The X Files (1998)

Die amerikanische Mistery-Serie «The X-Files» kommt nun endlich als abendfüllender Spielfilm in die Kinos!


von Sandra Walser


Was tun, wenn das stille Örtchen geschlossen ist, obwohl man es doch so dringend bräuchte? Kurzerhand in einen Hinterhof urinieren, beispielsweise - so ist das eben nun mal. In ihrer filmischen Umsetzung dient diese Notlage meistens als Quelle für sichere Lacher oder als belangloses Zwischenszenario. Äusserst selten schliesslich kommt es vor, dass die missliche Situation mit einer klaren Aussage verbunden ist.

In «Fight the Future» geschieht dies mit einem einzigen Schnitt und einer langsamen Kamerafahrt. Aus der mit Braun- und Schwarztönen verdüsterten, etwas unheimlichen Welt wird nach und nach das bepinkelte Objekt sichtbar: ein verwittertes «Independence Day»-Filmplakat. Eine klar wertende Geste also, die hier vollzogen wird. Und eine ziemlich freche dazu, wenn man weiss, dass der Vollziehende der UFO-Guru Fox Mulder ist, der Held der amerikanischen Kultserie «The X-Files» (Akte X).

Weltweites Phänomen

Ihr verschwörerischer Unterton und die bisher in dieser Form unbekannte Symbiose aus Krimi und Science-Fiction liessen die Mistery-Show weltweit zu einer der erfolgreichsten Fernseh-Serien avancieren. In den USA und in Kanada sind die «X-Files» die erfolgreichste TV-Serie überhaupt, in England haben sie die höchsten Einschaltquoten in der Geschichte der Fernsehstation BBC2 erreicht und in Japan werden sie als grösster Fernseh-Hit seit David Lynchs «Twin Peaks» gefeiert. Darüber hinaus sind die «X-Files» eine der meistdiskutierten TV-Serien im Internet. Schliesslich verehren Millionen von Fans, die sich «X-Philes» (X-Süchtige) nennen, die Protagonisten Dana Scully (Gillian Anderson) und Fox Mulder (David Duchovny) als das grösste Liebespaar des Jahrhunderts, obwohl sie sich in der fünfjährigen Laufzeit der Produktion kein einziges Mal geküsst haben.

Angesichts dieses Erfolges erstaunt es nicht, dass die sechste Staffel der Serie mit einem abendfüllenden Spielfilm eingeleitet wird. Darin kämpfen die FBI Special Agents Mulder und Scully wieder einmal Seite an Seite gegen jene Mächtigen, die die Existenz von Ausserirdischen verleugnen. So werden sie in ein undurchschaubares Netz von Intrigen gezogen, als sie dem wahren Grund (ein geheimnisvoller, ausserirdischer Virus) eines Bombenattentats auf ein Bürogebäude in Dallas auf die Spur kommen.

Es knallt und bebt

In wunderbare Farbtöne getunkt ist «Fight the Future» in erster Linie ein Fest fürs Auge - und die Nerven. In diesem Sinne vermag der Film grösstenteils zu halten, was Mulder in der Hinterhof-Szene versprochen hat: spannender und intelligenter konzipiert als der Kassenschlager «Independence Day» um den Angriff von Ausserirdischen zu sein.

Als aber ein dramaturgischer Kunstgriff die Special Agents im letzten Viertel des Filmes in die Antarktis verschlägt, ist der Film nicht davor gefeit, selbst in jenen Gigantismus abzuschlittern, der «Independence Day» zu einer Lachnummer degradierte. Schliesslich vermögen auch die pyro- und tricktechnischen Glanzleistungen nicht darüber hinwegzutäuschen, dass hier auf ein Show-Down hingearbeitet wird, der sich in dieser Form eigentlich gar nicht ereignen dürfte. Zumindest nicht in einem Film, der derart augenfällig den Anspruch erhebt, sich vom üblichen Science-Fiction-Brei abzuheben.

Doch Anspruch hin- oder her, interessieren tut doch vor allem eines: Werden sich Scully und Mulder endlich küssen? Um es ganz im Sinne der «X-Files» auszudrücken: Die Wahrheit ist irgendwo da draussen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:The X Files (1998)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Rob Bowman (I)
Drehbuch:Chris Carter (I)
Frank Spotnitz
Produktion:Mary Astadourian
Chris Carter (I)
Daniel Sackheim
Koproduktion:Frank Spotnitz
Ausf. Prod.:Lata Ryan
Kamera:Ward Russell
Schnitt:Stephen Mark
Musik:Mark Snow
Ausstattung:Christopher Nowak
Kostüme:Marlene Stewart
Besetzung:Gillian Anderson
Lucas Black (II)
Tom Braidwood
Blythe Danner
William B. Davis (I)
Jeffrey DeMunn
David Duchovny
Gary Grubbs
Dean Haglund
Bruce Harwood
Glenne Headly
T.W. King
Martin Landau
Hrothgar Mathews
Armin Mueller-Stahl
John Neville
Terry O'Quinn
Mitch Pileggi
Stanley Walsh (I)
Michael Shamus Wiles
Don S. Williams
Joel Traywick
 
Länge:121 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:20th Century Fox [us]
Ten Thirteen Productions
CH Verleih: 20th Century Fox


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