Urban Safari

Der erste Spielfilm des in den Staaten lebenden Schweizers Reto Salimbeni vermag leider kaum zu begeistern.



Urban Safari ist die Apokalypse einer Familie in New York, die sich durch ihre Lügengeschichten in arge Bedrängnis bringt. Allen voran würde "brown nosey" Mami Johnson (Linda Kash) alles tun, um Papi Johnson (David Naughton) eine Beförderung zu verschaffen.


Das durchschnittliche amerikanische WC

"Early bird catches the moon."

Die Johnsons wohnen im Firmengebäude, das Papis Boss Winkler gehört. Sie sind durchaus nicht die einzigen, die mit allerlei Schleimereien eine Beförderung erreichen wollen, aber dank Papis revolutionären Erfindung, der "low flow toilet", stehen die Chancen besser denn je. Um noch mehr Eindruck zu schinden, erzählen sie dem Chef, sie verbrächten ihre Ferien auf einer Safari in Afrika, angesichts der marroden Familienkasse ein Ding der Unmöglichkeit. Sie verreisen, widrige Umstände treiben sie aber bald wieder zurück in ihr Apartment. Und dort geht alles drunter und drüber: Tochter Heather (Andrea Nemeth) trifft sich heimlich mit ihrem Freund, Granpa Harry (Donnelly Rhodes) kreuzt auf und weil der beileibe militante Abwart, die Winklers und noch ein paar andere Leute den Schlüssel zum Apartment haben, reisst ein verworrenes Versteckspiel vom Zaun, in dessen Verlauf die Familie gar in ihrer eigenen Wohnung eingesperrt wird.

Kurz vor dem Verhungern überschlagen sich die Ereignisse. Erst als die Johnsons ihr eigenes Leben dermassen eindrücklich vor Augen geführt bekommen, scheren sie aus und entsteigen dem Sumpf gleich Phoenix der Asche, taraaa!


"Do it the Winkler-way!"

Lauwarme Dialoge

Urban Safari ist ein modernes Grossstadtmärchen. "Zufällig auf einem Flug" habe Regisseur und Drehbuchautor Reto Salimbeni von der Geschichte gehört und in einer Faxaktion schliesslich genügend Geld für die Realisierung aufgetrieben. Auf die von Bundesgeldern subventionierte Schweizer Filmindustrie konnte er sich freilich nicht stützen: "Leichte Komödien sind chancenlos." Eine bedauernswerte Tatsache.

Doch so erfreulich es ist, dass die Finanzierung zustande gekommen ist, so wenig erfreulich ist das Endergebnis, trotz der vielversprechenden Grundidee. In erster Linie kränkelt der Film an seinen schwachen Dialogen. Die Szenen, in denen man über ein Schmunzeln hinaus kommt, können an einer Hand abgezählt werden. Hier weist das Drehbuch gravierende Schwächen aus, die sich in einem Anflug von Langeweile äussern.

Andere Schwächen des Films können allenfalls mit dem Verweis auf ein Mini-Budget von 1 Million Dollar oder 20 Drehtagen erklärt, aber kaum entschuldigt werden. Einmal mehr wurde der Musik nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, eine Schwäche, die Urban Safari mit vielen Schweizer Filmen teilt. Dass neben einer kanadischen Fernsehstation und dem zweiten Deutschen Kanal auch unser helvetisches Fernsehen an diesem Streifen mitgewirkt hat, sieht man insbesondere an den Äusserungen der NEXT-Leute. Beispiel Dominique Keller: "Salimbeni setzt die Geschichte geistreich um und bietet sprühende Unterhaltung." Nein, wirklich nicht.

Sven Schwyn

Angaben zum Film



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