Braveheart

Regie:          Mel Gibson
Drehbuch:       Randall Wallace
Besetzung:	Mel Gibson, Sophie Marceau, Catherine McCormack, 
                Agnus McFadyen
Kamera:         John Toll, Asc
Produktion:     Mel Gibson, Alan Ladd, Jr., Bruce Davey
Exec. Producer: Stephen McEveety
Verleih:        20th Century Fox
Format:         35mm 1:2.35 (scope)
Sound:          Dolby SR-D, DTS


Grossartig choreographierte Schlachten, stilgetreue Kostüme und Bauten

Nur arme, machtbesessene Teufel sterben an Lepra oder Tuberkolose. Helden sterben anders. Helden schreien lauthals - noch am Foltertisch, nach unsäglichen Qualen wie Rädern, Darmobduktion und ein wenig Hängen - lieber "Freiheit" als "Gnade". Dann kullern die Augen nach hinten und der letzte Hauch aus der Lunge entweicht. Es folgt die Zeit für Mythen. Es werden variieren Variabeln wie Grösse, Niedergemetzelte, Alter, Wunden, Intelligenz. Was man letztlich weiss von einem Helden ist weniger Physiches als absolute Abstrakta oder eben abstrakte Absoluta: Leidenschaft, Freiheitsdrang, Unabhängigkeit, Liebe und Intrigen, Glaube und Mut. Kurzum die Wahrheit einer Person mit Macht, die von innen kommt. So verwundert es nicht, dass die Zeiten der grössten Helden im Mittelalter waren. Die Machtverhältnisse waren so klar wie Regen in Schottland. Der Feind war wirklich böse und genaue Quellen gibt es nicht.

Unser Held heisst William Wallace (Mel Gibson), ist Schotte und wurde um das Jahr 1267 geboren. Sein Vater starb im Befreiungskampf gegen die Engländer. Bei seiner Beerdigung folgt die schönste Szene des Films. Der kleine William steht am Grab, alle sind schon gegangen. Die kleine Murron schenkt ihm eine Blume. Die Liebe sollte folgen. William Wallace wird von seinem Onkel abgeholt. Er wird drei Sprachen lernen, nach Rom reisen und als Mann in sein Heimatdorf Lanark zurückkehren. Dort will er Bauer werden, Kinder haben und in Frieden leben.

Es wird anders kommen.

Leicht hätte aus diesem Stoff Entsetzliches entstehen können. Doch das immerwährende ironsiche Lächeln Gibsons, ausgezeichnete Charaktere, wie der fiese König Edward I. (Patrick McGoohan) und der sympathisch beknackte irische Freiheitskämpfer Stephen (David O'Hara) erlauben ungetrübte Unterhaltung.

In Schottland gilt William Wallace als Volksheld. Er kämpfte Zeit seines Lebens nicht nur gegn die Engländer für ein unabhängiges Schottland, sondern auch gegen den schottischen Adel, der ihn immer wirder im Stich liess, da von England reichlich Ländereien und Titel vergeben wurde. William muss gegen Armeen und Diplomatie antreten. Die Intrigen sind es denn, die dem Film ein wenig shaekspear'sche Züge verleihen. Grossartig choreographiert Schlachten, stilgetreue Kostüme und Bauten sowie gut gestreute Portionen Humor tun das Uebrige.

Wahrlich! Man hat das Gefühl mitten im Schlachtgetümmel zu stecken. Am rechten Ohr zischen Pfeile vorbei, das linke Auge vernimmt schwammig Taten, denen Holzbeine folgen werden. Alles ist Rot, alles ist Tod. Ein Kamf ist ein Kampf (Schluss). Bedrückt schleicht man aus dem Kino. Ehrlich, hätten wir nicht alle "Gnade" geflüstert? Gut, dafür sind wir noch im Vollbesitz unserer aller Glieder. Auch klebt nicht überall Blut. Muss man die Kleider nicht waschen. Auch gut. Schont die Umwelt.

Martin Ritter

Copyright 1995 M. Ritter
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