Wag The Dog (1997)

«This is Nothing.»


von Serge Zehnder


Oh Gott, oh Gott, das hat wohl kaum jemand erwartet. Gegen Ende des Jahrtausends, inmitten von Wirtschaftskrisen und politischen Unruhen, einer Erde, wo Klimakatastrophen und gesellschaftliche Umwälzungen stündlich einsetzen, wo grosse Nationen wie die Vereinigten Staaten von Amerika um ihr Image in der Welt bangen, machen sich zwei der bekanntesten Schauspieler der Welt und ein talentierter Regisseur dazu auf, ihrem Vaterland eine der schmerzlichsten Lektionen zu erteilen, die es seit Oliver Stones allgemeiner Theorien-Schlacht gab. Kaum verwunderlich, wollte sich keines der grossen Studios an Wag The Dog die Finger verbrennen. Die zweite Präsidentensatire «Primary Colors» soll angeblich auf Clintons Geheiss hin bereits entschärft das Licht der Leinwand erblickt haben. Interessanterweise ist ausgerechnet das Studio New Line Cinema, welches zum Medien-Imperium Ted Turners (CNN) gehört, für den Vertrieb des Filmes verantwortlich. Aber wie's scheint, hat Turner genug «Chuzpe», um über sich selbst zu lachen. Dennoch wurde der grosse Brocken des moderaten 15 Mio. $ Budgets von den drei Hauptbeteiligten, Regisseur Barry Levinson und seinen beiden Stars Dustin Hoffman und Robert DeNiro getragen, was beweist, wie wichtig jedem von ihnen die Adaption von Larry Beinharts Roman «American Hero» war.


Ein Pröstchen auf den Schwindel.

«AS THE WORLD INTERNS» (aus The Tonight Show with Jay Leno)

Kurioserweise ist von Beinharts Roman so gut wie nichts mehr im Film zu finden, abgesehen von der politischen Spitzfindigkeit und einem nagend bösen Humor, der von den Drehbuchautoren David Mamet (hier erhält er Pluspunkte, die er aber mit seinem Drehbuch zu «The Edge» gleich wieder verloren hat ­ aber das ist eine andere Geschichte) und Hilary Henkin («Romeo Is Bleeding») noch «getoppt» wurde. Gleichzeitig ist aber ein völlig neuer Handlungsfaden gesponnen worden. Dabei wird der mächtigste Mann der Welt (für die einen ist es Bill Gates, für die anderen der Präsident der USA, wir begnügen uns hier mit letzterem) in einen Sexskandal verwickelt. Der gute Herr soll sich an einer minderjährigen Praktikantin (englisch «Intern») vergriffen haben, und das elf Tage vor der Wiederwahl. Da helfen nicht einmal die doofsten Wahlwerbespots, um das Vertrauen in den Präsidenten wiederzugewinnen. Auftritt Conrad Brean (DeNiro), Politstratege mit einem Ruf, der kurzerhand einen aussenpolitischen Zwischenfall ins Leben ruft, um von den Korridoren und Hinterzimmern des Weissen Hauses abzulenken. Ihm zur Seite steht der Hollywood-Produzent Stanley Motss (Hoffman) und die präsidiale Beraterin Winifred Ames (Anne Heche, deren Frisur alleine schon das Eintrittsgeld wert ist). Dieses Trio aus Hollywood-Glamour und Machtmanipulation macht es sich zur Aufgabe, den Blick der Bevölkerung über die Landesgrenze zu lenken, um die jetzige Administration vor dem politischen Knockout zu bewahren. Auch wenn das bedeutet, Kriege und andere Desaster anzuzetteln. Hey, schliesslich ist alles Showbusiness.


DeNiros: Der Method-Denker Heches Frisur: Vom Staat gesponsert.

ZEITLOSER ZEITGEIST

Es ist schon fast surreal, dass Levinson diesen Film hat drehen können. Begünstigt durch die aktuellsten Ereignisse ist Wag The Dog auch ohne Lewinsky und Co. eine der schärfsten und besten Satiren auf die Massenmedien seit Sidney Lumets «Network». In gewisser Hinsicht übertrifft er jenes Meisterwerk sogar, da hier einem zwar vor Lachen die Tränen kommen, gleichzeitig aber die giftige Subtilität die Hinterhältigkeit der Beteiligten stark akzentuiert wird. Wie hingebungsvoll die Macher an dieses Projekt herangetreten sind, ist jede Sekunde spürbar. DeNiro, Hoffman und Heche sind so gut wie makelos. DeNiro mit Fliege und Rentnerhut, Hoffman als Imitat des Hollywood-Players Robert Evans (Produzent von «The Godfather», «Chinatown» und «Sliver») und Heche mit ihrem wagnerianischen Nibelungen-Vornamen sind skurril und trotzdem realer als manche Strassenstudie. Diese Leistungen zusammen mit Robert Richardson («JFK», «City of Hope») einmal mehr brillanter Kamera, Levinsons rücksichtsloser Inszenierung und einer Drehzeit von rund einem Monat, ergaben eine der reinsten Formen von Kino, und das obwohl sich die Story um das Erschaffen von Illusionen dreht. Mag der Start des Films den Schluss zulassen, dass er in absehbarer Zeit veraltet sein wird, so bleibt nur zu sagen, dass Wag The Dog so lange es Politik gibt, nie an der Zeit Schaden nehmen wird.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Wag The Dog (1997)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Barry Levinson
Drehbuch:Larry Beinhart
Hilary Henkin
David Mamet
Produktion:Robert De Niro
Barry Levinson
Jane Rosenthal
Koproduktion:Eric McLeod
Ausf. Prod.:Michael De Luca
Claire Rudnick Polstein
Ezra Swerdlow
Kamera:Robert Richardson (I)
Schnitt:Stu Linder
Musik:Tom Bähler
Mark Knopfler
Ausstattung:Wynn Thomas
Kostüme:Rita Ryack
Besetzung:Arlene Afshangol
Terry Anzur
Nicole Avant
Michael Belson
James Belushi
Geoffrey Blake
Jenna Byrne
Tom Bähler
Allen Carter
Carmen Carter
John Cho
Jason Cottle
Brant Cotton
Nikki Crawford
Suzanne Cryer
Michael Reid Davis
Drena De Niro
Robert De Niro
Christine Devine
Kirsten Dunst
Lance Eaton
Chris Ellis
Lu Elrod
Jack Esformes
Sean Fenton
Giselle Fernandez
John Franklin (I)
Kevin Furlong
Hope Garber
Melissa Gardner
George Gaynes
Karen Geraghty
James Gilstrap
Jennifer Gross
Merle Haggard
Wendy Lou Halvorsen
Bill Handel
Woody Harrelson
Anne Heche
John Michael Higgins
Bernard Hocke
Dustin Hoffman
Anthony Holiday
Cliff B. Howard
Brad Kalas
Stephanie Kemp
Ken Kern
David Koechner
Richard Lawson
Denis Leary
Jay Leno
Jerry Levine
Michelle Levinson
Furley Lumpkin
William H. Macy
Jennifer Manley
Andrea Martin
Sean Masterson
J. Patrick McCormack
Ron McCoy
Maggie Mellin
Gina Menza
Emmett Miller
Marguerite Moreau
Derrick Morgan
Edwin T. Morgan
Phil Morris
Tom Murray (II)
Craig T. Nelson
Willie Nelson
Suzie Plakson
Shirley Prestia
Garry R. Roleder
Richard Saxton
Rick Scarry
Jack Shearer
Roebuck 'Pops' Staples
Ralph Tabakin
Billy Trudel
Alberto Vasquez
Mark Vieha
Michael Villani
Edrie Warner
Julia Waters
Maxine Waters
Oren Waters
Harland Williams
Warren Wilson (II)
Maurkice Woods
 
Länge:100 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Prod.-firma:Tribeca Productions / New Line Cinema / Punch Productions / Baltimore Pictures
CH Verleih: Focus Film


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