White Squall

Ridley Scott geht schwimmen



Im Herbst 1960 checken dreizehn Halbwüchsige (ausschliesslich männlichen Geschlechts) auf dem Schulschiff Albatross ein. Sie absolvieren die exklusive Ocean Academy, dank derer sie nicht nur normalen Schulstoff und ein bisschen Seefahrt erlernen sollen. Vielmehr sollen sie zu richtigen (natürlich sonnengebräunten) Männern reifen, echte Kameradschaft erfahren und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Auf der einjährigen Reise durch den Südpazifik und die Karibische See kommt es denn auch vorallem zu zwischenmenschlichen Problemen, die aber alle irgendwie gelöst werden. Dabei spielt Christopher Sheldon (Jeff Bridges) eine wichtige Rolle. Schliesslich ist der Kapitän des Segelschiffes eine Autoritätsperson, wie sie im Buche steht: streng, aber gerecht und vorallem väterlich gutmütig.
Fast am Ende ihrer Reise kommt dann die Albatros in den für Schiffahrts-Geschichten üblichen schweren Sturm, einen sogenannten White Squall. Innerhalb weniger Minuten sinkt das Schiff und reisst sechs Besatzungsmitglieder in den Tod.
Die geretteten Überlebenden müssen zusammen mit einem Gericht die Schuldfrage stellen. Hat Sheldons Verhalten sechs Menschen, darunter seine Frau Alice (Caroline Goodall) das Leben gekostet? Oder hat der Rest der Besatzung dank seiner Ausbildung überlebt?

White Squall bringt nichts Neues und die Geschichte ist ziemlich klischeehaft und vorhersehbar, auch wenn sie einer wahren Begebenheit nacherzählt ist. Spannung kommt ebenfalls nur mässig auf. Sauer aufgestossen ist mir, dass nebenbei noch überholte Männlichkeitsideale propagiert oder sogar der Kolonialismus idealisiert wird. In einer Szene nehmen die Jugendlichen eine traumhafte Insel "in Besitz", so wie es auch schon ihre Väter getan hätten. Besonders kitschig und aufgesetzt wirkt die Gerichtsverhandlung am Schluss. Eindrücklich sind hingegen die wunderschönen Bilder von Schiff und Südsee und die schauspielerischen Leistungen von Jeff Bridges und den jugendlichen Schauspielern. Von einem Kult-Regisseur wie Ridley Scott (Alien, Blade Runner, Thelma and Louise) erwartet man aber mehr.

Bewertung: ** (von 5*)

Daniel Schneider

Angaben zum Film



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