Velvet Goldmine (1998)

London zu Beginn der siebziger Jahre. Glitter und Glam Rock sind auf dem Höhepunkt. Bei einem Konzert wird Brian Slade, einer der grössten Stars der Szene erschossen.


von Thomas Hunziker


Zehn Jahre später versucht Arthur Stuart (Christian Bale), ein Reporter des Herold den Schleier um die mysteriösen Umstände dieses Ereignisses zu lüften. Brian Slade (Jonathan Rhys-Meyers) wurde an diesem Abend nämlich gar nicht erschossen, die ganze Aktion war nur ein Publicity Stunt, der letzendlich nur den Tod seiner Bühnenfigur Maxwell Demon mit sich brachte. Die Fans waren entsetzt über den makabren Scherz und boykottierten fortan die Erzeugnisse von Brian Slade. Stuart war einer dieser Fans und, wie sich mit der Zeit herausstellen wird, auch ein Mitglied der Szene. Durch Interviews mit anderen Mitgliedern aus dem Umfeld von Slade versucht Stuart seinen derzeitigen Aufenthaltsort aufzudecken. Dabei führt er Gespräche mit Slades erstem Manager, Slades Exfrau (Toni Collette) und Curt Wild (Ewan McGregor), dem amerikanischen Gegenstück zu Slades britischer Lichtgestalt.


Die Braut des Demon (Toni Collette).

Keine Goldmine

Die Titelsequenz von Velvet Goldmine erinnert an Austin Powers, die Parodie auf die sechziger Jahre, wer jedoch einen ähnlich unterhaltsamen Film zu sehen erwartet, wird schlecht bedient. Mit Velvet Goldmine arbeitet Regisseur Todd Haynes seine Faszination mit der Glitterwelt der Rockstars der siebziger Jahre auf, ein therapeutisches Vorhaben, das der breiten Öffentlichkeit ruhig erspart hätte bleiben können. Von der visuellen und strukturellen Klarheit seines vielgelobten letzten Filmes Safe (mit Julianne Moore) ist nichts mehr zu sehen. Für die Struktur liess sich Haynes bei Citizen Kane inspirieren. Was die beiden Filme gemeinsam haben, ist die überaus einschläfernde Geschichte, was bei Velvet Goldmine im Gegensatz zu Citizen Kane allerdings fehlt, ist eine revolutionäre und faszinierende Kamerarbeit. Kamerafrau Maryse Alberti leistete dieses Jahr tadellose Arbeit für Todd Solondz' Meisterstück Happiness. Was aber für ein exzellent geschriebenes Drama ausreicht, genügt für ein Aufarbeitung des Prunks, Glamours und der Exzesse der Rockszene der frühen siebziger Jahre bei weitem nicht.


«May the Force be with you» (Ewan McGregor).

Schlechte Visitenkarte

Haynes attribuiert den Selbstdarstellungsdrang und die sexuelle Ambiguität der Glamrockstars dem irischen Schriftsteller Oscar Wilde, dem seiner Meinung nach ersten Popidol. Ausserdem taucht wiederholt ein Ufo auf, wie dies allerdings mit der Bisexualität und der Orientierungslosigkeit der Hauptfiguren in Verbindung gebracht werden sollte, bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. Letzter Kritikpunkt an diesem Film ist die Leistung der Schauspieler, die zu ihrer Verteidung einzig vorbringen könnten, dass man in einem solchen Film keine gute Darbietung geben kann. Die grösste Enttäuschung ist der farblose Christian Bale, wobei die Frage aufkommt, wie er jemals für die Hauptrolle in der Verfilmung von «American Psycho» in Erwägung gezogen werden konnte. Bale verfügt dafür nicht einmal über die nötige erotische Ausstrahlung, geschweige denn, dass er die komplexe Natur des Patrick Bateman verkörpern könnte. Nur der baldige Jedi Ewan McGregor stiehlt sich halbwegs ehrenvoll aus der ganzen Affäre, wenn nicht die Verknüpfung mit diesem Film schon genug schändlich wäre. Falls allerdings jemals das Leben von Kurt Cobain verfilmt werden sollte, dann hat sich McGregor bereits einmal als ideale Besetzung dafür präsentiert.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Velvet Goldmine (1998)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Todd Haynes
Drehbuch:Todd Haynes
James Lyons
Produktion:Christopher Ball
William Tryer
Christine Vachon
Koproduktion:Olivia Stewart
Ausf. Prod.:Scott Meek
Sandy Stern
Michael Stipe (I)
Kamera:Maryse Alberti
Schnitt:James Lyons
Musik:Carter Burwell
Radiohead
Ausstattung:Christopher Hobbs (I)
Kostüme:Sandy Powell (II)
Besetzung:Christian Bale
Keith-Lee Castle
Toni Collette
Michael Feast
Eddie Izzard
Ewan McGregor
Jonathan Rhys-Meyers
Emily Woof
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Zenith
Single Cell Pictures
Killer Films
Channel Four Films
Goldwyn Films
Miramax Films
NewMarket Capital Group
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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