Up Close And Personal

Pfeiffer mit Redford im Nachrichtenstudio und im Bett


Ist das nun das Liebespaar
des Jahres?
Michelle Pfeiffer kommt aus der Provinz und hat ausser ein telegenes Gesicht und ein hausgebackenes, zusammengeschwindeltes Demovideo nichts zu bieten. Trotzdem, oder vielleicht gerade darum bekommt sie einen Job als Bürohilfe und TV-Reporterin bei einem Lokalsender in Miami: dessen Chefredaktor, der doch schon in die Jahre gekommene Ex-Starreporter Warren Justice (Robert Redford) geniesst es offensichtlich, die junge, unerfahrene Tally Atwater rumzukommandieren. Er gibt ihr aber eine Chance und hilft ihr mehr als einmal "grosszügig" aus der Patsche, so dass sie über den berühmten "Knopf im Ohr" quasi ferngesteuert auch schwere Reporterinnen-Probleme löst. Bald steigt Tally bis zur Moderation der Nachrichtensendung auf. Natürlich schlägt ihr jede Menge Neid entgegen, kein Wunder im harten US-Nachrichtenbusiness, als Protegée des Chefs hat sie es trotz ihres selbstbewussten Auftretens aber besonders schwer. Ungeachtet Justices' Ruf, alle attraktiven Reporterinnen rumzukriegen, dauert es ziemlich lange, bis sich dann doch die unvermeidliche Liebesbeziehung entwickelt. Die Rollenverteilung zwischen den beiden ändert sich dann aber ziemlich: Warren verliert seinen Job, Tally wird von einer grösseren Fernsehanstalt in Philadelphia angestellt. Dort kann sie sich allerdings nicht so recht einleben, ist bei den Zuschauern unbeliebt und wird von KollegInnen gemobbt. Als Retter in der Not muss wieder die "starke männliche Hand" in Gestalt von Warren herhalten, alleine ist Tally offensichtlich nicht in der Lage, sich durchzusetzen. Erst als sie zusammen mit ihrem Kameramann zufälligerweise in einen Gefängnissaufstand gerät und unter grosser Gefahr live aus dem Gefängniss berichtet, hat sie es geschafft: Nun ist sie die Starreporterin, die von der nationalen Fersehkette IBS angestellt wird, jetzt kann sich Warren als Skandalreporter nach Panama zurückziehen.

Sogar ein Redford hat manchmal
Probleme im Job...

Sie hat es geschafft: Tally
darf anstatt einer "unsympatischen
Ziege" die News moderieren
Up Close And Personal ist in den Momenten stark, wo das harte, schnellebige und sensationslüsterne US-Nachrichtenbusiness porträtiert wird. Allerdings erscheinen in der Story so viele Klischees, dass diese wenig raffiniert und ziemlich unglaubwürdig wirkt. Diese Geschichte wäre eigentlich, eben wegen der klischeehaften Handlung, für eine Mediensatire wie geschaffen - satirische Elemente sind aber kaum auszumachen. Dafür wird eine wenig überzeugende Lovestory eingebaut, die - so wage ich auch anhand beobachteten Publikumsreaktionen zu behaupten - für nicht-amerikanische Zuschauer auf zu kitischige Art und Weise ausgebreitet wird. Ausser grossen Fans von Robert Redford und Michelle Pfeiffer werden deshalb wohl die meisten Zuschauer enttäuscht sein. Auch die Rolle der wenig begabten, aber gutaussehenden Reporterin, die nur mit männlicher Hilfe die Karriereleiter aufsteigt, wird nicht kritisch ausgeleuchtet. Man fragt sich unweigerlich, was Regisseur Jon Avnet mit seinem Film aussagen will, welchem Genre sein Streifen nun zuzuordnen sei. Ein wenig Liebe gemischt mit etwas Medienrealität, gewürzt mit einer Prise Action und Gesellschaftskritik? Der Streifen wird zwar als "Lovestory" gepusht, doch angesichts der Tatsache dass diese Dimension des Filmes am wenigsten zu überzeugen vermag, erscheint dies eher kontraproduktiv. Im Endeffekt müssen wohl wieder einmal zwei Star-Schauspieler für eine eher durchschnittliche Story und Regie den Kopf hinhalten.

Daniel Schneider

Angaben zum Film



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