Volcano (1997)

The Coast is Toast


von Thomas Hunziker


Mike Roark (Tommy Lee Jones), der von seiner Frau getrennt lebt, ist eigentlich in den Ferien und sollte auf seine dreizehnjährige Tochter (Gaby Hoffmann) aufpassen. Ein leichtes Erdbeben eines Morgens führt jedoch dazu, dass er seine Tochter einer Babysitterin anvertraut, um in sein Büro zu eilen; er ist nämlich Chef der L.A.-Nothilfe-Zentrale OEM (Office of Emergency Management). In der Hauptzentrale kann nichts ungewöhnliches vermeldet werden. Ausser bei einem Unfall im unterirdischen Kanalsystem nahe den La Brea Tar Pits, bei dem ein Leitungsrohr geborsten sein muss, forderte das Beben keine Todesopfer. Mike Roark hat Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse und überprüft den Unfallort selber, wobei er einen riesigen Riss im Kanal entdeckt, aus dem höllisch heisse Dämpfe austreten. Für die Erklärungen der hinzugezogenen Seismologin Amy Barnes (Anne Heche), dass diese Aktivitäten möglicherweise durch Lava ausgelöst wurden, hat Mike nur ein müdes Lächeln übrig. Erst am nächsten Morgen, als er von einem stärkeren Beben aus dem Bett gerüttelt wird und seine Fahrt ins Büro am Wilshire Boulevard durch einen Ascheregen aufgehalten wird, überlegt er sich, ob an Amys Theorie wohl doch etwas Wahres dran ist. Doch dann folgt auch schon der Vulkanausbruch. Lava beginnt zu fliessen, glühende Lava fliegt wie Kanonenkugeln durch die Luft, Gebäude gehen in Flammen auf, die Palmen entlang des Boulevards brennen wie Weihnachtskerzen und Autos werden von der Lava eingeschmolzen. Innert kürzester Zeit treffen die ersten Feuerwehrwagen und Kamerateams am Notfallort ein. Mike bringt Ordnung in das Chaos und mit Hilfe der Fachkenntnisse von Amy Barnes werden Versuche, die Lava zu stoppen, eingeleitet. Mit allen Kräften kann dann der Lavastrom am Wilshire Boulevard aufgehalten werden, doch die Katastrophe ist noch nicht abgewendet; die Lava fliesst unterirdisch weiter und droht das Notfallspital, in dem alle Vulkanopfer gepflegt werden, dem Erdboden gleichzumachen.


Alle Mittel werden eingesetzt, um die Lava zu stoppen

Katastrophenfilm der 90er Jahre

In den 70er Jahren waren Katastrophenfilme überaus erfolgreich und in den letzten Monaten fanden mit Daylight, Dante's Peak und jetzt Volcano wieder ähnliche Filme ihren Weg in die Kinos, allerdings nur mit mittelmässigem Erfolg. In Earthquake (Regie: Mark Robson, 1974) wurde Los Angeles filmisch das letzte Mal von der Zerstörung durch eine Naturkatastrophe bedroht. Die beiden Filme (Volcano, Earthquake) sind sich nicht nur von der Vorlage her ähnlich, sondern auch vom Ablauf der Ereignisse. Die Unterschiede der beiden Filme weisen die Stärken und Schwächen der beiden Produktionen auf.

Bei Earthquake dauert es fast bis zur Hälfte des Films, bis erste grössere Beben auftreten. Bis zu diesem Zeitpunkt stellt Robson die Protagonisten vor, danach wird ihnen kaum mehr Zeit zum Atmen gegeben. Der Film befasst sich mit den Erlebnissen von ungefähr zehn mehr oder weniger gleichgestellten Darstellern (dabei auch Charlton Heston). Dies erlaubt einen fliessenden Übergang von einem Schauplatz zum anderen und ermöglicht es dem Zuschauer, mehrere Blickwinkel einzusehen. In Volcano beschränkt sich Regisseur Mick Jackson fast ausschliesslich auf seinen Star Tommy Lee Jones, der dadurch zu einem Action-Helden hochstilisiert wird und den Nebendarstellern wenig Spielraum lässt. Der Vulkanausbruch ereignet sich bereits sehr früh im Film, wodurch sich Mick Jackson selber zwingt, den Lavastrom zeitweise zu unterbrechen, um kleine Geschichten einzustreuen. Einige davon stören die Spannung unnötigerweise und sind von Klischees geprägt, während andere ironische Seitenhiebe auf die Stadt der Engel und die Sensationlust der Presse sind, die zwar der Spannung ebenso wenig zuträglich sind, den Film aber um ein unterhaltsames Element erweitern. Schliesslich hat Mick Jackson bereits mit L.A. Story bewiesen, dass er die komischen Seiten dieser Metropole effektvoll in Szene setzen kann.


Vulkanbezwinger Tommy Lee Jones

Special-Effects-Spektakel

Auch wenn Tommy Lee Jones überzeugend den Lavabezwinger mimt, so kann doch nichts darüber hinwegtäuschen, dass die eigentlichen Hauptdarsteller von Volcano die Lava und ihre Erzeuger sind. Der eigentliche Grund, diesen Film zu sehen, sind nicht irgendwelche überzeugenden schauspielerischen Leistungen oder eine überdurchschnittlich spannende Story, sondern hauptsächlich die Möglichkeit, in den Genuss von erstklassigen Special-Effects-Aufnahmen zu kommen, um Los Angeles in der sicheren Distanz des Kinosessels brennen zu sehen. Tommy Lee Jones liefert eine solide, sehenswerte Leistung, die übrigen Darsteller hingegen bleiben, mit Ausnahme von Anne Heche, ziemlich blass und eintönig. Die Spannung erreicht etwa gegen Mitte des Films ihren Höhepunkt und nimmt auf das Ende hin wieder ab, weil schon früh absehbar ist, dass im Gegensatz zu Earthquake, bei dem die Hälfte der Hauptdarsteller ihr Leben lassen müssen, in diesem Film alle Protagonisten überleben. Die Aufnahmen, die von Volcano in Erinnerung bleiben, sind sicherlich diejenigen von der gemütlich daherfliessenden Lava, die sich durch fast nichts aufhalten lässt ­ und vielleicht von einem im Flammenmeer versinkenden Wilshire Boulevard. Volcano bleibt trotz etlicher Mängel einer der besseren Special-Effects-Filme der letzten Zeit.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Volcano (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Jackson, Mick
Drehbuch:Armstrong, Jerome
Ray, Billy
Produktion:Davis, Andrew (I)
Moritz, Neal H.
Stuber, Scott
Davis, Andrew (I)
Koproduktion:Chaffin, Stokely
Fottrell, Michael
Ausf. Prod.:Shuler-Donner, Lauren
Kamera:Sande, Theo van de
Schnitt:Brochu, Don
Tronick, Michael
Musik:Silvestri, Alan
Ausstattung:De Govia, Jackson
Kostüme:Everberg, Kirsten
Besetzung:Albarez, Angela
Alejan, Sam
Anzur, Terry
Baggish, Joy
Barry, Georganna
Bill, Jennifer
Bjorklund, Jennifer
Black, Gerry
Bond, Paula
Bourland, Kevin
Buckley, Frank
Callie, Dayton
Carroll, Larry (I)
Cervantes, Carlos
Cheadle, Don
Clark, Sandra (II)
Coleman, Ceal
Comden, Danny
Corbett, John (I)
Cottrell, Mickey
Crabson, Tom
Crouch, Angie
Cutt, Michael
Dapar, Josie
David, Keith
DeGregorio, Kayli
DeGregorio, Kelsi
DuVall, Howard
Eason, Bo
Edwards, Steve (II)
Essman, Susie
Fardon, Joshua
Foo, Sasha
Garcia, Rick
Goldner, Rich
González, Juan Carlos
Grace, Wayne
Griego, Penny
Heche, Anne
Hodson, James Scott
Hoffmann, Gaby
Howard, Sheila
James, Gary Kent
Jones, Tommy Lee
Kasper, Pete
Kerman, Ken
Kilbride, Kerry
Kim, Jacqui
Kramer, Bert
Laird, Jere
Lalama, Pat
Lardner, Lonnie
Lathem, Laurie
Lee, Luann
Levin, Harvey (II)
Levy, Marty
Love, Mother
Low, Eddie J.
Lucey, D.
Lynch, John Carroll
Mabowe, David T.
MacDonald, James (I)
MacLaughlin, Steve
Mainz, Steven
Manuel, Michael
Markinson, Brian
Martirez, Jean
McGrady, Michael
McWatt, Chris
Myers, Chris
Myers, Lou
Naipo, Al
Nee, Phil
Olney, Warren
Orchid, Bruce R.
Parker, Brad
Penn, Richard
Perez, Charles
Perkins, Ron
Pressman, David (I)
Quevedo-Stoll, Teresa
Quinones, Leo
Recasens, Alina
Rendino, Sal
Reynoso, Juan Gabriel
Rich, Katie
Richards, Walter
Rispoli, Michael
Rodriguez, Valente
Rogers, Rick
Saxton, Richard L.D.
Schiff, Richard
Schreiber, Catherine
Sible, Todd
Smith, Shepard
Spinder, Christopher
Thedford, Marcello
Thomas, Ken
Thompson, Jeremy
Thorne, Jared
Thorne, Taylor
Tittor, Robert
Trunk, Peter
Urquidi, Sergio
Velez-Mitchell, Jane
Warry, Jillian
Wells, Jane
Williams, Gareth (I)
Wisdom, Robert
Wright, Karl T.
Wynn, Andrea
Yamauchi, Takayuki
Zaver, George
Anzur, Terry
Bjorklund, Jennifer
Bond, Paula
Buckley, Frank
Carroll, Larry (I)
Clark, Sandra (II)
Corbett, John (I)
Crouch, Angie
Edwards, Steve (II)
Foo, Sasha
Garcia, Rick
Goldner, Rich
González, Juan Carlos
Griego, Penny
Hodson, James Scott
Kilbride, Kerry
Laird, Jere
Lalama, Pat
Lardner, Lonnie
Lee, Luann
Levin, Harvey (II)
Lucey, D.
MacDonald, James (I)
Martirez, Jean
McWatt, Chris
Myers, Chris
Naipo, Al
Olney, Warren
Orchid, Bruce R.
Perez, Charles
Pressman, David (I)
Quevedo-Stoll, Teresa
Quinones, Leo
Recasens, Alina
Richards, Walter
Saxton, Richard L.D.
Smith, Shepard
Spinder, Christopher
Thompson, Jeremy
Trunk, Peter
Urquidi, Sergio
Velez-Mitchell, Jane
Warry, Jillian
Wells, Jane
Williams, Gareth (I)
Wright, Karl T.
Wynn, Andrea
Yamauchi, Takayuki
 
Länge:102 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:SDDS
Prod.-firma:Moritz Original
Donner/Schuler-Donner Productions
Fox 2000 Pictures
CH Verleih: 20th Century Fox


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