ebenfalls den Eskimo-Look propagiert, ist Isaac Mizrahi nahe dem Nervenzusammenbruch. Es ist zu spät, um seine Pelzschöpfungen durch andere Ideen zu ersetzen, und so kann er bloss noch auf die Gunst der Kritiker und Modejournalistinnen hoffen.
Endlich: Die umjubelte Modeschau
Zwischen Skizzenzeichnen und wichtigen Telefonaten trifft sich Mizrahi mit Sandra Bernhard oder berät die exzentrische ehemalige Nachtclubsängerin Eartha Kitt. Obwohl die Topmodels das Ihrige zum Gelingen einer Schau beitragen, kommen bloss Naomi Campbell und Cindy Crawford zu Wort. Wenigstens sind auch noch Linda Evangelista, Kate Moss und Christy Turlington zu bewundern. Den Höhepunkt des Dokumentarfilmes bildet wohl die Modeschau selber: neugierig und gespannt sehen wir endlich die bunten Kreationen Mizrahis. Am nächsten Morgen folgt die grosse Angst vor der Kritik: durch die leeren Strassen eilt Mizrahi zum nächsten Kiosk, um schliesslich glücklich ein Lob seiner neuen Kollektion zwischen den Händen zu halten.

Oberflächlich

Obwohl Unzipped mehrere Hintergrundinformationen gibt und die Aufregung und den Stress zeigen, die mit der Schaffung einer Kollektion einhergehen, bleibt der Film leider an der Oberfläche. Man erfährt nichts Genaues über Mizrahis jüdischen Hintergrund, und seine Begegnungen mit Freunden wirken alle etwas allzu fröhlich. Die dürren (um nicht zu unterstellen magersüchtigen) Models lachen andauernd, und wenn sie dennoch ernst aussehen, kommen sie nicht zu Wort. Obwohl die meisten sich zuerst weigern, sich hinter der Gazewand umzuziehen, tun's schliesslich doch alle. Müssen sich die Topmodels mit ihren horrenden Gagen - die im Film nicht einmal erwähnt werden - zufriedengeben, oder denken sie, es könnte ihrem Ruf schaden, nicht mitzumachen?
Unklar bleibt, ob der Film nicht tiefer loten wollte oder ob am Grund sowieso kein Schatz zu bergen wäre. Vielleicht ist die Modewelt ja effektiv so oberflächlich wie der Film es uns zeigt. Was ja auch konsequent wäre, da alle Protagonisten von Unzipped sich mit der Hülle, dem Aeusseren befassen. Trotzdem kann der Film ausser absolute Modefreaks auch ein anderes Publikum ansprechen. Die experimentellen Aufnahmen von Ellen Kuras, die Jarmuschs herausragenden Kurzfilm "Coffee and Cigarettes" fotografiert hatte, lohnen den Weg ins Kino. Sie benützte mehrere Möglichkeiten, u.a. eine 16-mm- und eine Super-8-Kamera. Die Aufnahmen wechseln von Farbe in körniges schwarz-weiss; einer ruhigen Kamera folgt eine schwindelerregende Fahrt. Zudem sind alte Filmausschnitte wie aus "Whatever Happened to Baby Jane" eingebaut, durch die sich Mizrahi zu Kreationen inspirieren lassen habe.
Flavia Giorgetta

Isaac Mizrahi zwischen
Naomi Campbell und
Linda Evangelista
Angaben zum Film



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