Y aura-t-il de la neige a Noël? (1996)

Auf einem Bauernhof irgendwo in Frankreich lebt eine Bäuerin mit ihren sieben Kindern.


von Thomas Hunziker


Der Vater der Kinder, ein Lastwagenfahrer und zugleich der Hofsbesitzer, kommt zwar jeden Tag kurz vorbei, aber nur um Saatgut vorbeizubringen, die Ernte abzuholen oder um mit der Bäuerin ins Bett zu steigen. Die Kinder behandelt er herablassend und beachtet sie nur, wenn er sie zu irgendeiner Arbeit herumkommandieren kann, die Bäuerin ist lediglich seine Geliebte, verheiratet ist er mit einer anderen, zu der er jeden Abend zurückkehrt. In der Zeit, wenn die Bäuerin mit ihren Kindern alleine ist, spielt sie mit ihnen, kümmert sich um ihre Probleme oder schenkt ihnen einfach ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Film verfolgt die Ereignisse auf dem Bauernhof von den ersten Arbeiten im Frühling über die Ernte im Sommer und Herbst bis hin zum ersten Schnee an Weihnachten. Was die Bäuerin über diese ganze Zeit durch die harte Arbeit vorantreibt, ist die Liebe zu ihren Kindern, die in ihrem Leben einen festen Rückhalt bieten.



Schnörkellose Erzählung

Regisseurin Sandrine Veysset, die mit Y'aura-t-il de la neige à noël? ihren ersten eigenen Film realisierte, erzählt ihre Geschichte mit nüchternen Bildern aus der Halbdistanz, wodurch der Film an einen Dokumentarfilm erinnert. Was diesen Eindruck noch verstärkt ist, dass, mit Ausnahme während des Vor- und Abspanns, den ganzen Film hindurch keine Musik zu hören ist. Die Kamera stolpert fast wie zufällig in eine Begebenheit herein, wirft einen Blick darauf und wendet sich dann wieder etwas anderem zu. Die Schweizerin Dominique Reymond, in der Rolle der Bäuerin, stellt den Balanceakt zwischen der Hingabe zu den Kindern und der Liebe zum despotischen Lastwagenfahrer überzeugend dar. Erstaunlich sind die darstellerischen Leistungen der Kinder, insbesondere wenn man bedenkt, dass ansonsten jugendliche Schauspieler den Genuss eines Films deutlich schmälern. Das Gegenteil ist jedoch bei Y'aura-t-il de la neige à noël? der Fall; die Kinder spielen ihre Rollen mit einer solchen Natürlichkeit, dass man fast annehmen muss, dass sie sich an die im Film geschilderten Verhältnisse gewohnt sind.



Die Kraft der Liebe

Die Dreharbeiten für Y'aura-t-il de la neige à noël? erstreckten sich, wie auch die Handlung des Films, über fast ein Jahr, von Frühling bis Winter. Es ist daher auch bemerkenswert, wie konsequent Sandrine Veysset bei der Verfimung ihres eigenen Drehbuchs gearbeitet hat und die Geschichte gradlinig vorantreibt. Auf einfachste Weise erweckt sie Gefühle und Interesse für die Bauernfamilie, die ein karges, aber dennoch glückliches Dasein fristen muss, und insbesondere für ihr Familienoberhaupt, die Bäuerin, die in ihrer Liebe zu den Kindern Stärke und Kraft für ihr Leben findet. Ein wenig misslungen ist lediglich, zumindest in meinen Augen, das Ende, bei dem der Ablauf der Ereignisse ein wenig pathetisch erscheint, und wahrscheinlich nicht so wie es Sandrine Veysset eigentlich geplant hatte. Ansonsten ist Y'aura-t-il de la neige à noël? ein sehenswerter, wenn auch zwischendurch etwas langatmiger Film.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Y aura-t-il de la neige a Noël? (1996)
Land:Frankreich
Bewertung:
 
Regie:Veysset, Sandrine
Drehbuch:Veysset, Sandrine
Produktion:Balsan, Humbert
Kamera:Louvart, Hélène
Schnitt:Quettier, Nelly
Ausstattung:Dubus, Jacques
Kostüme:Raoul, Nathalie
Besetzung:Chaix, Jeremie
Chimenes, Flavie
Colonna, Xavier
Duval, Daniel (II)
Martinez, Jessica
Mathonnet, Guillaume
Rochetin, Fanny
Roger, Alexandre
Reymond, Dominque
 
Länge:90 Minuten
Bild:35 mm (Farbe)


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