La Vie rêvée des anges (1998)

Träumen und Träume leben.


von Serge Zehnder


Träume zu haben ist wichtig, um mit den Enttäuschungen des Lebens fertig zu werden. Zuweilen können aber diese Träume und das sich hineinsteigern in eine bestimmte Illusion verheerrende Folgen haben. Erik Zoncas Erstlingswerk handelt von Isa (Elodie Bouchez «Les Roseaux Sauvages») und Marie (Natacha Régnier), beide zwanzig Jahre alt, beide stetig auf der Suche nach Arbeit, Freundschaft und menschlicher Wärme. In der Wohnung, die Marie hütet, da die Besitzerin nach einem Autounfall samt Tochter auf der Intensivstation liegt, lebt sich Isa schnell ein. Die ansonsten von der Hand in den Mund lebende Querschlägerin, die auf bürgerliche Konventionen pfeif, scheint sich in Lille nach längerer Zeit wohl zu fühlen. Der Flirt mit zwei rockerhaften Rausschmeissern, der primär zur Belustigung Maries stattfindet, lässt sie eher kalt. So eng die Freundschaft zwischen den beiden Frauen sein mag, so unterschiedlich sind ihre Ansätze in Sachen Liebe und Beruf.


Isa und Marie versuchen im Leben alles zu bieten.

GLEICH VERSCHIEDEN

Während Isa nicht unbedingt einen Mann benötigt, um Menschennähe zu spüren, träumt Marie vom eleganten Ritter mit dem grossen Monatscheck, der sich alsbald in Gestalt des aalglatten Restaurants- und Club-Besitzers Chriss (Grégoire Colin) präsentiert. Marie ist davon überzeugt, den richtigen gefunden zu haben, und entwickelt in ihrer Phantasterei eine nie dagewesene Arroganz, die Isa zunehmend auf ein unteres Level drückt. Beide Frauen prallen mit ihren Lebensanschauungen aufeinander. Denn wo Isa ihren Traum vom freien Leben, den freien Entscheidungen und der Distanz jeglicher gesellschaftlicher Verhaltensvorschriften auslebt, fehlt Marie auf der einen Seite der Mut, sich gewisse Illusionen einzugestehen und auf der anderen, bestimmte Träume zu verwirklichen. Zonca setzt bei diesem Gegensatz an, und versteht es, in den bisweilen etwas langatmigen zwei Stunden ein ungemein vielschichtiges Umfeld von Figuren, Bildern und Stimmungen aufzuziehen.- alles eingehüllt in das frostige Klima eines nordfranzösischen Winters. Wärme kommt nur von den Figuren, und das nicht in übertriebenem Masse. Atemberaubend in jeder Szene sind Bouchez und Regnier trotz ihr einstweiligen Kälte. Das Paar versteht sich blind; ohne falsche Akzente setzen zu wollen, stehen sie im Dienst der Geschichte und des Regisseurs, der sie zum verdienten «Darstellerinnen Preis» des diesjährigen Filmfestivals von Cannes führte.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:La Vie rêvée des anges (1998)
Land:Frankreich
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Erick Zonca
Drehbuch:Erick Zonc
Roger Bohbot
Kamera:Agnès Godard
Schnitt:Yannick Kergoat
Ausstattung:Jimmy Vansteenkiste
Besetzung:Élodie Bouchez
Grégoire Colin
Patrick Mercado
Jo Prestia
Natacha Régnier
 
Länge:113 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Les Productions Bagheera
CH Verleih: Alhena Filmverleih


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