Zauberbuch, Das (1997)

Der Regisseur des bekannten Märchenfilms Drei Nüsse für Aschenbrödel hat wieder zugeschlagen. Leider hat er nicht getroffen.


von Thomas Hunziker


König Johannes möchte seine Tochter mit einem hochnäsigen, eingebildeten Prinzen vermählen. Da dieser all seine Reichtümer für die Jagd aufbrauchte, ist er besonders an dieser Hochzeit interessiert, weil er auf diesem Weg in den Besitz des magischen Geldbeutels des Königs kommt. Um den König und die Prinzessin zu beeindrucken, borgt er sich deshalb die Kronjuwelen eines freundlichen, intelligenten Prinzen aus. Als er allerdings erfährt, dass der Geldbeutel gestohlen wurde, entschliesst er sich die Prinzessin nicht zu heiraten und macht sich aus dem Staub. Doch schon eilt der freundliche Prinz zu Hilfe, muss sich aber als Kaminfeger verkleiden, weil er nur so den Dieb in die Irre führen kann. Die böse Hexe, die für den Diebstahl verantwortlich ist, besitzt zwar den Geldbeutel, muss sich aber noch den dazugehörenden Ring aneignen, weil sonst der Geldbeutel die gewünschten Goldmünzen nicht ausspuckt und muss deshalb in den Palast zurückkehren, wo sie sich vor dem freundlichen Prinzen und zwei Schurken, die mit der Wiederbeschaffung des Geldbeutels beauftragt wurden, in acht nehmen muss.


Die böse Hexe mit ihrem dämlichen Diener

Tschechische Tradition

Der Märchenfilm hat in Tschechien eine lange Tradition, viele werden sich wahrscheinlich an Drei Nüsse für Aschenbrödel aus dem Jahre 1974 erinnern, schliesslich wird dieser Film immer noch jedes Jahr im Fernsehen ausgetrahlt. Obwohl es schon einige Zeit her ist, seit ich Drei Nüsse für Aschenbrödel das letzte mal gesehen habe, so blieb mir der Film dennoch als wunderbarer, fantasievoller Märchenfilm im Gedächtnis. Das Zauberbuch kann jedoch die Erwartungen, die diesen Erinnerungen entwuchsen, nicht erfüllen. Die Drehbuchautoren versuchten die klassischen Märchenelemente an die heutige Zeit anzupassen, u.a. dadurch das die Prinzessin ihre eigenen Vorstellungen von der Hochzeit hat, allerdings erfährt man nicht, ob sie in der LAge wäre ihren Kopf auch durchzusetzen. Wegen einer Überhäufung von Handlungssträngen kann den viel zu zahlreichen Figuren nur wenig Raum gegeben werden sich zu entfalten, wobei auch zu anzumerken ist, dass die Darsteller in ihren Rollen keineswegs zu überzeugen vermögen.


Der Traumprinz und seine Prinzessin

Vorbild U.S.A.

Die Produzenten von Das Zauberbuch begründen ihre Entscheidung, nach langer Pause erneut Märchenfilme herzustellen damit, dass in den letzten Jahre verschiedene Märchenfilme grosse Erfolge feierten. Offensichtlich haben sie dabei übersehen, dass z.B. The Adventures of Pinocchio durch perfekte Spezialeffekte besticht, und dass Roald Dahl wie kein anderer Kindergeschichten erzählt, wie z.B. Matilda und James and the Giant Peach. Es ist verständlich, dass die Produzenten von Das Zauberbuch, die mit einem geringeren Budget arbeiten müssen, als ihre amerikanischen Kollegen, in vielen Bereichen nicht mit den eben genannten Produktionen konkurrieren können; man könnte jedoch zumindest erwarten, dass sie in der Lage sind, mit einer originellen spannenden Geschichte zu verblüffen, und dass die Spezialeffekte nicht wie Relikte aus den Anfängen des Spielfilms wirken. Es bleibt zu hoffen, dass das Produktionsteam für die zwei weiteren, bereits angekündigten Märchenfilme bessere Geschichten auf Lager hat und sich bei deren Verfimung mehr Mühe geben. Ansonsten wartet man am besten auf Weihnachten und die damit verbundene Wiederausstrahlung von Drei Nüsse für Aschenbrödel.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Zauberbuch, Das (1997)
Land:
Genre:Kinderfilm
Bewertung:
 
Regie:Vorlícek, Václav
Besetzung:Ochsenknecht, Uwe
Ruland, Tina
Tidof, Max
Weinzierl, Kurt
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby


[ Homepage ]
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)