What Dreams May Come (1998)

Himmel nach Mass.


von Serge Zehnder


Irgendwann bekommt jeder, was er verdient, sogar das Jenseits hat eine feste Ordnung, die sich ganz individuell auswirkt. Dies ist zumindest die Vorstellung des Autors Richards Matheson, auf dessen übersinnlichem Roman Vincent Wards bildgewaltiges «After-Life-»-Epos basiert. Chris Nielsen (Robin Williams) kommt darin nach einem Unfall in den Himmel, den er sich unbewusst selber erschaffen hat. Sein Reich besteht aus den Bildern seiner Frau Annie (Annabella Sciorra), deren seelischer Zustand sich, nachdem sie nun auch Chris einige Jahre nach dem tragischen Unfalltod ihrer Kinder verloren hat, noch mehr verschlechtert. Indes versucht Chris mit seiner Frau in Kontrakt zu treten, um ihr Leiden zu lindern, ohne zu ahnen, dass seine metaphysische Nähe ihr nur noch grössere Schmerzen zufügt.


Chris (Williams) und Annie (Sciorra) bei ihrer ersten Begegnung in der Schweiz!

IM DSCHUNGEL DER SEELEN

Es ist dieser Schmerz, den Annie letztendlich in den Selbstmord treibt und in die Hölle verbannt, wodurch die ewige Vereinigung für die beiden Seelenverwandten unmöglich wird. Umöglich ist jedoch etwas, das im selbsterzeugten Himmel ohne Regeln nicht akzeptiert wird. Schon gar nicht von Chris, der sich zusammen mit seinem beschützerischen Gehilfen Albert (Cuba Gooding jr.) und einem Spurenleser (Max von Sydow souverän wie eh und je) in den Schlund der Hölle begibt, um seine wahre Liebe unter den unzähligen herumtreibenden Seelen zu finden.


Ein Trio in der Hölle (v.l. Good jr., Williams, von Sydow)

RELIGIÖS, ESOTHERISCH OHNE BEWEIHRÄUCHERUNG

Ein bisschen von der anderen Seite des Diesseits waren Wards Filme (unter anderem «Map of the Human Heart» oder «The Navigator») schon immer. Dass er für What Dreams May Come auf dem Regiesessel Platz nahm, verwundert deshalb nicht. Vermutlich wäre unter einem anderen Regisseur dieser feinfühlige Mix aus unterschiedlichsten religiösen, kulturellen und literarischen Quellen zu einem triefenden pseudo-realistischen Stück Esokitsch geworden. Ward versucht jedoch nicht, grosse Realitätsnähe zu erzeugen, sondern bedient sich sämtlicher technischer Mittel, um auf den Zuschauer einen zauberhaften ja fast himmlischen Bildersturm loszulassen. Riesige Studiokulissen, Computereffekte von Digital Domain («Titanic», «Apollo 13») und natürlich die sehr unterschiedlichen Darsteller verdecken die arg banale Handlungsstruktur. Massenclown Williams gibt sich dezent, mit kleinen schelmischen Verbalitäten, Cuba Gooding jr. ist ein kumpelhaftes Energiebündel und Sciorra, obwohl meistens am Leiden, verdankt die Bewahrung ihrer schauspielerischen Integrität, die bei konstantem Tränenfluss verlieren zu gehen droht, Wards regem Bilderfluss und besonders dem Umstand, dass der Neuseeländer schon von Beginn weg den Stil des Films dem Zuschauer begreiflich macht. What Dreams May Come ist eine berauschende Elegie von Bild und Ton, die von der Magie (und den Möglichkeiten des modernen Kinos) lebt und nicht so sehr aufgrund der Figuren und ihrer Schicksale, sondern anhand derer virtuellen Welten, die Emotionen hervorruft.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:What Dreams May Come (1998)
Genre:Fantasyfilm
Bewertung:
 
Regie:Vincent Ward
Drehbuch:Richard Matheson
Ronald Bass
Produktion:Barnet Bain
Stephen Deutsch (II)
Koproduktion:Alan C. Blomquist
Ausf. Prod.:Ronald Bass
Ted Field
Erica Huggins
Scott Kroopf
Kamera:Eduardo Serra (II)
Schnitt:David Brenner (I)
Maysie Hoy (I)
Musik:Michael Kamen
Ausstattung:Eugenio Zanetti
Kostüme:Yvonne Blake
Besetzung:Jessica Brooks
Rosalind Chao
Cuba Gooding Jr.
Josh Paddock
Annabella Sciorra
Robin Williams
Max von Sydow
Yvonne Blake
 
Länge:113 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Metafilmics
Interscope Communications
PolyGram Filmed Entertainment
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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